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Bauhaus: Österreicherin bekämpft patriotische Wende der AfD

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++ HANDOUT/ARCHIVBILD ++ Furchtlos: Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau
©APA/OSTKREUZ/THOMAS MEYER
"Ich komme kaum mehr zu anderen Arbeiten", stöhnt Barbara Steiner. Interviews gibt die österreichische Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau derzeit im Stundentakt. Nach Gesprächen mit dem "Wall Street Journal" und dem "Guardian" nimmt sie sich Zeit für die APA. Im Mittelpunkt des Medieninteresses steht die Politik. In Sachsen-Anhalt könnte bei den Wahlen am 6. September die rechtsradikale AfD an die Macht kommen. Und das Bauhaus ist ihr ein besonderer Dorn im Auge.

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"Die Kultur, die die AfD vorschlägt, ist eine patriotische, deutschnationale, völkische Kultur. Sie will alles liefern, was in ihren Augen das Bauhaus nicht liefert: Heimat, Verortung, Behaglichkeit, die gute alte Zeit", sagt Steiner. "Deren Äußerungen über das Bauhaus folgen Begriffen und Beschreibungen, die vor 100 Jahren ganz ähnlich waren. Das Bauhaus sei wurzellos, traditionsfeindlich, elitär, kalt, abweisend, links und undeutsch." Nach der Gründung des Bauhaus 1919 durch Walter Gropius wurde diese Avantgarde der Moderne in der Weimarer Republik von den Rechten erbittert bekämpft und 1932 von der NSDAP in Dessau verboten.

Wer sich das "Regierungsprogramm" der AfD durchliest, das eine "patriotische Wende" in der Kulturpolitik ankündigt, der fühlt sich tatsächlich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Dem Bauhaus wird "Identitätslosigkeit" vorgeworfen, nach "Vorbild und Inspiration" von Viktor Orbáns Ungarn soll "antideutsche" Kunst künftig nicht gefördert werden. "Damit orientiert sich die AfD Sachsen-Anhalt an einem Modell, das auf eine enge Verknüpfung von Staat, Kultur und nationaler Identität sowie die politische Einflussnahme auf Kulturinstitutionen und die Einschränkung von Vielfalt und Meinungsfreiheit zielt", heißt es in einer vom Bauhaus im April mitunterzeichneten gemeinsamen Stellungnahme zahlreicher Kulturinstitutionen.

In Ungarn, Polen und der Slowakei habe sich das gleiche Bild geboten, sagt Steiner: "Rechtsextreme Parteien haben verstanden, dass Kultur nicht bloß das Veranstalten von Ausstellungen, Aufführungen oder Konzerten ist, sondern ein Feld, in dem sich Wertvorstellungen herausbilden, wo Identitäten und Identifikation entstehen, wo man sich auf Symbole einigt, die man teilt, wo Normalität oder ethische Maßstäbe verhandelt werden." Symbolpolitik heißt aber auch: Es geht nicht (nur) um die paar Millionen Euro, die die Bauhaus-Stiftung künftig möglicherweise vom Land weniger bekommt, sondern es geht um kulturelle Hegemonie, um die Grundsätze des Zusammenlebens.

Das bedeutet auch: Barbara Steiner sucht den Dialog. Sie versucht, Stereotypen zum Bauhaus aufzubrechen und sucht Gespräche: wie etwa über das Handwerk als zentrales Thema des Bauhauses, das den Rechten ebenfalls ein großes Anliegen ist. Sie ist offen. Aber nicht für alles: "Das Grundgesetz ist die Richtschnur für mich. Wenn Demokratie, Rechtsstaat oder Menschenwürde herabgewürdigt werden, dann ist eine Grenze des Sprechens erreicht - aber ansonsten ist es sehr informativ, mit Menschen zu reden und von ihren Gründen zu erfahren, warum sie die AfD gut finden oder ihr angehören. Ich will verstehen, was in ihnen vorgeht. Dieses Gefühl vieler Menschen, dass die Welt den Bach runtergeht, hat ja auch mit multiplen globalen Krisen zu tun, die von einer nationalen Regierung wenig bis gar nicht beeinflusst werden können. Das verstellt manchmal den Blick darauf, was vor Ort passiert. Und in Sachsen-Anhalt passiert sehr viel Positives, das nicht sterben darf. Diese Potenziale werden leider gerade übersehen."

Schon in Graz, wo die 1964 geborene Niederösterreicherin 2016 bis 2021 als Kunsthaus-Direktorin mit einem FPÖ-Vertreter im Aufsichtsrat zu tun hatte, habe sie gelernt, dass es auch in rechten Parteien sehr heterogene Haltungen gebe. "Das Aufsichtsratsmitglied war ein engagierter Kunsterzieher und trug alle Entscheidungen mit. Er hat als Einziger sein Sitzungsgeld für Vermittlungsprojekte gespendet. Auf solche Menschen trifft man dann eben auch, obgleich man über die Gründe dieses Handelns nur spekulieren kann. Die Uneinheitlichkeit in den Parteien kann jedenfalls auch eine Chance sein, denn es zeigt ein parteiinternes Ringen." Das ist eine der Lehren, die sie aus bisherigen Auseinandersetzungen mitgenommen hat. Die andere lautet: Es ist gut, für den Ernstfall gerüstet zu sein.

"Die juristische Ebene ist ein Schlüssel, wenn es darum geht, wie man Institutionen verändert", ist sich Steiner sicher. Und sie könnte ein Schlüssel dafür werden, wenn man versuchen möchte, die österreichische Kunsthistorikerin, deren 2021 angetretener Vertrag kürzlich bis 2031 verlängert wurde, von ihrem Posten zu entfernen. Das könnte dann auch ruppig werden. Die Direktorin hat sich mit dem Abschluss einer Versicherung gewappnet, "zum Beispiel gegen Rufschädigung. Gerne wird in solchen Fällen ja oft Steuergeldverschwendung und Korruption behauptet. Solche Behauptungen sind unter Umständen extrem zermürbend. In solchen Fällen würde ich mich dann auch rechtlich wehren."

Vorher wird aber noch gefeiert. Am 4. und 5. September, also unmittelbar vor der Wahl, findet das traditionelle Bauhausfest statt. "Das findet jedes Jahr genau zu diesem Datum statt. Aber natürlich werden heuer alle die Wahl im Hinterkopf haben. Es wird garantiert ein besonders aufregendes Wochenende." Das Fest hat jedes Jahr ein anderes Motto. Heuer ist es der Zirkus. Keine politische Anspielung, versichert Barbara Steiner: "Die Bauhäusler*innen haben den Zirkus geliebt." Wie wird es am Tag danach in der politischen Manege aussehen? "Die AfD wird stark sein. Als Direktorin einer öffentlich-rechtlichen Institution bin ich parteipolitisch neutral. Aber als Demokratin möchte ich, dass möglichst viele Parteien im Landtag sitzen."

Dass sie im Falle einer absoluten Mehrheit der AfD in Dessau das Handtuch wirft, schließt Steiner aus. "Was ist dann? Dann gehe ich zurück nach Österreich - unter einem Volkskanzler Kickl?" Egal wie die Wahlen in Sachsen-Anhalt ausgehen werden - die grundlegende politische Auseinandersetzung sei in den meisten Ländern Europas ähnlich und werde sich wohl nicht so rasch ändern, meint die kämpferische Direktorin: "Diese Entwicklungen werden uns die nächsten Jahre begleiten. Und deshalb gehe ich auch nicht davon aus, dass ich nach der Wahl weniger Interviews geben muss."

(Das Gespräch führten Caterina Schiliro und Wolfgang Huber-Lang/APA)

Barbara Steiner, Direktorin und Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau, aufgenommen am Montag, 04. Dezember 2023, in Dessau-Roßlau, Deutschland.

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