ABO

Falscher Atomalarm per App: Was in der Ukraine und in Russland auf den Handys erschien

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Person hält ein Smartphone in der Hand
Foto:©Unsplash, freestocks

Erst in der Ukraine, wenige Stunden später in Russland: Über offizielle Warn-Apps verbreiteten Unbekannte gefälschte Alarmmeldungen. Was auf den Handys zu lesen war, wie die Behörden reagierten und warum solche Angriffe im Krieg besonders heikel sind.

News auf Google bevorzugen

Was in der Ukraine auf den Handys erschien

Am späten Abend des 1. November haben Unbekannte die ukrainische Warn-App „Powitrjana triwoha“ (Luftalarm) missbraucht, um gefälschte Meldungen zu verschicken. Die auf Russisch verfassten Nachrichten kündigten einen landesweiten Atomalarm an und spielten dabei auf die russische Mittelstreckenrakete Oreschnik an. In einer weiteren Meldung hieß es, die Menschen in Kiew sollten wegen der Gefahr eines Chemieangriffs nicht ins Freie gehen. Auch in der westukrainischen Region Transkarpatien wurden falsche Luftalarme ausgelöst.

Die Betreiber der App bestätigten den Vorfall in einer Mitteilung auf ihrem offiziellen Kanal: Unbefugte hätten in die Arbeit der App eingegriffen. Man habe die Push-Benachrichtigungen abgeschaltet und die App vorübergehend stillgelegt. Da die App keine persönlichen Daten speichere, bestehe für die Nutzerinnen und Nutzer keine Gefahr. Die ukrainische Luftwaffe stellte klar, dass keine radioaktive Bedrohung besteht.

Wie die ukrainischen Behörden reagierten

Die Falschmeldungen wurden nach etwa einer Stunde zurückgenommen. Das Ministerium für digitale Transformation, das die App gemeinsam mit dem Sicherheitstechnikunternehmen Ajax Systems entwickelt hat, verwies darauf, dass Sirenen und andere Warnwege weiter funktionierten. Der staatliche Katastrophenschutz DSNS meldete, das landesweite Warnsystem arbeite im Normalbetrieb, und rief dazu auf, keine Links aus unbekannten Quellen anzuklicken. Auch mehrere Regionalverwaltungen warnten davor, Links in den Meldungen zu öffnen.

In der Nacht kündigte das Team an, die App nach der Cyberattacke schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen würden umgesetzt.

Blurred image background
Person hält ein Smartphone in der Hand
 © Unsplash/freestocks

Wenige Stunden später traf es Russland

In den frühen Morgenstunden des 2. November meldete das russische Katastrophenschutzministerium einen „massiven Cyberangriff“ auf seine mobile App. Angreifer hätten darüber falsche Informationen an die Bevölkerung verschickt. Die gefälschte Warnung behauptete, auf alle Regionen Russlands seien Atomsprengköpfe abgefeuert worden. Die Menschen sollten Lebensmittel für drei Wochen bevorraten und in Kellern Schutz suchen. Laut Ministerium wurde daran gearbeitet, die Sicherheitslücke zu schließen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Website des russischen Präsidenten werde jeden Tag viele Male angegriffen, ebenso andere Behörden. Wer hinter den beiden Angriffen steckt und ob sie zusammenhängen, ist offen. Eine offizielle Zuschreibung gibt es von keiner Seite.

Warum Warn-Apps ein heikles Ziel sind

In der Ukraine gehören Warn-Apps seit Beginn der russischen Großinvasion zum Alltag. Sie zeigen an, wann Menschen Schutzräume aufsuchen sollen. Gerade deshalb ist ihr Missbrauch so heikel: Eine falsche Atomwarnung kann Panik auslösen, und jede Falschmeldung untergräbt das Vertrauen in echte Alarme, auf die Menschen im Ernstfall schnell reagieren müssen.

Die Behörden beider Länder rieten nach den Vorfällen dazu, sich nicht auf eine einzige Quelle zu verlassen. In der Ukraine laufen Sirenen und das staatliche Warnsystem parallel zur App. Die russischen Behörden verwiesen auf Fernsehen, Radio, SMS und Lautsprecherdurchsagen. Für Nutzerinnen und Nutzer gilt in beiden Fällen dieselbe Grundregel, die auch der ukrainische Katastrophenschutz betonte: keine Links in verdächtigen Benachrichtigungen öffnen und Meldungen über offizielle Kanäle prüfen.

Quellen

Powitrjana triwoha (Telegram): Mitteilung zur unbefugten Störung der App (1. November 2026)

Powitrjana triwoha (Telegram): Wiederinbetriebnahme der App nach der Cyberattacke (2. November 2026)

Staatlicher Katastrophenschutz der Ukraine DSNS (Telegram): Mitteilung zum landesweiten Warnsystem (November 2026)

Weitere Quelle: The Kyiv Independent, Ukraine's air raid alert system hacked, Russian system targeted hours later (2. November 2026); The National, Fake alerts warn of nuclear attack after Ukraine and Russian systems hacked (2. November 2026)

Politik Ausland
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER