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Muti dirigiert Verdi: Ein Requiem zwischen Erdbeben und Pianissimo

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Riccardo Muti

©Salzburger Festspiele / Marco Borelli

Riccardo Muti überwältigt mit einer epochalen Interpretation von Verdis „Messa da Requiem“ bei den Salzburger Festspielen. Ein Triumph für die Wiener Philharmoniker und die Solisten.

Für Riccardo Muti gehört die „Messa da Requiem“ zu Verdis bedeutendsten Werken. Nicht zum ersten Mal führt er es mit den Wiener Philharmonikern auf. Dieses Werk veranlasse zur Reflexion, schreibt er in seinem Buch über Verdi. Seine aktuelle Interpretation klingt ganz danach. Das extrem düstere Anheben der tiefen Streicher, die atemberaubend sanfte Fortsetzung der Geigen. Jedes Wort, jede Silbe wird präzise vom Chor und von den Solisten artikuliert. Muti stellt mit seiner Interpretation klar, der Mensch bittet um die ewige Ruhe, um Gnade.

Das Verdi-Requiem zählt zum Kernrepertoire dieses Dirigenten. Die aktuelle Aufführung bei den Salzburger Festspielen ist nicht die erste, auf die von der Rezensentin zurückgeblickt werden kann. Zuletzt 2019 ebenso in Salzburg und 2020 mit Chicago Symphony im Wiener Musikverein, um nur zwei aus den letzten Jahren zu nennen.

Beispiellose Intensität

Die Intensität, mit der Muti dieses Werk bei seinem traditionellen Konzert mit den Wiener Philharmonikern im Großen Festspielhaus aufführt, übertrifft alles Vorangegangene. Jedes Motiv wird präzise ausformuliert. Wenn der Wiener Staatsopernchor die erste Zeile, „Requiem aeterna dona eis Domine“, als intensives Flehen, das aus dem innersten der Seele kommt, intoniert, wird sofort klar, hier geht es um die Not des Menschen an sich. Denn anders als Bruckner komponierte Verdi für den Menschen.

Sublim lässt der Dirigent dieses Ringen mit den letzten Dingen zur Musik werden. Furios gerät das „Tuba mirum“, zu dem die Bläser in Form eines Dreiecks aufgestellt sind. Beim „Dies irae“ entfesselt Muti ein furioses, musikalisches Erdbeben. Anders als in den vergangenen Aufführungen entfaltet er jede Passage mit noch mehr Bedacht und nimmt sich extrem viel Zeit. Der Furor dominiert hier nicht, hier ist Raum und Zeit für das Spirituelle, für Transzendenz. Atemberaubendes Pianissimo steht da ganz deutlich im Kontrast zu gigantischer Urgewalt.

Epochale Interpretation

Die Wiener Philharmoniker, die Muti mit Höchstkonzentration folgen, übertreffen sich selbst. Das zieht sich durch alle Instrumentengruppen. Von einer Idealbesetzung lässt sich beim Solisten-Quartett sprechen. Michael Spyres, der sich mit seiner mindestens drei Oktaven umfassenden Stimme als Baritenor treffend beschreibt, ordnet sich mit Glanz ins Geschehen ein. Das „Ingemisco“ bringt er mit Demut zum Strahlen.

Bass-Bariton Maharran Huseynov lässt mit seinem warmen, Timbre aufhorchen. Unvorstellbar, dass man das „Lacrimosa“ betörenderer, schöner hört, als von Marianne Crebassa. Die Mezzosopranistin changiert in ihrem Part zwischen markanten, herben und silbern gleißenden vokalen Farben. Iwona Sobotka erfüllt mit ihrer kräftigen, golden leuchtenden Stimme den Sopran-Part fulminant.

Ovationen für diese epochale Interpretation.

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