von
Freddy Quinn kam als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl in Wien zur Welt. Seine Mutter ist die österreichische Journalistin Edith Nidl (1910-1978). Um seinen Vater ranken sich Mythen. Der Sänger kennt ihn seiner jüngsten Autobiografie zufolge nicht. In seiner Kindheit habe er über ihn nur gewusst, "dass er eine Affäre mit meiner Mutter hatte und abgehauen ist, als sie schwanger war", schreibt Quinn.
Quinn wuchs in Wien auf und besuchte die Volksschule in der Josefstadt. 1939 heiratet seine Mutter den Journalisten und Verleger Rudolf Anatol Freiherr von Petz (1887-1961). Das Gymnasium brach der spätere Schlagerstar 1946 ab und begann eine Karriere als Zirkusmusiker, wie auf "Wien Geschichte" nachzulesen. Auch aufgrund des schlechten Verhältnisses zum Stiefvater lief Quinn von zu Hause weg und schlug sich als Klavierspieler durch.
Entdeckt wurde er schließlich 1954 in Hamburg, Startpunkt seiner außergewöhnlichen Karriere. Angebliche abenteuerliche Karrierestationen davor - zum Beispiel, dass Quinn in Algerien für die Fremdenlegion musizierte - sind schwer nachweisbar. Auftritte in der Washington-Bar in der deutschen Hansestadt ließen Quinn zur lokalen Berühmtheit werden, auf Schauspiel- und Gesangsunterricht folgte der erste Plattenvertrag. Mit seinen von Abschied und Heimweh geprägten Songs traf er den Nerv der Zeit.
1957 drehte der Sänger seinen ersten Film, "Die große Chance", bevor zwei Jahre darauf "Die Gitarre und das Meer" mit einem Bambi als erfolgreichster Film des Jahres ausgezeichnet wurde. Aus ihm wurde ein "Hamburger Junge" mit Wiener Wurzeln. Neben Musik, Film und Fernsehen war Quinn auch als Volksschauspieler tätig und u.a. in den Erfolgsstücken "Der Junge von St. Pauli" oder "Mensch, Kuddel, wach auf!" zu sehen. Einen ersten Ausflug ins Charakterfach wagte er mit der Rolle des Johnny Kröger, der im Hippodrom an der "Großen Freiheit" seine Lieder singt und dessen große Liebe unerfüllt bleibt.
Doch der Erfolg hatte auch seinen Preis: Um das Image des einsamen Seemannes zu erfüllen, das man ihm übergestülpt hatte, musste Freddy Quinn klare Regeln befolgen - eine davon lautete: keine Frauen an seiner Seite. So trat seine langjährige Lebensgefährtin Lilli Blessmann (1918-2008), die er bereits als junger Mann in der "Washington Bar" kennengelernt hatte, in der Öffentlichkeit stets nur als seine Managerin auf.
Nach Jahren des Erfolges erhielt seine weiße Weste 2004 einen Fleck, als er wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt wurde. Eine Tatsache, die ihm seine Fans allerdings schnell verziehen.
Quinn hat im Laufe seiner vielen Jahre im Showgeschäft unzählige Auszeichnungen eingeheimst, darunter das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich (1992) und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (1993) sowie den "Goldenen Rathausmann" (2006). "Ich habe doch meine Pflicht erfüllt", meinte Quinn einmal. Nach mehr als 1.000 aufgenommenen Titeln und knapp 60 Millionen verkauften Tonträgern bis zur Jahrtausendwende ein verständliches Argument.
Er wolle nicht als "tragisches Fotomotiv" enden und einfach seine Ruhe haben, untermauerte er seinen 2008 vollzogenen Rückzug ins Privatleben. Ausschlaggebend für diesen Schritt war auch der Tod seiner Ehefrau. Heute lebt Quinn mit seiner 17 Jahre jüngeren Frau Rosi zusammen.
ARCHIV - 30.08.2001, Brandenburg, Potsdam: Freddy Quinn singt beim Zirkus Sarrasani in Potsdam seinen Gassenhauer «Manege frei». (zu dpa: «Vom Wiener zum Seemann: Freddy Quinn feiert 95. Geburtstag») Foto: Nestor Bachmann/Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
