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In der recht übersichtlichen Schau im Museum am Judenplatz lässt Kuratorin Caitlin Gura die großen Geschichten erahnen, die hinter den kleinen Objekten stehen. "Ich möchte das Individuum wieder ins Rampenlicht holen", machte Gura am Montag bei der Präsentation der Ausstellung ihren Ansatz deutlich.
Es sind die raren Fragmente, die die Menschen in ihre neue Heimat retten konnten. Was sagt es aus, dass die Klarwills ausgerechnet Lederhose und Dirndl mit auf die Reise nehmen? Oder das Kleid, das Gisela Ephrussi nach dem Krieg für ein Modehaus designt hat, nachdem sie aus Mexiko wieder zurückgekehrt ist? Welche Odyssee erzählen die Zeichnungen von Reinhold Eckfeld bis zur Ankunft in Australien, wo er letztlich seinen Traum, Architekt zu werden, verwirklichen wird, während sein Bruder Waldemar hier stets fremd bleibt und sich letztlich umbringt.
"Es gab keine Willkommenskultur damals", unterstreicht Kuratorin Gura, wie schwierig die bürokratischen wie auch emotionalen Hürden der Ausreise waren. Eine Fotovergrößerung zeigt etwa den Komponisten Erich Zeisl mit seiner Schwiegermutter, Ehefrau und einer Freundin am Vorabend ihrer Ausreise. Gesichter zwischen Leere ob des Erlebten und Unsicherheit ob des Kommenden.
Zugleich zeichnet "Heimatlos" auch den langen bürokratischen Weg nach, den die Menschen im Vorfeld gehen mussten, zeigt die Enteignungen, die auf die erzwungenen Vermögensverzeichnisse folgen, die nüchternen Behördendokumente, hinter denen Schicksale verborgen sind. Darunter fällt etwa das Kündigungsschreiben der Gemeindebauwohnung des Ehepaars Biegler, das sich ob der "arischen" Einstufung von Gattin Elisabeth sicher wähnte, aber doch delogiert wird. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Shanghai kommen die beiden wieder zusammen.
Viele der gezeigten Objekte stammen aus dem Museumsbestand, zahlreiche wurden von Nachfahren zur Verfügung gestellt, weshalb sich nicht zuletzt die Familiengeschichten von prominenten Namen wie des Anwalts Randy Schoenberg oder der Schiele-Expertin Jane Kallir offenbaren. Auch Stefan Zweigs Notizheft aus der Emigration kündet als Leihgabe des Literaturarchivs Salzburg davon.
Über die beschränkten Sonderausstellungsräumlichkeiten hinaus wächst man zum einen mittels der umfassenden Begleitpublikation im Czernin Verlag, die weitere Objekte beleuchtet. Und zum anderen erweitert man das Gezeigte durch die "Cuseum-App", die nicht nur eine Einführung, sondern auch Details zu Exilgeschichten aus dem Wiener Stadtbild beinhaltet.
(S E R V I C E - "Heimatlos. Wiener Juden im Exil" im Jüdischen Museum Wien, Museum Judenplatz, Wien 1, Judenplatz 8, 30. September 2026 bis 4. April 2027. Dazu erschienen: "Heimatlos: Wiener Juden im Exil", hrsg. von Caitlin Gura, Czernin Verlag, 192 Seiten, 32,90 Euro. www.jmw.at )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Jüdisches Museum Wien/Elodiegrethen
