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"Sinn und Sinnlichkeit": Austen 2.0

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Für alle Sinne: Neuverfilmung des berühmten Jane-Austen-Romans
©FOCUS FEATURES LLC., APA
Die romantische Komödie "Sinn und Sinnlichkeit" von Ang Lee gilt als Kultfilm. Stars wie Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman wurden vor 30 Jahren für die Verfilmung des Jane-Austen-Romans "Verstand und Gefühl" gefeiert. Nun gibt es eine Neuauflage mit Daisy Edgar-Jones, Caitriona Balfe, Fiona Shaw und Frank Dillane, die am Donnerstag in die heimischen Kinos kommt.

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Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Elinor und Marianne Dashwood, so wie in Jane Austens Kultroman. Als ihr Vater stirbt, erbt ihr Halbbruder John ihr nobles Zuhause Norland Park. Elinor und Marianne, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Margaret müssen in ein bescheidenes Haus auf dem Land ziehen. Dort beginnt ein komplizierter Liebesreigen. Elinor liebt Edward Ferrars, der ihre Gefühle erwidert, aber nicht so zu ihnen stehen kann, wie er will. Auch die Liebe von Colonel Christopher Brandon zu Marianne scheint aussichtslos, ist sie doch rettungslos dem Bad-Boy-Charme von Willoughby verfallen.

Caitríona Balfe aus der Zeitreiseserie "Outlander" spielt die Mutter Mrs. Dashwood. Als Elinor zu sehen ist Daisy Edgar-Jones ("Der Gesang der Flusskrebse"). Die hochromantisch veranlagte Marianne wird gespielt von Esmé Creed-Miles ("Hanna"). In weiteren Rollen: Frank Dillane ("Fear the Walking Dead" und "Urchin") als Willoughby und Herbert Nordrum ("The Royal Hotel") als Colonel Brandon. Den Part des Edward Ferrars spielt George MacKay ("1917"), der 2027 in Bradley Coopers Prequel zu "Ocean's Eleven" zu sehen sein wird.

Nach ihrem Debüt bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Drama "Blue Jean" im Jahr 2022 wechselt Oakley ins romantische Genre. Ihre gut zwei Stunden lange Literaturverfilmung ist unterhaltsam und anrührend. Schön sind vor allem die Momente zwischen Elinor und Marianne, die sich in ihrem Kummer zur Seite stehen. Es sind innige, hochemotionale Szenen, eindrücklich und intensiv gespielt von Edgar-Jones und Creed-Miles. Sie zeigen ihre Gefühle ungeschönt - von verliebter Träumerei bis zur schieren Verzweiflung.

Elinor und Marianne sind bei Oakley starke junge Frauen und machen ihr Glück nicht von einem Ehemann abhängig, schließlich hält das Leben noch ganz andere Herausforderungen und Chancen bereit. Und auch ihr Alltag auf dem Land wird nicht romantisiert. Sie leben nun in einem Bauernhaus im Nirgendwo - das ist hart und fernab jeglicher Idylle. Sie habe das Leben vor 200 Jahren möglichst authentisch zeigen wollen, sagt die Regisseurin.

Oakley setzt auf intensive Erd- und Naturtöne, beige, grün, rot-orange, braun. Das wirkt bisweilen düster, fast wehmütig, aber auch gemütlich - und weitab der Hochglanzwelt im "Bridgerton"-Stil. Sie habe eine ungezwungene Atmosphäre vermitteln wollen, jenseits der Vorstellung, dass sich bei Austen alles "in einem spießigen Salon abgespielt hat", so Oakley.

Austens scharfzüngige Gesellschaftskritik wird bei Oakley zu einer Studie der Befindlichkeiten. Das geht auf Kosten des subtilen, spitzen Humors, der die Kultromane der Autorin (1775-1817) so vergnüglich macht. Einige vergnügliche Dialoge gibt es aber doch. Dafür sorgt unter anderem Fiona Shaw in der Rolle der geschwätzigen, aber warmherzigen Mrs. Jennings, die sich liebevoll um die Dashwood-Mädchen kümmert und sie sogar nach London einlädt.

Was schade ist: Colonel Brandon wirkt als Figur recht flach. Dabei hat Austen ihn im Roman als vielschichtigen Charakter angelegt, der ein Geheimnis hat, das Neugier weckt. Obendrein ist er stark, verlässlich und auf verschrobene Weise auch charmant. In der Neuverfilmung wirkt Brandon, gespielt von Herbert Nordrum, dagegen eher verstockt und schwerfällig. Dass dieser wortkarge Typ Mariannes Herz gewinnen könnte? Schwer vorstellbar. Vielmehr möchte man der lebenslustigen jungen Frau raten: Lass die Finger von diesem Langweiler!

Oakleys Neuverfilmung ist eine Tragikomödie mit melancholischem Unterton und lässt sich deshalb nur schwer mit Ang Lees Fassung vergleichen. Der alte Film mit dem Oscar-gekrönten Drehbuch von Emma Thompson ist eine romantische Komödie zum Dahinschmelzen - und ist selbst in kleinen Szenen grandios. Ob man das im neuen Film vermisst? Vielleicht ein bisschen. Doch eigentlich ist es auch gut, dass der neue "Sinn und Sinnlichkeit" sich deutlich unterscheidet. Oakley setzt andere Akzente und passt mit dem melancholischen Unterton gut in die heutige Zeit, die weniger auf Illusionen setzt. Manches ist am Ende eben anders, als man es sich vorgestellt hat. Das erkennt auch Marianne und sagt weise: "Orte sind wie Menschen. Sie entsprechen nie unseren Erwartungen".

(S E R V I C E - www.universalpictures.de/micro/sinn-und-sinnlichkeit )

LONDON - GROSSBRITANNIEN: FOTO: APA/APA/FOCUS FEATURES LLC.

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