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Der knapp zweistündige Film erzählt die Geschichte des Megastars Mother Mary, die Arenen füllt, von Fans geliebt und gefeiert wird, innerlich aber leer und gebrochen ist. Etwas quält die Popdiva. Vollkommen entkräftet sucht sie Hilfe bei ihrer früheren Modedesignerin und Freundin Sam, gespielt von Michaela Coel ("I may destroy you").
Seit Jahren habe die beiden sich nicht gesehen, die Stimmung ist angespannt. Mother Mary bittet Sam, ein Kleid für ihr Bühnencomeback zu nähen. Sie will wieder zu sich selbst und ihrem früheren Glanz finden. Nur noch Sam kann sie retten, glaubt sie.
Der Film ist als Kammerspiel inszeniert. Zentrum ist eine riesige Scheune, Sams Atelier. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden. Was ist mit Mother Mary passiert? Was sucht sie nachts heim und lässt sie nicht mehr schlafen? Spielen übernatürliche Kräfte eine Rolle? Warum haben die früheren Freundinnen sich so sehr voneinander entfremdet?
Das findet der Zuschauer nach und nach heraus - zumindest soll er das. Denn den endlosen Dialogen zwischen den beiden Hauptfiguren, die gefühlt nur in Metaphern zueinander sprechen, ist inhaltlich teilweise schwer zu folgen. Es geht um Geister, Liebe, Freundschaft, Anerkennung, Religion, Musik, Mode und Ruhm, also ein bisschen um alles und das ist das Problem des Films: Er will zu viel und wirkt überladen. Manchmal fällt es schwer, sich auf die Handlung einzulassen: Man ist zu sehr damit beschäftigt, zu rätseln, was die Pointe ist.
Lohnenswert ist der Film für alle, die sehen wollen, dass Hathaway nicht nur lieb, nett und makellos kann. Mit anspruchsvollen Tanzeinlagen liefert die Schauspielerin in "Mother Mary" eine physisch eindrucksvolle Performance.
Nach "Plötzlich Prinzessin" und "Der Teufel trägt Prada" hätten Menschen anscheinend eine sehr festgefahrene Vorstellung davon gehabt, welche Rollen sie spielen könne, sagt die 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Doch sie wollte wachsen. "Und so habe ich mich mehr vom Mainstream wegbewegt und versucht, mich mit unterschiedlichen Rollen herauszufordern." In ihre Fans habe sie großes Vertrauen. "Ich glaube, meine Fans sind bereit, sich auf etwas Verrücktes einzulassen."
Sehr gut einlassen kann man sich in jedem Falle auf den Soundtrack, an denen die britischen Sängerinnen FKA Twigs - die im Film auch als Nebendarstellerin auftritt - und Charli XCX mitgeschrieben haben. Mit Clubbeats und verzerrten Synthesizern ist der Sound der preisgekrönten Charli XCX unverkennbar und trägt die Kinobesucher durch den Film. Eingesungen wurden die Lieder von Anne Hathaway.
Sie habe sich mehrere Jahre auf die Rolle vorbereitet, erzählt die Hollywood-Schauspielerin. Hathaway bekam Gesangs- und Tanzunterricht und schaute sich Konzerte von großen Popstars an. Eine der wichtigsten Inspirationsquellen für die Bühnenfigur Mother Mary war Taylor Swift, sagt Lowery. Gemeinsam mit Hathaway besuchte er ein Konzert des US-amerikanischen Megastars - übrigens in Gelsenkirchen, da Mother Mary zum Teil in Nordrhein-Westfalen gedreht wurde.
Auch den Konzertfilm über Swifts "Reputation"-Tour habe er sich immer und immer wieder angeschaut, erzählt der Regisseur. "Es fühlte sich wirklich so an, als stünde sie im Zentrum einer Galaxie und des gesamten Universums, wenn sie auf dieser Bühne stand." Diese Wirkung wollte er mit seinem Film erzeugen.
Neben Swifts Bühnenshow spielten ihre Songs eine wichtige Rolle für Filmemacher und Cast. Lowery erstellte eine Playlist mit Liedern von Taylor Swift, Robyn, James Blake, Charli XCX und anderen Künstlern, die er beim Schreiben des Drehbuchs hörte und später mit Hathaway und dem Rest der Filmcrew teilte. "Ich habe sie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und jeden Abend auf dem Weg nach Hause gehört", sagt Hathaway.
Selbst Popstar sein will die 43-Jährige nicht. "Der Unterschied zwischen mir und Mother Mary ist, dass Mother Mary keinen Filter zwischen sich und ihrem Ruhm hat. Sie ist quasi ihr eigener Ruhm." Als Schauspielerin hingegen könne sie in verschiedene Rollen schlüpfen, ohne ihr Persönliches nach außen tragen zu müssen.
Sie selbst sei über viele Jahre auf eine etwas seltsame Art und Weise berühmt gewesen, erzählt Hathaway. "Ich habe zum Beispiel einen Film gedreht und war dann bei sechsjährigen Mädchen ziemlich bekannt." Ihre Bekanntheit habe sich stets auf das Publikum des Films beschränkt. Die Anerkennung, die sie heute bekomme, habe sie erst seit relativ kurzer Zeit wirklich erreicht, sagt sie.
(Von Mia Bucher/dpa)





