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Harri Stojka: Dröhnender Garagen-Rock als "Anarchy"

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Stojka geht nun unter die Rocker (Archivbild)
©APA, Klaus Titzer
Wikipedia muss dringend umgeschrieben werden: Das Online-Lexikon punziert Gitarrist Harri Stojka als einen "der bedeutendsten österreichischen Jazz-Musiker der Gegenwart" - das stimmt zwar sicher, aber die anonymen Autoren waren ganz offensichtlich am Donnerstagabend nicht in der Szene Wien. Dort präsentierte der 69-Jährige sein neues Album "Anarchy" - puren, knochentrockenen Garagen-Rock, auf das Wesentliche reduziert: krachende Gitarrenriffs und Aufbegehren.

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Harri Stojka entstammt einer Familie der Lovara-Roma. Entsprechend authentisch spielt er seit Jahrzehnten "Gypsy" ("Hot Club de Vienne" und vieles mehr). Doch er ist eigentlich der Meister des ganz großen musikalischen Horizonts: vom "India Express"-Projekt über seine Hendrix- und Blues-Programme bis zu seinem Beatles-Tribute. Der Autodidakt war und ist stets authentisch und meisterhaft souverän auf seinen unterschiedlichsten Gitarren unterwegs, eben ganz der ungehemmte Weltmusiker.

Mit "Anarchy" lässt er's - und seine Stromgitarre - auf seine alten Tage ordentlich krachen. Und im neuen Album ist neben Heavy Rock auch viel Kritisches verpackt: "People" ist ein klarer Anti-Kriegs-Song, "Punk Is Still Alive" benötigt keine weitere Erläuterung, "Hot Out There" behandelt den Klimawandel, und mit "The Holy High Society" verspottet Stojka die "Seitenblicke"-Szene. Trockener Kommentar von Sänger Peter Dürr über Harri Stojka: "Mit de 'Seitenblicke' hot as net so...". Einige neue Rock-Songs des Projektes haben es nicht auf das Album geschafft, so das als Live-Bonus in der Szene dargebotene "Can You Feel It" - ein großartiger Song, da fragt man sich schon warum.

Dass dem Künstler Harri Stojka aber nicht nur der Rocksound, sondern vor allem auch die "Message" wichtig ist, beweisen zwei Lieder auf "Anarchy" ganz besonders, die auch bewusst deutschsprachig glänzen: "Im Herz sind alle gleich", ein Text von Literat Michael Köhlmeier, inspiriert von der historisch schwierigen Situation von Roma und Sinti; und "Die Hände der Männer", geschrieben von Harris Schwester Sissi als kritische Auseinandersetzung mit dem "traditionellen" Rollenverständnis in der Roma- und Sinti-Gesellschaft, live gesungen von Sissi und ihrer Schwester Doris. Einziges Manko: Die wichtigen Texte beider Lieder waren live leider nur fragmentarisch verständlich.

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