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Luka Leben stellt außergewöhnlichen Debütroman vor

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Salzburger Autorin Luka Leben mit tollem Debüt
©OMV, Pia Jakober, APA
Ein Paar bekommt ein Kind und ist glücklich. Alles scheint wunderbar. Doch je älter das Kind wird, desto mehr Vergleiche werden gezogen. Es reagiert anders als die anderen Kinder, kann lange nicht selbst sitzen und auch nicht reden, während die Gleichaltrigen ihm in der Entwicklung davonziehen. Erste Zweifel, ob alles in Ordnung ist, tauchen auf - und mit ihnen die ersten einer ganzen Reihe von Arztterminen. Davon erzählt Luka Leben in ihrem Roman "Nachts nur das Rauschen".

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Die 1989 geborene Salzburgerin hat für den ersten Text zu dieser Thematik 2024 den Rauriser Förderungspreis für Literatur erhalten. Dieser ist nun zu einem Debütroman angewachsen, der einen aus zwei Gründen überwältigt. Die Angst um Gesundheit und Wohlergehen seines Kindes, das Aktivieren ungeahnter Kräfte und das Hadern mit dem Schicksal - das sind emotionale Ausnahmezustände, die nahezu jede Leserin und jeden Leser unmittelbar ins Herz treffen. Was aber noch viel wichtiger ist: Luka Leben verwendet für die äußeren wie für die inneren Ereignisse, die das Leben der kleinen Familie fortan zur permanenten Krise machen, nicht einfach das traditionelle Vokabular, das man aus unzähligen Büchern kennt, die man böswillig als "Betroffenheitsliteratur" abtun könnte, sondern sucht nach unmittelbaren, treffenden, Stimmungen und Situationen wirklich originär beschreibenden Ausdrücken.

Sie sucht nicht nur, sie findet auch. Was "Nachts nur das Rauschen" außergewöhnlich macht, ist die Sprache, die sich auf ganz leisen Sohlen heranschleicht an Erlebnisse, die sich schwer beschreiben lassen - zumal es unter anderem darum geht, dass "das Kind", wie es immer neutral genannt wird, nicht zu einem herkömmlichen Sprachgebrauch findet. Die große körperliche und emotionale Nähe zwischen Kind und Mutter, die zu einer Art Geheimsprache zwischen den beiden führt und auf beiden Seiten wahre Entzugserscheinungen hervorruft, wenn der enge Kontakt einmal nicht möglich ist, wird in allen Facetten von Glück und Leid geschildert, und selbst MRT- oder Logopädinnen-Termine werden zu Abenteuern voller Ängste, Herausforderungen, Rückschläge und Erfolge, weil Luka Leben minutiös jeden Schritt der Untersuchungen samt Reaktionen auf allen Seiten festhält und die Leser buchstäblich mitzittern lässt.

"Nachts nur das Rauschen" - das gilt für das Babyphon, das den hoffentlich ruhigen Schlaf des Kindes überwacht, aber auch für den Bach neben einem Haus am Land, das als Domizil für Jule und Elias zum Schauplatz des künftigen familiären Lebens auserkoren wird, aber in der Folge wenig Idylle bereithält. Die Beziehung der beiden Eltern leidet rasch unter den neuen Umständen, aus einem sprachlosen einander Verstehen wird ein spannungsreiches nebeneinander Funktionieren. Kursiv gesetzte und in den Erzähltext eingefügte Podcast-Passagen stehen für die Ablenkung, die der junge Vater sucht, an manche Kapitelenden gestellte Internetsuchanfragen für die Ängste der Mutter, die nicht zur Ruhe kommt, sondern Gewissheit möchte. Von "Trinkschwäche, Schluckprobleme" und "Baby schläft nicht länger als 30 Min" gelangt man so allmählich bis zu "Schwerbehinderten Ausweis" und "Genetic Screening". Das wird tatsächlich so etwas wie eine Diagnose bringen - und damit auch ein neues Dilemma: Lässt sich das, was ein Gendefekt verursacht, überhaupt mit Therapien verbessern oder gar beseitigen?

Die endlich erhaltene Diagnose ist aber am Ende nicht die Auflösung des Rätsels - denn das, so hat Jule längst verstanden, lässt sich unter klassischen Fragestellungen nicht lösen. Besser also, die Frage anders zu stellen. Luka Leben begleitet Kind und Mutter bei dieser Umorientierung. Einerseits verliert sie dabei ein wenig jene beeindruckende Präzision und bestürzende Nähe der Sprache, die das Buch zuvor über weite Strecken ausgezeichnet hat, andererseits gibt sie dadurch Hoffnung für den Gewinn einer Normalität. Diese ist zwar anders als für viele andere, aber für Jule und ihr Kind das, was sie brauchen. Ob in dieser Normalität zwei, drei oder vier Personen das Zentrum bilden werden, ist dann fast schon Nebensache.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Luka Leben: "Nachts nur das Rauschen", Otto Müller Verlag, 282 Seiten, 26 Euro; Lesung im Café Decentral, Freyung 3/1, 1010 Wien am Montag, 28. September, 19 Uhr)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/OMV/Pia Jakober/Pia Jakober

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