Die gute Nachricht: Der Wiener Bühnenkonzern VBW bekommt eine neue Geschäftsführung, die Probleme des Theaters an der Wien könnten sich bald verflüchtigen. Die schlechte: Babler lässt Theaterschließungen durchrechnen. Tatsächlich bloß aus taktischen Gründen?
Freundliche Nachrichten sind in dieser Zeit rar, umso lieber reiche ich Ihnen weiter, was mir zu Ohren kommt: Wenn meine Informationen nicht trügen, muss sich der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) mit Vertragsende 2026 Richtung Rente empfehlen. Nun werden Sie einwenden, dass Sie a) von Franz Patay noch nie gehört haben und b) für die gesamte Personalie nur bescheidenes Interesse aufbringen können.
Dennoch würde ich Ihre Aufmerksamkeit gern auf den kommunalen Theaterkonzern richten: Das missglückte Konstrukt, unter dem das gefeierte Opernhaus an der Wienzeile gemeinsam mit den Musical-Abfüllstationen Ronacher und Raimundtheater administriert wird, nahm unter der Verantwortung des Geschäftsführers zuletzt eine bedrohliche Entwicklung. Eben erst zum Opernhaus des Jahres gewählt, wurde das Theater an der Wien systematisch in den Orkus gespart. Hochqualifiziertes Personal muss gehen, die exzellente Zweitbühne in der Kammeroper wird mit Saisonende zugesperrt. Angeblich nur für ein Jahr wegen Renovierung, woran ich allerdings qualifiziert zweifle.
Fast unbehelligt bleiben dagegen die beiden Musicalbühnen, Modell Stadthalle Herne, obwohl Kulturstadträtin Kaup-Hasler vor Journalisten das genaue Gegenteil angekündigt hatte. Das Problem ist, dass sie sich das maximal wünschen durfte, weil die Holding als VBW-Eigentümer dem Finanzressort untersteht. Dort hatte Peter Hanke stets klare Verhältnisse hergestellt, wogegen das Ohr seiner Nachfolgerin Barbara Novak beim VBW-Geschäftsführer wohl in zweifelhafter Pfandleihe war.
Alle Kräfte an die Wienzeile!
Patay dürfte es auf einen Machtkampf mit der Kulturstadträtin angelegt haben, der nun mit erfreulichem Resultat entschieden ist. Vielleicht kann man unter diesen Umständen den schwer verhärmten Intendanten Stefan Herheim doch im Theater an der Wien halten. Statt ihn womöglich an Salzburg zu verlieren, wo nach dem barbarischen Intendantenschlachten des Politkuratoriums gerade ein Ersatz vergleichbaren Formats gesucht wird.
Dazu kommt, dass schon 2027 im Prater eine halbprivate Musicalhalle für 1.800 Besucher eröffnet wird. Die Stadt ist „strategisch beteiligt“, heißt: Zumindest einer der derzeitigen Musicalstandorte muss zwingend umgewidmet werden, am besten zur heimatlosen Wiener Operette, die in der Volksoper zuletzt an zweifelhaften Regieexperimenten und musikalischer Unterklasse laborierte.
Einem kreativen Geist (idealerweise einem wie Nikolaus Habjan, um den man allerdings werben müsste) wäre das Gelingen unter der Obhut eines verständigen Geschäftsführers gewiss zuzutrauen. Der wiederum wäre in der Gestalt des ehemaligen Bundestheaterchefs Christian Kircher seit Kurzem frei. Leider werden dem versierten Mann andere Interessen nachgesagt.
Bundestheater schließen?
Kircher hatte – und damit sind wir beim Unerfreulichen – am Ende seiner Amtszeit immer nachdrücklicher auf Valorisierung der Bundestheaterbudgets gedrängt. In der Tat leisten Staatsoper, Volksoper und Burgtheater wirtschaftlich Imponierendes, doch die explodierenden Personal- und Materialkosten werden die Reserven binnen ein, zwei Jahren aufgefressen haben.
In dieser Situation bestätigt mir der Pressesprecher des Kunstvizekanzlers auf Anfrage eine Zeitungsmeldung: Ja, die Burgtheaterdirektion sei tatsächlich aufgefordert worden, die Schließung des Akademietheaters durchzurechnen. Allerdings, so wurde ich gleich beruhigt, sei man von der Umsetzung weit entfernt, Babler selbst halte die Hand über das Haus. Einzig sei es darum gegangen, sich im Sinne der schlimmsten Szenarien drastische Argumente für die anstehenden Budgetverhandlungen zu verschaffen.
Mit Theaterschließungen darf man auf keinen Fall spekulieren
Dürfte hier also tatsächlich bloß ein Gedankenspiel getrieben worden sein, so halte ich das doch für einen Tabubruch erster Ordnung. Ein auratischer Raum mit gigantischer Vergangenheit und ansprechender Gegenwart wird hier öffentlich zur Disposition gestellt, samt Konsequenz des Wegfalls von neun Premieren und der Opferung künstlerischen und technischen Personals in hoher Zahl. Schon die realistischere, aber genauso entschieden abzulehnende Schließung des kleinen Kasinos am Schwarzenbergplatz hätte diesbezüglich böse Folgen.
So etwas ist kein Spaß
Mit so etwas spekuliert man nicht. Und wenn ich mir Bablers offenes Desinteresse vergegenwärtige, als die Salzburger Festspiele Schutz vor entgrenzten Provinzmegären und megalomanischen Kleinstadtschulzen gebraucht hätten, wird mir bang. Auch, weil jetzt nicht mehr der Kulturmensch Kircher an der Spitze der Bundestheater-Holding steht, sondern die Kurzzeit-Wissenschaftsministerin Sonja Hammerschmid, die einst der Veterinärmedizinischen Universität vorstand. Für derlei personelle Pointen sind die Zeiten definitiv zu gefährlich, und rasch kann zur Realität werden, was man noch vor Kurzem für unmöglich gehalten hätte.
Zumal die obwaltende Regierung nur durch die Tatsache zusammengehalten wird, dass die Alternative noch viel schlimmer wäre. In der Steiermark, deren blauer Landeshauptmann gerade als Reserve-Kickl im Lederhosen-Mimikry für Höheres aufgebaut wird, sehen wir, was dann auf die Kunst zukäme: Sie wird unverhohlen auf Linie geprügelt und im Weigerungsfall wegterrorisiert. Auf ein bereits sauber totgerechnetes Akademietheater kommt es denen zuallerletzt an.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 18/2026 erschienen.






