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O-Töne-Festival: Sarah Wipauer präsentiert sagenhaften Roman

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Sarah Wipauer liest aus ihrem Debütroman
©APA/APA/HANS KLAUS TECHT/HANS KLAUS TECHT
Das 1874 vom Ingenieur Franz Felbinger und dem Architekten Josef Hudetz vorgeschlagene Projekt einer unterirdischen pneumatischen Leichenbeförderung zum Wiener Zentralfriedhof steht im Mittelpunkt von Sarah Wipauers Debütroman "Fehlende Gespenster". In ihrem Buch, das sie am Donnerstagabend im Zuge des Literaturfestivals O-Töne im Wiener Museumsquartier präsentiert, wurde das ungewöhnliche Vorhaben einst realisiert und dient heute als Schauplatz unterirdischer Führungen.

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Als die 1986 geborene Wienerin 2019 in Klagenfurt am Wettlesen um den Bachmann-Preis teilnahm, ließ sie in ihrem Text "Raumstation Hirschstetten" im Weltall die Geister des Kinderarztes Clemens von Pirquet (1874-1929), seines Bruders Guido - eines Pioniers der Raketentechnik -, sowie zahlreiche Kühe aufeinander treffen. Nicht ganz so fantastisch ist die Grundlage ihres Romans, wurde das Projekt einer Art Leichen-Rohrpost, die den Anrainern Ruhe vor den vielen in den Nächten durch Simmering rollenden Sarg-Kutschen verschaffen sollte, tatsächlich eine Zeit lang erwogen.

In "Fehlende Gespenster" betätigt sich die Ich-Erzählerin Merian (mitunter auch Miriam genannt) als Führerin einer Kleingruppe durch das aufgelassene Tunnelsystem, das gleich mehrfach Bezüge zu anderen unterirdischen Sehenswürdigkeiten Wiens herstellt - der Kapuzinergruft der Habsburger, den Katakomben des Stephansdoms, den angeblich bis in die Zeit der Türkenbelagerungen zurückreichenden Kellergängen in und vor der Innenstadt sowie, natürlich, dem durch den Film "Der dritte Mann" weltbekannt gewordenen Kanalnetz.

Die Geschichten, die sich Merian für ihre Gäste zurechtgelegt hat, sind so unzuverlässig wie die Auskünfte, die sie über sich selbst gibt ("Ich war schon immer da."). Dabei hat sie jede Menge zu tun, das Informationsbedürfnis ihrer an eine ebenso wissbegierige wie aufmüpfige Schülerschar erinnernde Gruppe zu stillen. "Fehlende Gespenster" erinnert an eine neue Sammlung Altwiener Sagen, ergänzt mit aktuellen Flunkereien wie jener, dass Niki Lauda der letzte tote "Passagier" der "Wiener Pneumatischen Leichenbeförderung" gewesen sei, zu deren letzten Mitarbeiterinnen Merian gezählt haben will. Es geht um den Basilisken und den Reichsbrückeneinsturz, um Elefanten und Mammuts in Wien, um den Absturz der "Lauda Air"-Maschine und vieles mehr - und fast immer lesen sich die hier von der unzuverlässigen Erzählerin berichteten Geschichten anders als in den Geschichtsbüchern.

Die Exkursion zieht sich. Der Tunnel nach Simmering ist lang. Wohin jedoch thematisch die Reise gehen soll, bleibt unklar. Und so wird man noch zwei-, dreihundert Seiten weiterbefördert, ohne, dass man aus- oder umsteigen kann. "Man muss erzählen, immer weitererzählen, bis der Tunnel endet." Schubweise geht's weiter, per Über- und Unterdruck. Pneumatische Fortbewegung eben. Licht am Ende des Tunnels gibt es ebenso wenig wie einen Ausgang - bloß einen Aufgang. Und eine nüchterne Erkenntnis: "Am Ende kommt am Zentralfriedhof nur das heraus, was hineingekommen ist."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Sarah Wipauer: "Fehlende Gespenster", Residenz Verlag, 348 Seiten, 26 Euro, erscheint am 10.8.: Lesung bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier, heute, 6.8., 20 Uhr)

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