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Die beiden Hauptpreisträgerinnen eint nicht nur Emotion, sondern auch Engagement. Schätte gewann mit einem Auszug aus ihrem im Herbst 2027 erscheinenden Roman über zwei adipöse, noch zur Schule gehende Mädchen und ihre Probleme. "Was wir tragen" sei ein "Text von existenzieller Wucht, er ist wichtig und gewichtig", sagte der für ihre Einladung verantwortliche Juror Thomas Strässle in seiner Laudatio. Tóth, die derzeit in Waidhofen/Ybbs lebt, hatte in "OstblockMädl" über ungarische Erntehelferinnen in Österreich geschrieben. Sie zeigte sich nicht nur überglücklich, in der erst in der Schule gelernten Sprache hier reüssiert zu haben, sondern betonte: "Ich kenne die Salatfelder auch! Es ist schon toll hier zu stehen und nicht draußen in der Hitze."
Die Hitze war ein Thema - aber mehr im Publikum, das im vorbildlich beschatteten Bachmann-Park vor dem ORF-Landesstudio bei über 30 Grad im Schatten von den angebotenen 3sat-Fächern und den Wasserspendern starken Gebrauch machte. Erstaunlich oft tauchten Flecken in den Texten dieses Jahrgangs auf, was der scheidende Juryvorsitzende Klaus Kastberger als offenbaren "Hinweis auf den Zustand der Gesellschaft" wertete. Thematisch registrierte die Jury "viele Beziehungstexte" und "weibliche Blicke" (Mara Delius), aber auch viel "Körperlichkeit und Vielsprachigkeit" (Thomas Strässle).
Beides traf auch auf die Siegertexte zu, deren klare Punktesiege in der Jurywertung auch eine Diskussion entschieden, die an den drei Lesetagen mehrfach in der Jury entbrannte: Darf es Texte ohne Botschaft geben, oder braucht es "eine Moral von der Geschicht'"? Sie habe mit ihrem Text "auf jeden Fall etwas wollen", sagte Schätte, die als Psychiatriekrankenschwester und in der Betreuung von Suchtkranken gearbeitet hat, und für die Pflege und Schreiben "ungewöhnlich gut zueinander passen", finde Literatur "aber nicht sexy, die pädagogisch daherkommt".
Dass sie den richtigen Ton getroffen hat, bewies auch der per Online-Abstimmung ermittelte BKS Bank-Publikumspreis (7.000 Euro), der mit der Position als "Carinthischer Sommer Festivalschreiberin 2027" gekoppelt ist, der ebenfalls an Lena Schätte ging, die somit jetzt bereits weiß, wo sie den nächsten Sommer verbringen wird.
Den 3sat-Preis (7.500 Euro) erhielt die 1984 geborene, in Berlin lebende Österreicherin Magdalena Schrefel für ihren Text "Kirschen, Herz mit Verband", in dem es um eine Brustkrebs-Diagnose der Ich-Erzählerin geht, über die diese in so origineller wie kühler Weise reflektiert. Ihr "meisterhafter Text" (Laura de Weck) war für den Hauptpreis gehandelt worden - Schrefel zeigte sich dennoch zufrieden.
Überraschend ging der Deutschlandfunk-Preis an den 1989 in Hessen geborenen Ozan Zakariya Keskinkılıç, der in "Vater ohne Sohn" von einem 46-jährigen schwulen Mann, seinem 23-jährigen Lover Elijah und seiner Freundin Azadeh erzählte und die Jury gespalten hatte. Sein "Neuköllner Biedermeier" (Philipp Tingler) hatte am Ende doch mehr Fans als gedacht, und der Autor freute sich nicht nur über 12.500 Euro Preisgeld, sondern auch über die Möglichkeit, anschließend in den Wörthersee zu springen. "Zweimal war ich schon. Ein drittes Mal wäre schon nice!"
Auch Heinz Bachmann, der 87-jährige Bruder von Ingeborg Bachmann, der am Donnerstag beim Straßenfest zum 100. Geburtstag seiner Schwester eine berührende Rede gehalten hatte, war gegenüber der APA äußerst zufrieden mit dem Verlauf der doppelten Jubiläumswoche. "Ich bin begeistert, dass sich diese Veranstaltung nicht nur über so viele Jahre gehalten hat, sondern dass sie immer wichtiger wird. Wenn man die Autorinnen und Autoren trifft, hat man das Gefühl, dass sie sich hier wohlfühlen." Er zeigte sich aber auch stolz darüber, dass am Klagenfurter Ingeborg Bachmann Gymnasium heuer bereits der 34. Junior Bachmann Literaturwettbewerb abgehalten wurde, dessen Thema anlassgemäß "Hundert" gelautet habe.
Der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider hat öffentlich ein Bekenntnis zur Fortführung des Wettlesens um den Bachmann-Preis abgelegt. Der ORF hat die Weichen dafür jedenfalls bereits gestellt: Auf Horst L. Ebner, der nach 14 Jahren seine Position als Chef-Organisator beendet, wird Barbara Frank folgen. Mit ihrem gelungenen TV-Porträt "Ingeborg Bachmann - Dichten für die Wahrheit" hat sie heuer bereits ihre Visitenkarte abgegeben. Und Klaus Kastberger, der sich nach 12 Jahren als Juror und drei Jahren als Jury-Vorsitzender zurückzieht, nimmt von heuer einen Satz mit, den er zum besten Satz des Bewerbs kürte und der ihn künftig auf allen Geburtstags- und Familienfeiern begleiten werde, wie er versicherte. Er stammt aus dem Text von Derya Uzun und lautet: "Die Torte gab auf."
(S E R V I C E - https://bachmannpreis.orf.at/)
