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Isabella Feimers neuer Roman: "Dreiundsiebzig Quadratmeter"

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3 min
Autorin Isabella Feimer
©APA/APA/HERBERT NEUBAUER/HERBERT NEUBAUER
Von einer glücklichen Mutter-Tochter-Beziehung kann man da wohl nicht sprechen: "ich weiß / Mutter / lieber hättest du mich nicht gehabt / lieber wäre ich schon dieses erste Mal, als ich weglief, fortgeblieben." Die Frau, die in Isabella Feimers neuem Roman die titelgebenden "dreiundsiebzig Quadratmeter" der Mutter-Wohnung in einer abgelegenen Siedlung am Rande der Stadt nach deren Tod wieder in Besitz nimmt, ist endlich mutterlos. Und wird sie doch nicht los.

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Die 1976 in Niederösterreich geborene Autorin, die 2019 über "Monster" erzählte und 2025 den Gedichtband "Versuch einer Verpuppung" herausbrachte, erzählt in ihrem Buch eine Gespenstergeschichte mit Geistern, die man zwar nie rief, aber dennoch nie mehr loswird. Die Erzeugerin, die ihr Kind nie bekommen wollte, ihr beim Aufwachsen nicht Liebe und Zuwendung, sondern Demütigungen und Missachtung entgegenbrachte, ist in jeder Ecke, jedem Ding der Wohnung präsent. Und ihre Tochter ist gespenstisch angezogen von dieser Präsenz, die zu einer Einverleibung, einer Anverwandlung wird. Der Abschied von der toten Mutter wird Abrechnung und Aneignung zugleich. Mutterseelenallein ist anders.

Der Lavendelduft ist in der Wohnung noch so allgegenwärtig wie der Zigarettendunst, Mutters Schlafrock zieht sich die zurückgekehrte Tochter häufig an, und auch ihre Spitzenunterwäsche scheint zu passen. Die Frau fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut, und dass sie buchstäblich aus dieser schlüpfen und stattdessen in den nun hohl gewordenen Mutterkörper wechseln möchte, weckt mehr als einmal Assoziationen zu Hitchcocks "Psycho" oder den Body-Horror-Filmen einer Julia Ducournau.

Zwei zusätzliche Ebenen hat Feimer in diesen Psychothriller eingezogen: eine poetische und eine erotische. Quasi als Off-Stimme ziehen sich Gedichtstrophen durch den Text, in denen es immer wieder um ein kleines Entlein geht, das gerne wie die große Schwänin wäre und sich zu diesem Zwecke deren Stöckelschuhe und Federnkleid anzieht. Und die Tochter hat einen Freund, Rick, mit dem sie Varianten einer ungesunden Ken-und-Barbie-Beziehung durchspielt. Es geht um Lust und Nähe, Sex und Drogen. Feimer durchbricht das Klischee und lässt den bulligen Rick sich nur ungern als Sexobjekt gebrauchen, sondern Zärtlichkeit und Rücksichtnahme beweisen.

Die Verwandlung, die seine Freundin in der Wohnung ihrer Mutter durchmacht, irritiert ihn - und zunehmend auch den Leser. In Kapiteln, an deren Anfang immer wieder Zitate von Ingeborg Bachmann oder David Bowie die Richtung vorgeben, durchläuft die Tochter eine Metamorphose, die sie zuletzt auch äußerlich vollzieht. "Mutter ist mein Ort. Zu ihm bin ich geworden. Bin brav und still und bitte danke in Mutters Welt geworden. Haut und Haar und Fleisch mit ihr und ihren Dingen." Und als Rick eines Tages wieder anläutet an der Wohnungstür, ist er da, der ultimative Schreckensmoment - nur, dass Isabella Feimer im Gegensatz zu Alfred Hitchcock ohne Duschvorhang auskommt.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Isabella Feimer: "Dreiundsiebzig Quadratmeter", Haymon Verlag, 180 Seiten, 23,90 Euro)

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