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Zum Ende von MTV kommt das FPÖ-Radio Austria First

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Peter Plaikner

©Bild: Matt Observe

Austria First erinnert an die Parole America First, ist aber ein Medienprojekt der FPÖ. Das Online-Radio soll stündlich Infos sowie morgens, mittags und abends Journale senden. Die Propaganda-Konkurrenz zu Hörfunk-Nachrichten will zudem mit Musik punkten. Doch der Radiomarkt ist dicht besetzt.

Nein, Sie müssen Geoff Downes nicht mehr kennen, obwohl er Keyboarder in drei bedeutenden Bands war. Eher noch sollten Sie sich an Trevor Horn erinnern, der als Musikproduzent „die Achtziger erfand“ (©„Der Spiegel“, 2014). Noch tiefer könnten The Buggles in Ihrem Gedächtnis verborgen sein – das Duo der beiden. Dessen Welthit hingegen entkommen Sie nicht einmal per Gnade der späten Geburt (© Helmut Kohl, 1983): „Video Killed The Radio Star“ ist zwar noch älter (1979), war aber der erste Song auf MTV. Der Clip dazu startete am 1. August 1981 den heute legendären Sender. Am 31. Dezember 2025 wurde sein Musikprogramm außerhalb der USA eingestellt.

Blaue Propaganda-Fabrik

Doch während der Abgesang aufs Radio überzogen war und bloß den Bedeutungsverlust beschrieb, sind kurze Bewegtbilder heute dominanter denn je. Es gibt lediglich wichtigere Kanäle für ihre Verbreitung. Zum Beispiel YouTube. Die populärkulturelle Normierung ist dabei allumfassend. In Österreich nutzt das die FPÖ besonders gut. Ihr YouTube-TV mit einer Viertelmillion Abonnenten bildet den Kern eines eigenen Medienhauses, mit dessen PR-Beiträgen die Partei kritischer journalistischer Hinterfragung zunehmend ausweicht. Am Samstag erhält diese Propaganda-Fabrik einen neuen Kanal: Austria First.

Dabei gilt es, vorerst ein paar Widersprüche aufzulösen: Denn dass „Österreichs erstes Patriotenradio“ einen englischsprachigen Namen trägt, wirkt nur bedingt logisch. Dass im Boom der Shorts – Mini-Videos auf Social Media – auf Hörfunk gesetzt wird, verblüfft noch mehr. Und die Verbreitung via Web und App wirkt zwar modern, liegt aber noch klar hinter herkömmlicher und DAB-Ausstrahlung. Via Antenne sind 80, per Digital Audio Broadcasting 60 Sender aus und in Österreich zu empfangen. Der Internet-Kanal hat als größten Vorteil, dass dafür keine rundfunkrechtlichen Verpflichtungen existieren.

Hörfunkstart für die KI-Ära

Parteichef Herbert Kickl gab am 17. Jänner beim Neujahrstreffen in der so altbacken wie Radio wirkenden Klagenfurter Messehalle den Startschuss für ein Angebot „vollgepackt mit guter Musik und echten Nachrichten statt linker Meinungsmache, wie wir sie aus den Systemmedien kennen.“ Letzteres war zu erwarten und wird die gewohnte blaue PR, aber ohne Bilder. Doch das Soundformat entscheidet über Hörfunk-Erfolg (Ausnahmen wie Ö1 bestätigen bloß die Regel). In der Gesamtmischung haben sich schon bewährte Medienmacher wie Wolfgang Fellner schwer überhoben. Mit Radio hatte er nie Erfolg.

Die musikalischen FPÖ-Visitenkarten von der John Otti Band bis zu den Rap-Versuchen eines Heinz-Christian Strache lassen für Austria First eine wilde Mischung erwarten. Spannend wird dabei, wie Künstler versuchen werden, den Sender zu boykottieren. Auf den logischen Station Song „I am from Austria“ wird er wohl ohnehin verzichten müssen. Gegen seine Verwendung in FPÖ-Wahlkämpfen hat Urheber Rainhard Fendrich schon vor 20 Jahren geklagt. Gute alte Zeit? Im einst programmatischen Buggles-Text vom Tod des Radiostars überdauern zwei Zeilen sogar das Ende des Videokanals MTV: „Rewritten by machine on new technology / And now I understand the problems you can see“. Das wirkt maßgeschneidert für die Ära von KI. Erst wenn sie allein für die „gute Musik“ und die „echten Nachrichten“ zuständig wird, hört wirklich keiner mehr hin. „Wetten, dass …?“

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.

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