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Kann man also sagen, "Killer" verbindet Liedermachertum mit Elektronik? "Boah, so weit würde ich vielleicht nicht gehen, das klingt zu groß", antwortete die 40-Jährige. "Aber ich höre selbst sehr viele unterschiedliche Genres und will mich nicht festlegen." Sie gehe immer der Nase nach, hielt die Künstlerin mit bürgerlichem Namen Jasmin Stocker fest. "Ich habe keinen großen Plan, aber auf jeden Fall anders gearbeitet als bei den letzten Alben." Sie habe sich für diese Produktion "in die analoge Synthesizer-Welt reingefuchst".
"Killer" ist alles andere als eintönig. Da gibt es die Songs, die ordentlich anschieben. "Mit den Synthesizern kann man relativ einfach Wände bauen. Und weil ich da ganz neu drin war, habe ich ein bisschen übertrieben manchmal", lachte Mine. "Aber ich finde das gerade geil, wenn die Wand einen so anspringt. Der Unterschied von analogen zu digitalen Synthesizern ist auf jeden Fall auch, dass sie eine Frequenzbreite haben, die einen auch noch mal ganz anders wegballert."
Auch wenn "Killer" ihr bisher homogenstes Album sei, findet es Mine "trotzdem noch angenehm unlangweilig". Denn nicht alles ballert. Der Song "Einig" etwa erinnert an Kinderlieder. "Ich verbinde gerne Kindermelodien mit ein bisschen düsteren Sounds. Vor allem Kindermelodien in Moll haben immer was Mystisches oder Melancholisches", so die Künstlerin. Die Atmosphäre des gesamten Albums lässt sich eigentlich mit düster beschreiben. "Ich schreibe immer über das, was mich gerade beschäftigt. Und die Zeiten sind gerade wirklich sehr düster", betonte Mine.
Warum der Song "Killer" zum Titeltrack erkoren wurde, hat zwei Gründe. Mine: "Im Lied geht es um das Auseinandersetzen mit dem eigenen Charakter und mit dem Zurücklassen oder Abtöten von Teilen von sich, die man nicht so geil findet. Eigentlich bespricht jeder Song auf dem Album aus einem gewissen Blickwinkel dieses Thema - egal ob allgemein gesellschaftlich oder sehr individuell und persönlich. Außerdem ist 'Killer" ein geiles Wort. Ich finde das sehr schreiend und ich mag schreiende Dinge."
Singen würde sie lieber in einer anderen Sprache, weil Deutsch "phonetisch richtig kacke ist". Aber für das Texten eigne sich Deutsch dann doch am besten. "Weil wir so viele Vokabeln wie in fast keiner anderen Sprache haben. Es gibt meistens für ein und dieselbe Sache zehn verschiedene Worte. Und alle fühlen sich ein bisschen anders an. Das ist voll die Spielwiese." Nur der Song "Eat The Rich" mit der österreichischen Rapperin Nenda ist auf Englisch. "Den meisten Text dazu hat sie geschrieben. Sie lebt ja in London."
Mine ist nicht nur für ihre Musik, sondern auch für ihre Lipsync-Videos bekannt. "In diesen spreche ich Leute eins zu eins nach - konkret deren Aussagen, die ich persönlich problematisch finde", erklärte die Sängerin. "Das sind meistens diskriminierende Aussagen. Ich mache das, weil ich das Gefühl habe, dass Menschen in Runden oft etwas sagen, was vielleicht gar nicht mal unbedingt alle unterschreiben oder gut finden, die auch in der Runde sitzen, verletzende Dinge, die aber so durchrutschen, weil niemand in dem Augenblick Gegenwind gibt. Oder es gibt Leute, die Gegenwind geben, aber das bekommt nicht genügend Aufmerksamkeit. Es gibt viele Leute in der Medien- und in anderen Branchen, die immer wieder Dinge von sich geben, wo ich mir denke: Krass, dass niemand was dazu sagt, und das einfach so akzeptiert wird."
(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - https://minemusik.de - www.instagram.com/minemusik )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Bastian Bochinski/Bastian Bochinski
