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Ex-ORF-Chef Wrabetz wird Wiener KI-Beauftragter

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Alexander Wrabetz

©IMAGO / Rudolf Gigler

Als Bevollmächtigter für den Medienstandort im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz soll er künftig Projekte zwischen Stadt, Verwaltung und Medienhäusern koordinieren – und zwar ehrenamtlich.

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Der frühere ORF-Chef Alexander Wrabetz wird Beauftragter der Stadt Wien für Künstliche Intelligenz in den Medien. Das wurde am Dienstag bei einem Termin mit Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (beide SPÖ) verkündet. In der neuen Funktion soll Wrabetz gemeinsam mit der Verwaltung und Medienhäusern Projekte zu dem Thema koordinieren. Angesiedelt ist die Stelle in der Wien Holding.

Offiziell firmiert Wrabetz als "Bevollmächtigter der Stadt Wien für den Medienstandort Wien im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz". Seine Tätigkeit, so wurde heute betont, übt der frühere ORF-General ehrenamtlich aus. Anlass für sein Engagement war laut Ludwig die aktuelle Situation in der Branche. So würden immer mehr Werbeausgaben zu den internationalen Plattformen fließen.

Großer Druck auf die Branche

"Das wird noch mehr beschleunigt durch KI, damit muss man sich ganz stark auseinandersetzen", konstatierte der Bürgermeister. Die betreffenden Plattformen würden nicht zuletzt zur Radikalisierung und Polarisierung beitragen – etwa durch Algorithmen und durch Fake-Inhalte. Zugleich seien in Österreich derzeit rund 1.000 Journalistinnen und Journalisten arbeitslos gemeldet. Viele Jobs in dem Bereich seien in den vergangenen Jahren verloren gegangen.

Der Druck auf die Branche sei ungeheuerlich. Wrabetz soll laut Ludwig als operative Schaltstelle zwischen der Stadt und den Unternehmen dienen und hier die Zusammenarbeit in diesem Bereich erleichtern. Auch wird er sich mit dem Thema Ausbildung bzw. mit Qualifizierungsprogrammen beschäftigen. Eine zeitliche Befristung gebe es für die Funktion nicht, erläuterte der Bürgermeister.

Dies sei ein spannendes Projekt, er hoffe, dass er viel für den Medienstandort Wien beitragen könne, führte Wrabetz aus. Das Umfeld am Medienmarkt habe sich durch KI-Anwendungen zuletzt dramatisch verändert und die Entwicklung sich beschleunigt. Darauf gelte es, eine Antwort zu finden. "Kein Medienhaus allein wird diese Herausforderung bewältigen können."

Projekte bis zum Sommer

Sein Ziel sei es, das Know-how der Medien zu bündeln. Auch der ORF soll hier einbezogen werden. Wrabetz will bis zum Sommer einen Plan entwickeln, welche Projekte umgesetzt werden können. Erste Gespräche mit Unternehmen habe es dazu bereits gegeben, berichtete er. Die Resonanz sei bisher "sehr positiv" gewesen. Ausdrücklich hob er hervor, dass auch die Chancen der neuen Technologie, die etwa die Produktivität erhöhen könne, in seiner Arbeit eine Rolle spielen sollen.

Wrabetz bekräftigte, dass er in beratender Funktion zur Verfügung stehe. Mögliche gesetzliche Änderungen seien Sache der Stadt. Der neue Bevollmächtigte wird auch keine Förderungen vergeben, strich Ludwig hervor. Laut Wirtschafts- und Finanzstadträtin Novak wird die Stelle in die Struktur der Wien Holding Media GmbH eingebettet.

Kritik der FPÖ

Die FPÖ kritisierte die Stelle in einer Reaktion als "Prestigeposten". Die Wienerinnen und Wiener hätten ein Recht darauf zu erfahren, welche Kosten hier etwa durch Aufwandsentschädigungen tatsächlich entstehen, befand die nicht amtsführende FPÖ-Stadträtin Ulrike Nittmann. Man werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Offenlegung der Verträge zu erzwingen, kündigte sie an.

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