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Die Schönheit der Musik des heute weltberühmten Italieners kann sich in dem Werk von Damiano Michieletto voll entfalten. Sie ist mehr als Illustration, wird geradezu zur Hauptakteurin. Die magische Klangvielfalt illustriert eine fiktive Geschichte um die Versuche einer Schülerin Antonio Vivaldis, sich als Violinistin und vor allem als Persönlichkeit zu behaupten.
Anfang des 18. Jahrhunderts wird Cecilia (Tecla Insolia) im Waisenhaus "Ospedale della Pietà" vom dort als Lehrer und Dirigent arbeitenden Mönch Antonio Vivaldi (Michele Riondino) in ihrer Liebe zum Geigenspiel und in ihrem Drang nach Selbstständigkeit bestärkt. Sie beginnt einen aussichtslosen Kampf um Selbstbestimmung. Der Ausgang ist höchst ungewiss.
Dem durch ausgezeichnete Inszenierungen an vielen großen Opernhäusern - darunter auch in Wien - gefeierten Regisseur Damiano Michieletto ist mit seinem Kino-Debüt ein überaus publikumswirksamer Spielfilm gelungen. Cecilias Story und Vivaldis Musik verschmelzen zu einer packenden Einheit.
Klug, weil ohne erhobenen Zeigefinger, wird über die in vielen Kulturen bis heute nicht verschwundene Missachtung von Frauen nachgedacht. Michieletto hat sich nicht dazu verführen lassen, einen Schmachtfetzen um das Schicksal Vivaldis zu bebildern, sondern nutzt dessen künstlerisches Erbe, um zur Diskussion aktueller Fragen anzuregen.
"Vivaldi und ich" ist an den historischen Roman "Stabat Mater" des venezianischen Autors Tiziano Scarpa angelehnt, im Deutschen ist das Buch übersetzt von Olaf Matthias Roth erschienen. Die Filmerzählung beginnt leise, zart. Sie wird stetig dramatischer. Die in ihrer Heimat als Pop-Sängerin gefeierte Tecla Insolia überzeugt dabei mit einer vielschichtigen Charakterstudie. Man glaubt ihr die Entwicklung Cecilias vom passiven Opfer traditioneller Rollenmuster zur aktiven Rebellin. Vor allem schwelgt man mit ihr im Zauber der Musik. Ihre schließlich sehr modern anmutende Ausstrahlung dürfte auch Filmfans begeistern, die bis zum Kinobesuch nur wenig oder gar nichts mit klassischer Musik am Hut hatten.
(Von Peter Claus/dpa)
(S E R V I C E - https://www.filmladen.at/film/vivaldi-und-ich/ )
ROM - ITALIEN: FOTO: APA/APA/X Verleih AG/Kimberley Ross






