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Nikolaus Bachler: Neuer Glanz für die Osterfestspiele

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©Markus Jens

Mit Wagners „Rheingold“ führt Nikolaus Bachler die Osterfestspiele wieder zum Glanz aus Karajans Zeiten. Er gilt als logischer Nachfolger Markus Hinterhäusers bei den Salzburger Festspielen. Zu News sagt er: „Ich mache mir keine Gedanken über etwas, das mich nicht betrifft.“ Auch anderweitig hat sich das Gespräch gelohnt.

Die Rückholung der Berliner Philharmoniker mit ihrem charismatischen Chefdirigenten Kirill Petrenko zu den Salzburger Osterfestspielen ist an sich schon ein Triumph für den Intendanten Nikolaus Bachler. Mit der Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ hebt der vor 75 Jahren geborene Steirer den Erfolg noch in eine andere Dimension. Die Inszenierung hat er Kirill Serebrennikov, einem Meister der Verstörung und einem der angesagtesten Opernregisseure heute, übertragen.

Ein Jahrhundertereignis

Kirill Petrenko bahnt am Pult der „Berliner“ beim „Rheingold“, dem Vorabend von Wagners Tetralogie, in der aktuellen Ausgabe der Osterfestspiele ein Jahrhundertereignis an, wie es deren Gründer Herbert von Karajan 1967 mit seiner „Ring“-Produktion geschaffen hat.

Das könnte sich im kommenden Jahr bei der „Walküre“ mit dem in der Opernwelt am meisten erwarteten Rollendebüt manifestieren, nämlich dann, wenn Lise Davidsen 2027 ihre erste Brünnhilde verkörpert. Nach der Geburt ihrer Zwillinge kehrte die Sopranistin vor einigen Wochen an die Opernbühne zurück – und das als Wagners Isolde auf der gigantische Bühne der New Yorker Metropolitan Opera.

„Es hätte auch anders kommen können. Man weiß nie, wie sich die Stimme nach einer Geburt verändert hat. Wir hatten Glück, und es geht in meinem Beruf auch viel über lang aufgebaute Beziehungen und Vertrauen“, kommentiert Bachler seine Glanzbesetzung im Gespräch mit News. Das bestätigt auch der Welt-Tenor Piotr Beczała auf News-Anfrage und gibt ein Beispiel: Bei einer Neuproduktion von Verdis „Maskenball“* habe Bachler versprochen, dafür zu sorgen, dass die Inszenierung die Sänger nicht einschränkt. „So war es dann auch. Bei ihm konnte man sich darauf verlassen, dass er gehalten hat, was man mit ihm vereinbart hat“, blickt Beczała dankbar zurück.

Wer folgt auf Hinterhäuser?

Kein Wunder, dass der Name des Mannes, der all das initiiert hat, jetzt ständig im Zusammenhang mit den Salzburger Sommerfestspielen genannt wird. Keine vier Monate vor deren Beginn wurde Markus Hinterhäuser aus dem Amt entfernt. Unerklärlich ist das. Klar aber ist, dass die Festspiele, die von der „New York Times“ während Hinterhäusers Amtszeit zurecht „ein Synonym für Exzellenz und Ruhm“ genannt wurden, 15 Wochen vor deren Beginn ohne Leitung sind.

Der Countdown hat begonnen. Die Zeit wird knapp. Der Schwan, der den rettenden Lohengrin über die Salzach bringt, ist möglicherweise noch im Winterquartier. Für die meisten aber ist der rettende Wunderritter längst im Land und residiert bereits seit Jahren im Festspielbezirk.

So dementiert Bachler

Einige würden hier Cecilia Bartoli sehen. Sie leitet seit 2012 mit Fortune den Pfingst-Ableger der Festspiele, ist aber als Sängerin und künstlerische Leiterin der Oper in Monte Carlo derart ausgelastet, dass sie für die Festspiele nicht infrage kommt.

Wenn man in ein tolles Konzert oder in eine tolle Aufführung geht, dann sind die äußeren Umstände gar nicht mehr so wichtig

Nikolaus Bachler

Die logische Lösung verkörpert somit Bachler. Schon vor mehr als 20 Jahren galt er als hoch gehandelter Kandidat, war damals aber Direktor des Burgtheaters und hätte seinen Vertrag vorzeitig auflösen müssen. Ob er denn jetzt für ein Interregnum der Festspiele zur Verfügung stünde, oder für eine Intendanz, wehrt er mit einem freundlichen Lächeln ab. „Das ist nicht mein Thema. Ich mache mir keine Gedanken, über etwas, was mich nicht betrifft“, stellt er klar.

So wie er das in diesen Tagen sagt, glaubt man ihm aufs Wort. Aber schadet der Umgang mit dem erfolgreichen Intendanten nicht den Festspielen? „Wenn im Sommer die Festspiele beginnen, werden die Leute kommen, sie werden in die ,Carmen‘ gehen und vergessen, wo sie stattfindet. Theater, dazu zählen auch Opern und Konzerte, ist auf der einen Seite sehr fragil und auf der anderen Seite im Großen aber auch sehr stabil. Wenn man in ein tolles Konzert oder in eine tolle Aufführung geht, dann sind die äußeren Umstände gar nicht mehr so wichtig“, sagt Bachler.

Gesponsert wird trotz Krieg

Das Gespräch kommt auf das Nächstliegende, den „Ring“. Zunächst auf dessen Finanzierung, zumal Katar, einer der Sponsoren, in der Schusslinie des Iran-Kriegs liegt. Visit Qatar, das Tourismusbüro aus Katar am Persischen Golf, gebe keinen Grund zur Sorge. „Die Partnerschaft ist auf mehrere Jahre angelegt und als interkultureller Austausch konzipiert. Leider konnten unsere Partner in diesem Jahr nicht nach Salzburg reisen, aber wir sind im stetigen Kontakt.“

Als er 2020 als kaufmännischer Direktor sein Amt antrat, lag das Gesamtbudget bei 4,7 Millionen Euro. Heute sei man bei neun Millionen. 8,2 Millionen müssen die Osterfestspiele selbst erwirtschaften.

Bei den Festspielen ist man eingemietet. Als er sein Amt antrat, war klar, dass das Festspielhaus wegen der massiven Umbauarbeiten in naher Zukunft nicht zur Verfügung stehen werde. So verlegte er die Aufführungen sämtlicher „Ring“-Teile in die Felsenreitschule. Dadurch könne man zwar 800 Karten weniger verkaufen, aber künstlerisch war das die interessantere Entscheidung, sind sich Dirigent, Regisseur und Intendant einig.

Wenn Bachler heute von seinem „Ring“ spricht, entsteht bald der Eindruck, er sei überhaupt nur bei den Osterfestspielen angetreten, um die Berliner Philharmoniker nach Salzburg zurückzuholen und mit ihnen den „Ring“ aufzuführen wie einst Karajan.

Zum „Ring“ sei es erst später gekommen, stellt Bachler richtig. „Erstens habe ich mir gedacht, nach diesen vielen Rieseninstitutionen, die ich geleitet habe, ist das in meiner Situation etwas Überschaubares. Etwas, das physisch nicht so anstrengend ist und dennoch künstlerische Gestaltungsmöglichkeit gibt.“

So kam es zum „Ring“

An die „Berliner“ aber habe er von Anfang an gedacht, natürlich mit Kirill Petrenko am Pult. Den Sohn eines russisch-jüdischen Dirigenten und einer Musikwissenschafterin kannte er schon als jungen, aufstrebenden Dirigenten. Er war Mitte 20, als ihn Bachler als musikalischen Assistenten an die Volksoper engagierte. Petrenko wurde zu einem der herausragenden Dirigenten der jüngeren Generation. Seine Weltkarriere führte ihn an die größten Häuser, etwa die Metropolitan Opera in New York. 2013 holte ihn Bachler als Generalmusikdirektor an die Bayerische Staatsoper. 2019 wurde Petrenko Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. „Ich habe mir immer gedacht, diese Zusammenarbeit war so ideal, dass man sie natürlich fortführen könnte.“

Nach und nach formierte sich der Plan zum „Ring“, auch in Gesprächen mit dem Regisseur Kirill Serebrennikov. Der hob im Interview mit News die paradiesischen Arbeitsbedingungen in Salzburg hervor. Die Wertschätzung zwischen Intendant und Regisseur ist gegenseitig. „Kirill ist für mich in jeder Hinsicht ein Geschenk“, schwärmt Nikolaus Bachler.

Es gäbe also genug Gründe, die Zusammenarbeit mit diesen beiden Kirills, dem Dirigenten Petrenko und dem Regisseur Serebrennikov, über 2030 weitere fünf Jahre fortzusetzen? Da hält Bachler dagegen. „Weder Theater noch Festivals sind Erbhöfe. Es gibt eine Marge, zehn Jahre so etwas zu leiten, ist eine gute Zeit. Man kann es auch ein paar Jahre länger machen. Und dann ist es aber Zeit, aufzuhören.“ Und pragmatisch legt er nach: „Ich finde, da müssen neue Generationen, neue Leute ran.“

Steckbrief

Nikolaus Bachler

Nikolaus Bachler wurde am 29. März 1951 in Fohnsdorf, Steiermark, geboren. Von 1991 bis 1996 war Nikolaus Bachler Intendant der Wiener Festwochen und von 1996 bis 1999 Direktor der Volksoper Wien. In dieser Funktion engagierte er Kirill Petrenko als Kapellmeister. Von 1999 bis 2008 leitete Nikolaus Bachler das Wiener Burgtheater. 2008 übernahm Nikolaus Bachler die Intendanz der Bayerischen Staatsoper. 2020 wurde er zunächst kaufmännischer Leiter, dann künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 14/2026 erschienen.

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