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"Jemand, der einmal ich war": In the mood for Bachmann

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Poetische Spurensuche rund um Ingeborg Bachmann und ihr Werk
"Eine so sinnliche wie intellektuelle Annäherung an eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts" versucht die Dokumentarfilmerin Regina Schilling zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Die Deutsche, die schon Porträts über den Pianisten Igor Levit oder den "Aktenzeichen XY ungelöst"-Erfinder Eduard Zimmermann gedreht hat, bringt am Donnerstag "Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war" in die Kinos. Mit Sandra Hüller ist ein Topstar mit dabei.

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Das Konzept für ihre Rolle ist ungewöhnlich, ein wenig kompliziert, aber durchaus wirkungsvoll. Hüller nimmt als sie selbst in einer angemieteten Wohnung in Rom Quartier, die der letzten Bleibe der in Klagenfurt geborenen und in der italienischen Hauptstadt gestorbenen Dichterin ähnelt. Niemand weiß genau, wie es Bachmann in ihren letzten Tagen gegangen ist. Das versucht Schilling auch nicht vorzutäuschen.

"Mir war ganz klar, dass ich die Bachmann nicht spielen wollte in dem Sinne. Es ging eher um den Prozess der Annäherung, der sichtbar gemacht wird, um großen Respekt und um Fragen, die viele Frauen oder schreibende Frauen betreffen", sagt die Schauspielerin, die sich im Film anfangs begeistert über das Projekt äußert. Doch was spielt Hüller? "Sie hat vor dem Dreh in Rom alle Texte eingesprochen, und beim Dreh wurden sie ihr mit einem Knopf im Ohr dann zugespielt", schildert die Regisseurin die Vorbereitung. Man sieht nun Hüller zu, wie sie durch die Wohnung geht, auf der Terrasse sitzt, und sich zuhört. Sich oder Bachmann, je nachdem.

Regina Schilling setzt nämlich ebenso intensiv auf Briefe, Tagebucheinträge und literarische Texte Bachmanns, die von Hüller gelesen werden, wie auf Bachmanns Originalstimme und hat im Archiv viel Ton- und Bildmaterial gehoben, das sie einsetzt und montiert. Aus diesem unmittelbaren Zugriff auf Vergangenes, in dem die Dringlichkeit und Forciertheit des damals Geschriebenen und Vorgetragenen deutlich wird, und seinem Kontrast zu den Distanz schaffenden Lesepassagen, entsteht eine starke Spannung, die den Film trägt.

So erinnert Schilling nicht nur an wichtige Lebensstationen Bachmanns - zu sehen ist etwa ein Ausschnitt ihrer Dankesrede bei der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 ("Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar.") - und an deren prominente Freund- und Partnerschaften wie zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Literatur. "Die Themen in Bachmanns Texten sind nach wie vor aktuell und berühren mich auch persönlich", betont Hüller in einem Interview.

Den Sound dazu liefert Anja Plaschg alias Soap & Skin, die in Ruth Beckermanns Film "Die Geträumten" gemeinsam mit Laurence Rupp den Briefwechsel zwischen Bachmann und Celan zu neuem Leben erweckte. "So ist ein schöner Dreiklang, ein aufregendes Künstlerinnentrio entstanden: Bachmann - Hüller - Plaschg", schwärmt Schilling. "Und ich durfte sie zusammenbringen, welch ein Privileg!"

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - www.filmladen.at )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Filmladen/Elliott Kreyenberg

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