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"Die Liebeshungrigen": Porträt eines gefallenen Präsidenten

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Roman aus Frankreich
Was macht ein französischer Präsident nach einer verlorenen Wahl? Klar, er schreibt seine Memoiren. Ansonsten ertränkt er seinen Bedeutungsverlust im Alkohol. In Karine Tuils Roman "Die Liebeshungrigen" heißt der Ex-Präsident Dan Lehman, er ist Sozialist und Jude. Einst mit großen politischen Ambitionen gestartet, wurde er gegen eine stromlinienförmige konservative Politikerin ausgetauscht.

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Auch Lehmans Privatleben ist im freien Fall. Seine erste Frau Marianne hatte er vor Jahren für die viel jüngere deutsche Schauspielerin Hilda verlassen. Und jetzt ist diese Ehe auch schon wieder am Ende. Während er selbst bereits vergessen scheint, feiern beide Frauen Erfolge. Hilda spielt die Hauptrolle in Mariannes verfilmtem Bestseller und triumphiert in Cannes. Allerdings droht ein MeToo-Skandal um den Regisseur alles zu verderben. Oder eröffnet der Eklat vielleicht sogar eine Chance?

Tuils Porträt eines abgehalfterten Politikers ist nicht gerade schmeichelhaft. Überhaupt bekommen alle mächtigen Männer in ihrem Roman ihr Fett ab. Sie sind eitel, selbstherrlich und übergriffig, betrachten Frauen als Ware und versehen sie mit einem Verfallsdatum.

Die Pariser Polit- und Kulturszene, die Tuil gut kennt, wird hier bitterböse seziert. Leider aber hat sie zu viel in diesen Roman hineingepackt. Die Geschichte eines gefallenen Präsidenten wäre Drama genug, wird aber von einem ausufernden MeToo-Skandal überlagert. Weniger wäre hier mehr gewesen.

(S E R V I C E - Karine Tuil: "Die Liebeshungrigen", aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch, dtv, 400 Seiten, 25,70 Euro)

MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dtv

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