Die meisten Menschen ordnen das Kunstwort „Bouba“ einer runden Form zu und „Kiki“ einer zackigen. Eine Studie der Universität Parma mit 70 Hunden legt nahe, dass auch Vierbeiner diese Verbindung herstellen. Wie das Experiment funktionierte und warum die Forschenden vorsichtig bleiben.
Rund zu Bouba, spitz zu Kiki
Der sogenannte Bouba-Kiki-Effekt gilt als eines der bekanntesten Phänomene der Sprachforschung: Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen verbinden das weich klingende Kunstwort „Bouba“ mit einer runden Form und das hart klingende „Kiki“ mit einer zackigen. Eine neue Studie legt nahe, dass auch Hunde diese Verknüpfung herstellen.
Ein Team um die Verhaltensforscherin Eleonora Biffi von der Universität Parma hat dazu 70 Hunde untersucht. Im Schnitt blickten die Tiere häufiger zur runden Form, wenn „Bouba“ erklang, und wandten sich bei „Kiki“ eher der spitzen Form zu. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B erschienen.
So lief das Experiment
Im ersten Versuch saßen 51 Hunde gemeinsam mit ihren Besitzerinnen und Besitzern in einem Raum mit je einem Bildschirm und einem Lautsprecher auf beiden Seiten. Rund 15 Minuten lang sagte eine menschliche Stimme „Bouba“ oder „Kiki“, während eine runde und eine spitze Form zwischen den Bildschirmen wechselten. Eine Kamera zeichnete die Tiere auf, eine Software wertete die Kopfrichtung als Hinweis auf die Blickrichtung aus.
Um auszuschließen, dass die Hunde unbewusst auf Signale ihrer Menschen reagierten, folgte ein zweiter Versuch mit 19 weiteren Hunden. Diesmal trugen die Besitzerinnen und Besitzer Kopfhörer mit Rockmusik und konnten die Wörter nicht hören. Über beide Versuche hinweg fanden die Forschenden die Zuordnung von Bouba zu rund und Kiki zu spitz statistisch deutlich.
Warum der Befund spannend ist
Der Effekt wurde erstmals in den 1920er-Jahren vom Psychologen Wolfgang Köhler beschrieben, die Kunstwörter Bouba und Kiki prägten Forschende Anfang der 2000er-Jahre. Lange galt er als Hinweis darauf, wie Sprache beim Menschen entstanden sein könnte: Bestimmte Laute klingen offenbar von Natur aus nach bestimmten Formen.
Zeigen auch Tiere ohne menschliche Sprache diese Verbindung, spricht das dafür, dass ihr eine allgemeinere Art der Wahrnehmung zugrunde liegt, die Sinneseindrücke aus Hören und Sehen miteinander verknüpft. Anfang 2026 hatten Forschende ähnliche Befunde bereits bei frisch geschlüpften Küken beschrieben.
Wo die Studie an Grenzen stößt
Die Forschenden selbst mahnen zur Vorsicht. Die Kopfrichtung ist nur ein indirektes Maß dafür, wohin ein Hund tatsächlich schaut. Im ersten Versuch zeigte sich zudem eine allgemeine Vorliebe der Tiere, zur spitzen Form zu blicken. Diese verschwand im zweiten Durchgang, in dem die Besitzerinnen und Besitzer nichts hörten.
Dass die Menschen ihre Hunde im ersten Versuch beeinflusst haben, halten die Autorinnen und Autoren dennoch für unwahrscheinlich. Als mögliche Erklärung für die Vorliebe nennen sie die eher kantigen Gesichtszüge von Hunden und ihren Vorfahren, den Wölfen. Für eine endgültige Aussage seien deutlich mehr Untersuchungen nötig.
Studie: Biffi, E. et al., Proceedings of the Royal Society B, 2026
