- Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Neujahrswünsche zum Song Contest und zur KI (29.12.2025)
- Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Abschied von Georg Springer – Skandal um die Vereinigten Bühne (19.12.2025))
- Heinz Sichrovsky: Stefan Ottrubay: „Da war ich für einen Moment sehr stolz“ (19.12.2025)
- Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Der Ressort-Autist überschreitet die Fachgrenzen – die Jahresbilanz (17.12.2025)
- Heinz Sichrovskys: Franz Welser-Möst: „Aufgeben gibt es nicht“ (10.12.2025)
- Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Rettet den österreichischen Theaterton! (10.12.2025)
- Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Unverzichtbares rotes Wien – schmerzhafte Abgänge (05.12.2025)
- Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Kunstfeinde im Namen der Kunst (03.12.2025)
Lieber Herr Sichrovsky,
in diesem Monat durfte ich wieder Griechisch-Nachhilfe geben. Lisa und ich haben gemeinsam drei Seiten
aus dem 'König Ödipus' übersetzt. Das regt mich dann immer auch zum eigenen Übersetzen an, diesmal des Anfangs
des platonischen Dialogs 'Kriton'. Das ist ein sehr direkter, 'unphilosophischer' Dialog Platons.
Ich schicke Ihnen das als Weihnachtsgeschenk und wünsche ein erfreuliches neues Jahr 2026!
Heinz Roitner
Offener Brief an Heinz Sichrovsky
Sehr geehrter Heinz Sichrovsky
ich möchte Ihnen danken. Und ich möchte Ihnen gratulieren.
Zu Ihrem Text über die gängigen Theaterpraktiken in Österreich – und zu Ihrem Mut, etwas auszusprechen, das viele wissen, aber kaum jemand öffentlich benennt.
Die Praxis, dass neue Intendanten an ein Haus kommen, das bestehende Ensemble ignorieren oder auflösen und stattdessen ihr eigenes Ensemble mitbringen, ist längst zur Normalität geworden.
Eine Normalität, die dem Theater schadet. Nicht selten geschieht das aus reiner Bequemlichkeit: Diese Schauspieler kenne ich bereits, mit ihnen habe ich gearbeitet, die habe ich mir schon zurechtgebogen.
Dass die „mitgebrachten“ Schauspieler dadurch weder besser noch geeigneter sind als jene, die gehen müssen, scheint dabei nebensächlich zu sein.
Ich bin seit über 40 Jahren Schauspielerin. Und genau dieser strukturelle Missstand hat mich irgendwann dazu gebracht, auf eine Ensemblezugehörigkeit zu verzichten – obwohl es mein größter Lebenstraum war, Ensembleschauspielerin zu sein. Ich wollte nie Einzelkämpferin sein. Doch mit jedem Intendantenwechsel war das Glück vorbei. Gewachsene Ensemblearbeit wurde beendet, Beziehungen zerstört, künstlerische Entwicklungen abgebrochen. Diese permanente Zerstörung wollte ich nicht mehr mittragen.
Heute stehe ich mit Duoabenden und Soloformaten auf der Bühne – eigenständige Arbeiten, für die man kein Ensemble braucht. Aber genau dafür bin ich nicht Schauspielerin geworden. Ich bin Schauspielerin geworden, um Teil eines Ensembles zu sein.
Ich denke an die großartigen Ensembles, die ich als Kind erleben durfte: im Theater an der Josefstadt, im Burgtheater, im Volkstheater. An eine Qualität, die aus Kontinuität, Vertrauen und gemeinsamer Entwicklung entstanden ist. Diese Qualität wurde zerstört – und sie wird weiterhin zerstört.
Was mich beinahe noch fassungsloser macht:
Warum schreiben so wenige Theaterkritiker darüber?
Die Kritiker müssten doch sehen, was diese Praxis langfristig mit der künstlerischen Qualität eines Hauses macht – mit seiner Identität, seiner Tiefe, seiner Seele.
Warum schweigen so viele?
Warum sind Sie einer der wenigen, die den Mund aufmachen?
Ihr Text ist wichtig. Er ist notwendig. Und er ist überfällig.
Danke, dass Sie ihn geschrieben haben.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Eva Maria Admiral
Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Neujahrswünsche zum Song Contest und zur KI (29.12.2025)
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Sehr geehrter Herr Sichrovsky!
Sie haben geschrieben, dass es besser wäre, das Geld, das für den Eurovision Song Contest in Wien vorgesehen ist, für das Sommerkonzert in Schönbrunn und andere kulturelle Projekte auszugeben. Dem stimme ich vollkommen zu. Es wäre wirklich schade, wenn das Sommerkonzert in Schönbrunn abgesagt würde.
Mit besten Grü0en
Tatiana Messner
Ich wünsche Ihnen ein gutes, erfolgreiches Neues Jahr.
Bin von Ihren Artikeln immer sehr angetan.
Nochmals Prosit 2026🍄🍀
Herzliche Grüße
Sylvia Reichert
Lieber Heinz Sichrovsky,
so sehr ich auch Ihren Wunsch für das Jahr 2026 teile, so sehr bin ich überzeugt, dass er nicht in Erfüllung gehen wird. Eine verbindlich verordnete Einkehr der Vernunft in die Wiener Kulturpolitik ist eine großartige Idee, aber haben Sie tatsächlich Hoffnung? Was den Song Contest betrifft, bin ebenso Ihrer Meinung und zwar in allen angeführten Punkten. Aber auch dieser Wunsch wird unerfüllt bleiben. Zu weit fortgeschritten sind die Zeit und die Planung und die ideologischen Grabenkämpfe. Wer möchte sich das antun, für diese Blamage einer Absage verantwortlich zu sein? Das Motto dürfte sein "Augen zu und durch", koste es, was es wolle und das meine ich nicht nur finanziell.
Aber jetzt will ich gar nicht mehr so weit im Voraus denken. Ich halte mich ans Naheliegende und freue mich wie jedes Jahr auf das Neujahrskonzert. Immerhin ein beglückender Fixpunkt in einer mehr als ungewissen Zeit.
Damit grüße ich Sie wie immer herzlich und wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein glückliches neues Jahr. Dass es bei Ihnen von Kunst und Philosophie erhellt sein wird, ergibt sich wohl von selbst. Alles Liebe Riki Pacik
Sehr geehrter Herr Sichrovsky!
Danke für Ihre Newsletter! Alles Gute für das neue Jahr! Bleiben Sie dran auch bei den Musiktheatern.
Mit freundlichen Grüßen
Rudolf Gindlhumer
Lieber Herr Sichrovsky!
Die "Importnazi" - Passage könnte von mir sein, also großartig.
Den Song-Contest-Schaß abzusagen, ist das Gebot der Stunde. Damit schlüge man weit mehr auf einen Streich, als das Tapfere Schneiderlein zu Olims Zeiten.
Daß die dafür beim ORF Verantwortlichen den ganzen Diversitätsmist des ESC wirklich glauben, glaube ich für meinen Teil erst, wenn sie Regenbogen pforzen. Das ist alles politisches Kalkül im Rahmen der Spiegelfechterei, die sich "Kampf gegen Rechts" nennt, und jenen Leviathan gewogen stimmen soll, der neuerdings fälschlich als "Zivilgesellschaft" daherkomnt. Die AntikolonialistInnen, die AntikapitalistInnen, und etc., vor allem aber und zuerst: die widerlichsten Ausgeburten des Antisemitismus, mit größter Mühe camoufliert unter neumoderner Begriffsschminke. Und: Täterätäterä, Jubel bei der meisten Medien.
Good night and good luck!
Ihr Fritz Kamper, Bewunderer
Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Abschied von Georg Springer – Skandal um die Vereinigten Bühne (19.12.2025))
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Sehr geehrter Herr Sichrovsky,
haben Sie vielen Dank für Ihre Zeilen über Georg Springer. Ich hatte die große Freude, ihn einige Jahre lang, bis zu seinem Wechsel in den Bundestheaterverband, im Verfassungsdienst erleben zu dürfen. Sein Humor war unbeschreiblich; er war mir aber auch eine prägende Quelle der Inspiration in kultureller Hinsicht. Ich war damals Sekretärin des Sektionschefs, und wenn ich Spätdienst hatte, kam er des Öfteren am späteren Nachmittag, wenn es dienstlich schon ruhiger war, auf einen Plausch vorbei. Nun war er Fraktion Oper, ich Fraktion Burgtheater, da waren gegenseitige Neckereien vorprogrammiert. Aber auch wenn sehr viel Geblödel dabei war, hat er doch erreicht, daß ich zumindest versucht habe, ein bißchen Interesse für Oper zu entwickeln. Ich habe mir im Radio die Opernwerkstatt angehört, wenn er moderiert hat, und wurde durch ihn zum Domingo-Fan. Aber trotzdem mußte ich bald feststellen, daß ich beim Sprechtheater besser aufgehoben bin.
Auch in unseren Ansichten über damalige Burgschauspieler und -schauspielerinnen – große Namen, die der heutigen Generation schon kein Begriff mehr sind -, waren wir manchmal uneins. Aber ich verdanke Georg, daß ich zur Gesellschaft der Freunde des Burgtheaters gefunden habe, einfach weil ich ihn – wieder einmal spaßeshalber – gefragt habe, ob es neben dem Verein der Freunde der Staatsoper auch einen Verein der Freunde des Burgtheaters gebe oder ob ich den erst gründen müsse. Und nicht zuletzt verdanke ich ihm das einzige Fußballspiel, das ich jemals gesehen habe und jemals gesehen haben werde: ein Juxmatch zwischen Team Oper mit Placido Domingo und Georg Springer und einem Team bestehend aus ORF- und anderer Prominenz. Es war, wenn ich mich recht erinnere, in der Kurhalle Oberlaa, und weil es Domingos Geburtstag war, gewann natürlich das Team Oper.
Ich bin angesichts dieser und noch vieler anderer Erinnerungen sehr traurig über Georgs Tod, und besonders tragisch fand ich zuvor schon, daß seine Karriere ein so bitteres Ende finden mußte. Besonders ärgert mich die in den Medien bis heute, d. h. noch in den Nachrufen, kolportierte Behauptung seines angeblich vorzeitigen Pensionsantritts, die fälschlich suggeriert, er sei – mit 68! - vor dem Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters in Pension gegangen, obwohl es lediglich ein vorzeitiges Ausscheiden aus einem befristeten Vertrag war. Aber nun ist auch das vorbei.
Georg Springer, er möge in Frieden ruhen!
Ich wünsche Ihnen frohe Feiertage und alles Gute zum Jahreswechsel.
Mit freundlichen Grüßen
Regina Paril-Fellner
Lieber Herr Sichrovsky,
würde sich Martin Thür für Kultur interessieren, hätten sich ihm
vermutlich die Excel-Antennen aufgestellt.
„… das in Tausenden Vorstellungen verfestigte Wissen, geschliffen
von den Größten der Großen ...“
Ist Ihnen da nicht doch eine Null zuviel hineingerutscht?
Angenommen, 1000 Vorstellungen in 10 Jahren Stehplatz, macht
11 Vorstellungen pro Monat Spielzeit. Reverenza für Ihr Stehvermögen!
Mit schmunzelnden Grüßen
Heidrun Strasser
Lieber Heinz Sichrovsky,
Wie schön und berührend sind Ihre Worte zum Tod von Georg Springer.
Wie ärgerlich und unverständlich sind hingegen die Entscheidungen rund um das Theater an der Wien und der Kammeroper. Bleibt zu hoffen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Was wird das neue Jahr in der Kulturpolitik wohl bringen?
Aber um in der Gegenwart zu bleiben: Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage, einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein gelungenes Neujahrskonzert.
Mit lieben Grüßen Riki Pacik
Punktgenau ! DANKE!!!!
♥lichst
Gunnar Grässl
Heinz Sichrovsky: Stefan Ottrubay: „Da war ich für einen Moment sehr stolz“ (19.12.2025)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.
Sehr geehrter Herr Sichrovsky
im Interview mit Stefan Ottrubay werden Stiftung, Familie Esterházy und historische Rechtsnachfolge mehrfach vermischt. Das ist nicht nur unpräzise, sondern führt in der Sache in die Irre.
Herr Ottrubay spricht nicht für die Familie Esterházy. Er vertritt eine Stiftung mit eigener Rechtsposition. Diese Unterscheidung ist wesentlich, wird im Artikel aber nicht getroffen.
Zur angesprochenen Restitutionsfrage ist festzuhalten: Die von Herrn Ottrubay vertretene Stiftung leitet ihre Ansprüche aus einem in Österreich während der NS-Zeit eingeführten Gesetz ab, was durch ein OGH-Urteil aus dem Jahr 2020 dokumentiert ist (OGH 2Ob187/19t).
Siehe dazu: https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?GZ=2Ob187%2f19t <https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?GZ=2Ob187%2f19t>.
Gleichzeitig hat das oberste ungarische Gericht, die Kúria, klar festgestellt, dass österreichische Esterházy’sche Privatstiftungen nicht Rechtsnachfolger des historischen Esterházy’schen Familienfideikommisses sind, der in Ungarn bis 1949 rechtswirksam bestand.
Siehe dazu: https://ejournals.eu/en/journal/saaclr/article/art-collections-and-private-international-law-the-case-of-the-esterhazy-treasures <https://ejournals.eu/en/journal/saaclr/article/art-collections-and-private-international-law-the-case-of-the-esterhazy-treasures>.
Vor diesem Hintergrund ist Herr Ottrubay in dieser Angelegenheit schlicht der falsche Ansprechpartner.
Die Familie Esterházy – unter ihrem derzeitigen Familienchef Paul VI. (*1986) – hat weder gegen die Republik Ungarn geklagt noch beabsichtigt sie dies. Entsprechende Aussagen betreffen ausschließlich die Stiftung, nicht die Familie.
Gerade wenn mit zugespitzten Begriffen und historischen Deutungen gearbeitet wird, sollte eine klare Trennung zwischen Person, Stiftung und Familie selbstverständlich sein.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Esterházy
Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Der Ressort-Autist überschreitet die Fachgrenzen – die Jahresbilanz (17.12.2025)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.
ja, hawedere !
Was das hochgerüstete Heer gegen Kickl unternehmen soll? - Blöde Frage! Das Kanzleramt bombardieren, was sonst !
Die Themen Antisemitismus und Hochrüstung haben
Sie 2025 am meisten beschäftigt? - Da sind Sie nicht allein.
Lebhaft, als ob es gestern gewesen wäre, erinnern wir uns, als seinerzeit der Parlamentspräsident leibhaftig ausgerückt ist, mit einem von der Israelischen Kultus - gemeinde und einer Meute Medienleute, um "antisemitische Schmierereien" an einer Hausmauer zu übermalen, die es zwar in der Realität nicht gab, aber in den Medien.
Was war dort aufgesprüht ? DEATH TO ZIONISM ! Da fragt sich der Leser, machen die das absichtlich, Anti semitismus zu sehen, wo von Zionismus die Rede ist? Desinformation? Hybride Kriegsführung? Und das vom
Parlamentspräsi ? Und alle spielen mit ? Auch Sie ?
GCL
Lieber Heinz Sichrovsky,
Ihre Spitzentöne würden bei allem Ernst und bei aller Wahrheit einem Kabarettisten alle Ehre machen. Man könnte ja im Nebelgrau dieser Dezembertage bei einem Jahresrückblick auch aus guten inhaltlichen Gründen schwer depressiv werden. Aber Sie schaffen es wie kein anderer mit Ihren Formulierungen und Wortschöpfungen trotz allem bei mir ein Lächeln, wenn nicht ein Lachen herbeizuzaubern. Herzlichen Dank dafür!
Mit lieben Grüßen Riki Pacik
Heinz Sichrovskys: Franz Welser-Möst: „Aufgeben gibt es nicht“ (10.12.2025)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 50/2025 erschienen.
Sehr geehrter Herr Sichrovsky,
Ich habe nichts hinzuzufügen zu Ihrem Artikel über die österreichische Schauspiel Szene.
Es ist absurd und teilweise überheblich wie hier umgegangen wird.
Leider, trotzdem versuche ich, mit meinen unzähligen Theaterbesuchen die Kultur zu unterstützen.
Freundliche Grüße Christine Ernst
zu Ihrer wieder einmal hervorragenden Zustandsbeschreibung, Herr
Sichrovsky:
Habe mich heute schon sehr echauffiert, als ich im Schaufenster der
PRESSE über vier junge Schauspieler las, drei davon Deutsche, die neu in
die Ensembles von Burgtheater bzw. Volkstheater aufgenommen wurden. Der
Gipfel: einer spielt ab Jänner in "Zu ebener Erde und erster Stock", der
andere in "Geschichten aus dem Wiener Wald". (Mir rinnt es jetzt schon
kalt über den Rücken).
Ich kann diesen deutschen Sprechausdruck nicht mehr hören und frage
mich: Haben wir bzw. unsere Theater das notwendig?
In diesem Sinn, schreiben Sie weiter dagegen an.
Herzliche Grüße
Susanne Neuer
Lieber Herr Sichrovsky,
ich freue mich immer, wenn wir einander, wenn auch nur kurz, im Theater sehen ….
danke für Ihren Text. Ich habe ihn gern gelesen, auch wenn mich eine Beobachtung nie loslässt: Wenn wir in Österreich über gewisse „Risiken“ im Kulturbetrieb sprechen, dann sprechen wir meist nicht von denen, die tatsächlich den Preis zahlen. Manche müssen zwei Jahre nach Berlin, andere ins Seriengeschäft, aber der wirklich prekäre Rand, die lautlosen Jahre, die Kämpfe um Sichtbarkeit, die führt man in keiner Feuilleton-Kolumne an.
Ich selbst habe über ein Jahrzehnt erlebt, in dem es still blieb um mich. (im Gesamten gesehen, mögen es sogar noch einige mehr gewesen sein.)
Ein paar Engagements hatte ich, - im Metropol etwa -, aber auch dort hat man mir schnell gezeigt, wo mein Platz sei: jedenfalls nicht „vorn“ an der Rampe. In solchen Zeiten lernt man Demut, aber noch mehr lernt man Gedächtnis. Und man lernt, wie schmal die Linie ist zwischen „Talent“ und „Nicht vorgesehen“.
Sie erwähnen Abwanderungen: Rupp nach Berlin, Ofczarek ins Seriengeschäft. Was in Ihren Artikeln seltener vorkommt, und was vielleicht den Kern der Ensembleerosion zeigt, ist der Fall jener Schauspieler, die nirgendwohin abwandern konnten. Ich war nicht zwei Jahre fort, nein, ich war über ein Jahrzehnt weg.
Kein Ruf, kein Haus, keine Presche, in die jemand sprang. Mit Familie.
(Auch meine Frau, eine hervorragende Schauspielerin, blieb jahrelang ungespielt. Ein weiteres Beispiel für diese stille Verschwendung.)
Ironischerweise war es nicht ein Intendant, der mich auffing, sondern die Politik: Ich musste vorübergehend bei der Bezirks-ÖVP als „Kulturentwicklungshelfer“, als „Think-Tank ohne Lobby“, arbeiten, um überhaupt im Land zu bleiben. Und währenddessen hörte ich Sätze über mich in Gängen, die einem Schauspieler nicht einmal in einer Posse zumutbar wären.
(Anm.: Herr Kurz war damals gerade erst daran sein sog. „Geilomobil“ bei der JVP zu erdenken).
Als es dann langsam wieder bergauf ging, war es nur für kalkulierte, eng umrissene Aufgaben, mit „Unscheinbarkeitsgarantie“.
Das Absurde daran: Ich bin, bei aller Bescheidenheit, ein ausgesprochener Nestroy-Spieler. Das hat 1994 in Innsbruck keiner bestritten, der meinen Titus Feuerfuchs erlebt hat – selbst den dort heiligenverehrten Helmuth Wlasak konnte ich in diesem Moment fast vergessen machen.
Vor einiger Zeit sprach ich sogar mit Frau Rötzer darüber, wie ich Nestroy höre, wie ich ihn setze, und wie sehr dieser Ton heute fehlt: nicht als Folklore, sondern als intellektuelles Werkzeug, als moralischer Laser, als dialektaler Verstärker der Aufrichtigkeit.
Es geht mir nicht um Klage und auch nicht um Nostalgie. Es geht mir um die Ergänzung eines Bildes, das Sie zeichnen: Den österreichischen Theaterton verliert man nicht nur an Berlin, Köln oder die Streamingdienste, man verliert ihn vor allem dort, wo er jahrelang gar nicht mehr eingeladen wird, sich zu äußern. Daheim. In dieser Stadt.
Heute stehe ich wieder auf der Bühne, großteils als Sänger, weil mir im Schauspiel die Rampe systematisch entzogen wurde. Auch das gehört zur Wahrheit eines Systems, das vorgibt, Tradition zu schützen, während es die Stimmen ignoriert, die sie wirklich tragen, aber vielleicht nicht „brüllaffig“ auf sich aufmerksam machen. Wie komisch nebenbei, dass Nestroy auch Sänger war, und obendrein, wie ich: Bassist.
Ich schreibe Ihnen das nicht als Vorwurf, sondern als kleine, vielleicht notwendige Fußnote zu Ihrem Artikel.
Vielleicht zeigt sie, wie tief der Riss wirklich geht.
Oder, um’s gleich auf den Punkt zu bringen – mit meinem „Ermittler gegen den Wahn der Welt“, Franz Kretschmar, meinem nestroy’schen, wienerischen Alter Ego auf meinen Social-Media-Profilen:
„Stars? Geh, was! Die meisten glitzern nur, weil’s das System anstroit.
A echtes Licht kommt von innen – und das leucht‘ imma, a wenn kana hinschaut …. vielleicht is afoch z‘ hell, zu woahr, zu echt …?
… Bua, i sog das: lass dir’s vo eana jo ned ausdämpf’n wia’ran klan‘ Tschick! “
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, in diesem glanzvollen Sinne, eine schöne, erholsame Weihnachtszeit
und ein Frohes Fest!
Mit herzlichen Grüßen
Alexander Strömer
Lieber Heinz Sichrovsky!
Danke für die heutigen Spitzentöne ! Punktgenau ! ( Und Meyer und Hübsch – unfassbar – das wußte ich noch nicht ) Auch ich schau mir die Direktion der Rötzer genau an !!!
Ihr Versprechen mich ins Landestheater Niederösterreich ( auf Grund meines Josefstadt Leserbriefes ) einzuladen hat sie bis jetzt nicht eingelöst. Naja ist einmal ein Anfang an Unzuverlässigkeit !
Noch eine Frage : Ist der zweite Teil des Buches der Wiener Staatsoper 1938-45 wirklich empfehlenswert? ( Übrigens war in der Zeitung das falsche Buch abgebildet – aber dafür können Sie ja nix )
♥lichst
Gunnar Grässl
Der gerade BORIS London 1983 – Abbador – Lloyd, Randova, etc . hört
55 Jahre nach der legendären Premiere unter Otto Schenk und Leonard Bernstein wagt sich die Wiener Staatsoper an die Neuinszenierung des kaum umsetzbaren Werks zwischen naiver Spieloper und Erlösungsapotheose, verbunden durch Prosapassagen, die ebenso unsprechbar wie unverzichtbar sind.
Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Rettet den österreichischen Theaterton! (10.12.2025)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 50/2025 erschienen.
Lieber Heinz Sichrovsky!
Danke für die heutigen Spitzentöne ! Punktgenau ! ( Und Meyer und Hübsch – unfassbar – das wußte ich noch nicht ) Auch ich schau mir die Direktion der Rötzer genau an !!!
Ihr Versprechen, mich ins Landestheater Niederösterreich ( auf Grund meines Josefstadt-Leserbriefes ) einzuladen, hat sie bis jetzt nicht eingelöst. Naja ist einmal ein Anfang an Unzuverlässigkeit !
Sie ja nix )
♥lichst
Gunnar Grässl
Der gerade BORIS London 1983 – Abbador – Lloyd, Randova, etc . hört
Lieber Heinz Sichrovsky,
um den österreichischen Theaterton hören und erleben zu können, kann man
ja bekanntlich im Sommer nach Reichenau pilgern. Dort gibt es eine
Intendantin, die den österreichischen Theaterton hegt und pflegt.
Vielleicht könnten die Festspiele Reichenau auf Jahresbetrieb wechseln,
quasi als Exil für aus Wien vertriebende Theatergrößen. Das Publikum
dafür fände sich bestimmt.
Mit der Frage "Quo vadis, Josefstadt?" grüße ich Sie wie immer
herzlich, alles Liebe Riki Pacik
Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Unverzichtbares rotes Wien – schmerzhafte Abgänge (05.12.2025)
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Lieber Heinz Sichrovsky,
es stimmt ja, was Sie in der Überschrift zu Ihrem Newsletter schreiben.
Das rote Wien ist die Arche in der blauen Flut Und möglicherweise wird
die Notwendigkeit dieser Arche in den kommenden Jahren noch viel
wichtiger werden. Man kann sich ausmalen, was in Kärnten los sein wird
vor der nächsten Wahl, wenn Peter Kaiser nicht mehr zur Verfügung steht.
Sie schreiben von krachlederner Kirtagsmimikry, eine Wortschöpfung, für
die ich Sie uneingeschränkt bewundere. Wir müssen befürchten, dass auch
in Kärnten Ähnliches passiert wie in der Steiermark. Dann bleibt noch
das Burgenland als rotes Bundesland neben Wien, aber auch dort ist die
Zukunft nach der nächsten Wahl ungewiss. Und in allen anderen
Bundesländern spielt die SPÖ eine inferiore Rolle. Da läuft das Match
nur Schwarz gegen Blau. Also ist schlussfolgernd das rote Wien wirklich
unverzichtbar.
Leider vernahm ich etwa zeitgleich mit dem Erscheinen Ihres Newsletters
die Ansage der roten Kulturstadträtin, dass sie die meiner Meinung nach
lächerliche Summe von 250 000 Euro nicht aufbringen kann, um das
"Schönbrunn-Konzert" der Wiener Philharmoniker zu subventionieren.
Kokett verlautete sie im ORF sinngemäß, dass die Philharmoniker das
schon stemmen werden, das Geld sollen die bekommen, die es wirklich
brauchen. Da lache ich ziemlich bitter auf, wenn ich mich an die von
Ihnen mehrmals thematisierten Streichungen von Stipendien und
Sozialleistungen für Wiener Kulturschaffende erinnere. Auf welchem
Planeten lebt eigentlich die Frau Kulturstadträtin? Weiß sie nicht, dass
viele Städte in Europa ein Sommerkonzert an den schönsten und
bekanntesten Plätzen bieten, als ein Beispiel sei nur Paris genannt mit
dem Konzert unter dem Eiffelturm. Warum machen die das wohl? Hat die
Frau Kulturstadträtin nicht mitbekommen, wie die Philharmoniker kürzlich
in Japan gefeiert wurden und welche Werbewirkung dieses Konzert vor der
Schönbrunnkulisse hat? Da wackelt die von Ihnen genannte Arche ganz
schön. Und mitten drin winkt ein fröhlicher Milo Rau, dessen Festwochen
mit ihrem zum Teil fragwürdigen Programm finanziell nicht angetastet werden.
Und aber ach, der ESC! Ich kann mir wie Sie ein Leben ohne diese
eigenartige Veranstaltung vorstellen, hätte eine Absage in Wien begrüßt.
Aber dieser Zug ist abgefahren, da werden wir durch müssen und es wird
viel Geld kosten. Aber es wird auch Geld hereinkommen, hört man, von
Fans und ESC Touristen. Es werden aber auch anti-israelische
Schreihälse darunter sein, auch wenn "ihr" Land den ESC boykottiert,
weil Israel nun doch teilnehmen darf. Ich mag mir dieses Szenario der zu
befürchtenden anti-israelichen Proteste noch gar nichr vorstellen. Aber
Babler und die SPÖ haben ja eine Beruhigungspille in die Diskussion
geworfen. Tat man doch vergangene Woche kund, dass die SPÖ einen
Palästinenserstaat anerkennen möchte.
Auf die Arche des roten Wien kommen einige Bewährungsproben zu, Zweifel
und Hoffnung sind gleichermaßen angebracht.
Ich grüße Sie wie immer herzlich an diesem grauen Feiertag, alles Liebe
Riki Pacik
Sehr geehrter Herr Sichrovsky!
Ich lese Ihre Kolumnen immer sehr genau. Nicht nur Ihr Stil zwingt zu aufmerksamem Lesen. Und es freut mich immer, wenn ich Ihnen wieder einmal in ALLEN PUNKTEN recht geben darf und muss.
Bei den anstehenden Kürzungen tun mir vor allem die sozialen Grausamkeiten weh. Nicht mir persönlich, ich bin Pensionist. Aber die Einschränkungen im Sozialbereich treffen entsetzlich viele Menschen. Da verzichte ich auch liebend gern auf den einen oder den anderen mehr oder weniger künstlerischen Event. Auf den von Ihnen genannten sogar besonders gern.
Hochachtungsvolle und dankbare Grüße
Ihr
Günter Tolar
Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Kunstfeinde im Namen der Kunst (03.12.2025)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 49/2025 erschienen.
1000 Dank für die Spitzentöne zu „Othello".
Ich hab die Aufführung gesehen. Unbeschreiblich.
Bitte, so weiterschreiben.
Ergebenst
Gerhard Ernst


