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Herbert Kickl und die Operation „Dritte Republik“

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Herbert Kickl bei einer Veranstaltung am 1. Mai, auf der das Motto „Klare Verhältnisse“ lautete. Jetzt versucht er, zum „Aufbruch an die Spitze“ zu mobilisieren.©APA-Images, fotokerschi, WERNER KERSCHBAUMMAYR

Der FPÖ-Chef versammelt seine Anhänger an diesem Wochenende, um an die Wahl von Jörg Haider zum FPÖ-Chef vor 40 Jahren zu erinnern – und sich daran zu machen, zu schaffen, was dieser wollte.

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Was kann Herbert Kickl noch stoppen? Im deutschen Sachsen-Anhalt hat die AfD fast 44 Prozent erreicht, obwohl sie vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. In Österreich zieht die FPÖ in Umfragen immer weiter davon, obwohl sie keine Berührungsängste zu rechtsextremen Identitären zeigt und von diesen etwa den Begriff „Remigration“ übernommen hat. Derlei schadet nicht mehr.

Zum einen, weil es längst aus fast allen Parteien heißt, dass ein Migrationsproblem bestehe und daher entschlossen gehandelt werden müsse. Zum anderen, weil die traditionellen Volksparteien in Folge von Teuerung und anderen Krisen ihr Versprechen nicht mehr halten können, dass sozialer Aufstieg möglich sei, zumindest aber niemand existenzielle Ängste haben müsse: Das ist für viele ein entscheidendes Motiv, AfD oder FPÖ zu wählen, zumal sie so tun, als könne man das Rad der Zeit zurückdrehen.

ÖVP: Oppositionsrolle unvorstellbar

Kickl versucht, die Dynamik zu befeuern: Für diesen Samstag lädt er seine Anhänger nach Innsbruck, um daran zur erinnern, dass Jörg Haider dort vor 40 Jahren die FPÖ übernommen und zu einer rechtspopulistischen Partei gemacht hat. Vor allem aber, um das für eine Mobilisierung zu nutzen, die unter dem Titel „Aufbruch an die Spitze“ läuft.

Er ist nahe dran, zu schaffen, was Haider wollte, aber nicht realisieren konnte: Er hat beste Chancen, die FPÖ bei der nächsten Nationalratswahl noch klarer auf Platz eins zu führen und die ÖVP, die sich in wesentlichen Fragen ohnehin schon zunehmend nach ihm ausrichtet, eher nur gnadenhalber mitregieren lassen zu können – im Wissen, dass die Oppositionsrolle unvorstellbar ist für sie.

Zurückhaltender Präsident, gefällige Medien

Das sind Rahmenbedingungen, die für Haiders „Dritte Republik“ im Sinne eines politischen Systems erforderlich sind, das auf einem starken Mann ausgerichtet ist. Kickl spricht von einem „Volkskanzler“. Das ist einer, der vorgibt, zu wissen, was „das Volk“ will und so den Druck erhöht, dass es auch umgesetzt wird.

Wobei: Bei einer parlamentarischen Mehrheit zu seinen Gunsten ist nicht viel Druck notwendig dafür. Nützlich wäre daneben ein Bundespräsident, der sich politisch zurückhält und mitspielt. 2028 wird ein neuer gewählt, und Hans Niessl (SPÖ), der Ambitionen zeigt, anzutreten, signalisiert, dass er ein solcher wäre. Nicht schaden könnten im Übrigen gefällige Medien. Doch darum bemüht sich Kickl schon, indem er für eine Zerschlagung des ORF wirbt.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 36/2026 erschienen.

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