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Mit einem "Blitzschlag der Inspiration" begann die Karriere von Davis im Juli 1944. Damals besuchte die berühmte Band von Billy Eckstine die Stadt St. Louis im US-Bundesstaat Missouri - inmitten des tobenden Publikums stand völlig perplex der 18-jährige Trompeter Miles Davis. "Ich kam während meiner Karriere immer nah dran, das Gefühl dieser Nacht, als ich Dizzy Gillespie und Charlie Parker zum ersten Mal hörte, noch einmal aufleben zu lassen", erinnerte sich der Musiker, der selbst ein Star der Szene wurde, "aber wirklich geschafft habe ich es niemals."
Das vermeintliche Scheitern mag im lebenslangen Streben Davis' nach gleich drei ehrgeizigen Zielen gelegen haben: höchste Kunst, kommerzieller Erfolg und eine tiefe Verbundenheit zu seinen afroamerikanischen Mitbürgern. Geboren wurde er als Sohn eines wohlhabenden Zahnarztes und Landbesitzers in Alton im US-Bundesstaat Illinois. Zum 13. Geburtstag schenkte ihm sein Vater eine Trompete, das Instrument, das ihn sein Leben lang begleiten sollte. Schon in der Schulband entwickelte Davis Ansätze für seinen so charakteristischen "coolen" Stil.
Bald fand Davis in St. Louis seine ersten Engagements, spielte Soli zusammen mit dem Saxofonisten Charlie Parker und in Bands, die von Billy Eckstine oder Benny Carter geleitet wurden. 1945 zog er zum Besuch der renommierten Juilliard School of Music nach New York, wo er jede freie Minute in den Clubs der 52. Straße, Manhattans damaliger Jazz-Avenue, verbrachte. 1948 traf der Musiker den Arrangeur und Produzenten Gil Evans, mit dem er fast vier Jahrzehnte lang zusammenarbeiten sollte.
Die "Birth of the Cool"-Sessions von 1949/50 gelten als die Geburtsstunde des Cool Jazz, den Miles Davis wie kein anderer bestimmte. Ende der 60er-Jahre experimentierte er damit, Jazz und Rock zu verbinden. Davis zog es zu Gegenkultur-Ikonen wie Jimi Hendrix und Sly Stone - die Musikrichtung Fusion war geboren. Das Fusion-Doppelalbum "Bitches Brew" von 1970 wurde in einer Rekordzahl verkauft. In den 80er-Jahren probte der durch Drogenexzesse gebeutelte "Genius des Jazz" sein letztes Comeback.
Von der Jazzkritik wurde Davis später als "Prince of Darkness" tituliert - ein Attribut, das sich auf seine geheimnisvolle Bühnenpräsenz bezog, auf seinen schweigsamen, oft mürrischen Charakter und die nächtlich-großstädtische Ästhetik seiner Musik. Musikerkolleginnen und -kollegen dagegen nannten ihn schlicht "The Chief" - aus Respekt vor seinem musikalischen Genie. Mit dem allgegenwärtigen Rassismus in den USA hat der Musiker immer wieder unliebsame Erfahrungen gemacht. Zeitlebens war Davis ein kompromissloser Gegner von weißem Überlegenheitsdünkel und jeder Art von Rassismus.
Davis war zweifellos einer der größten Jazzmusiker aller Zeiten. Er nahm zahlreiche Einflüsse von wichtigen Persönlichkeiten des Genres auf, auch vom Österreicher Joe Zawinul. Etwas weniger bekannt sind seine Bezüge zur klassischen Musik. Die Ö1-Sendung "Ausgewählt" am 21. Mai (10.05 Uhr) beschäftigt sich mit Davis als Brückenbauer "Zwischen Jazz und klassischer Musik". Am 23. Mai steht in den "Hörbildern" (9.05 Uhr) "Eine Würdigung zum 100. Geburtstag" auf dem Programm, ab 17.05 Uhr ist unter dem Titel "Eine Ikone des Jazz" ein "Diagonal zur Person Miles Davis" zu hören - und die "Ö1 Jazznacht" (23.03 Uhr) wirft Schlaglichter auf Davis' Karriere. "Spielräume" am 28. Mai (17.30 Uhr) präsentieren das Album "Legrand Jazz" (1958) von Davis und Michel Legrand. "In Concert" am 29. Mai (14.05 Uhr) bringt einen Mitschnitt vom Mai 1988.
(S E R V I C E - https://oe1.orf.at/milesdavis )





