Tomi Tokic Gründer und Unternehmer
©Natasha SchubertDie Plattform erstellt Exposés in zehn Minuten, organisiert Besichtigungen und verlangt vom Verkäufer nur im Erfolgsfall ein Prozent.
Ein Wiener Proptech-Unternehmen will den Immobilienverkauf stärker digitalisieren und die Kosten für Eigentümer und Käufer senken. Die Plattform Imoto erstellt nach eigenen Angaben innerhalb von zehn Minuten ein Immobilienexposé, verwaltet Anfragen und Besichtigungstermine und begleitet Verkäufer bis zur Übermittlung der Unterlagen an den Vertragserrichter.
Anders als bei klassischen Maklermodellen behalten Eigentümer den direkten Kontakt zu Interessenten und entscheiden selbst über Besichtigungen und Kaufangebote. Für Käufer ist die Nutzung der Plattform laut Imoto provisionsfrei.
Exposé aus Eckdaten und Bildern
Für die Erstellung eines Inserats müssen Verkäufer die wichtigsten Informationen zur Immobilie eingeben und Bilder hochladen. Die Plattform strukturiert die Angaben und erstellt daraus ein Exposé. Zusätzlich unterstützt sie bei der Beschaffung relevanter Unterlagen, bündelt Anfragen und organisiert Besichtigungstermine.
Eingehende Kaufangebote werden ebenfalls über die Plattform gesammelt. Sobald ein Angebot angenommen wurde, übermittelt Imoto die für den Kaufvertrag benötigten Unterlagen an einen Rechtsanwalt oder einen anderen Vertragserrichter.
Der eigentliche Immobilienverkauf dauert damit allerdings nicht zehn Minuten. Die Zeitangabe bezieht sich auf die automatisierte Erstellung des Exposés nach Eingabe der erforderlichen Daten.
Ein Prozent Provision für Verkäufer
Das Unternehmen überträgt nach eigenen Angaben den Grundgedanken des Bestellerprinzips auf den Immobilienverkauf. Gesetzlich gilt dieses Prinzip in Österreich seit 2023 für die Vermittlung von Mietwohnungen. Dabei bezahlt grundsätzlich jene Seite die Maklerprovision, die den Makler zuerst beauftragt hat.
Beim Modell von Imoto entstehen für Käufer keine Vermittlungskosten. Verkäufer bezahlen im Erfolgsfall ein Prozent des Kaufpreises zuzüglich Umsatzsteuer. Vorabzahlungen, Abonnements oder laufende Plattformgebühren fallen laut Unternehmen nicht an.
„Warum soll der Käufer Provision zahlen, wenn doch der Verkäufer verkauft?“, sagt Gründer Tomi Tokic. Wer eine Leistung beauftrage, solle dafür auch bezahlen.
Auf seiner Plattform stellt das Unternehmen zudem Rechner bereit, mit denen Käufer und Verkäufer die angegebenen Kosten mit einer Provision von drei Prozent zuzüglich Umsatzsteuer vergleichen können.
Preisband statt fixer Bewertung
Bei der Ermittlung eines möglichen Verkaufspreises arbeitet Imoto mit einem sogenannten Preisband. Dieses soll unterschiedliche Faktoren wie Lage, Zustand und aktuelle Marktsituation berücksichtigen und Eigentümern eine Orientierung für den Beginn des Verkaufsprozesses geben.
Die endgültige Preisentscheidung bleibt beim Verkäufer. Auch Besichtigungen und der Austausch mit Interessenten erfolgen direkt zwischen Eigentümer und potenziellen Käufern, werden jedoch über die Plattform organisiert.
Entscheiden sich die Beteiligten für einen Partneranwalt von Imoto, kostet die Erstellung des Kaufvertrags nach Unternehmensangaben ein Prozent des Kaufpreises zuzüglich Umsatzsteuer.
Vom Immobilienunternehmen zur digitalen Plattform
Imoto wurde 2012 als klassisches Immobilienunternehmen gegründet. Seit 2026 verbindet das Unternehmen seine Erfahrung in der Bewertung, Vermarktung und Abwicklung von Eigentumsobjekten mit einem weitgehend digitalen Verkaufsprozess.
Die Plattform ist in ganz Österreich verfügbar. Gründer Tomi Tokic verfügt nach Angaben des Unternehmens über rund 15 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche.
Ob digitale Angebote klassische Makler langfristig ersetzen können, dürfte vor allem von der jeweiligen Immobilie und dem gewünschten Betreuungsumfang abhängen. Das Modell von Imoto richtet sich insbesondere an Eigentümer, die den Verkauf selbst steuern, organisatorische Aufgaben aber über eine Plattform abwickeln möchten.