Mit vier Toren gegen San Marino schießt sich Marko Arnautović zum Rekordtorschützen des Nationalteams. Toni Polsters Rekord ist damit nach 25 Jahren Geschichte und der lange als „Rotzbub“ geschmähte „Arnie“ endlich ein Held.
Mit seinem Viererpack bei Österreichs Rekordspiel gegen San Marino (10:0) überholt Marko Arnautović (45 Tore) am 9. Oktober nicht nur Toni Polster (44 Tore) als Rekordtorschütze. Er beantwortet auch endgültig die Frage, die lange seine Karriere überschattet hat: Wird aus dem begabten, aber hitzköpfigen Spieler je einer, der Österreich dauerhaft prägt? Seit diesem Tag tut er es nicht nur als ertragreichster Goalgetter der Nationalelf, 130 Länderspiele machen ihn auch zum Rekord-Nationalspieler.
Dank und feuchte Augen
Die Fangesänge, die Arnautović nach Erreichen der magischen Besten-Marke im Ernst-Happel-Stadion feiern, verschlagen dem 36-Jährigen fast die Sprache. Der Mann, dem es nie an Selbstbewusstsein fehlt, hat sichtlich feuchte Augen, als er „Österreich, allen Österreichern und Fans“ dankt. Teamchef Ralf Rangnick unterstreicht die Rekordleistung: „Sie ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie viele gute Stürmer Österreich in der Vergangenheit schon hatte.“
In den Jahrzehnten vor diesem versöhnlichen Moment muss Arnautović viel Spott und Kritik einstecken. Heimische Fußballlegenden sprechen ihm öffentlich das Talent ab, nennen ihn „überschätzt“. Bei Inter Mailand attestiert ihm Startrainer José Mourinho den „Charakter eines Kindes“. Mit nächtlichen Diskothekenausflügen sorgt der Stürmer für Schlagzeilen. Er gilt als beratungsresistent und kontert Kritik mit überbordendem Selbstbewusstsein.
Über die Niederlande (FC Twente), Italien (Inter Mailand) und Deutschland (Werder Bremen) gelangt er in die Premiere League (Stoke City, West Ham) und wechselt um kolportierte 25 Millionen Euro nach China (Shanghai Port), damals der teuerste Transfer eines Österreichers. Aktuell beendet der Österreicher mit serbischen Wurzeln beim serbischen Meister FK Roter Stern Belgrad seine Vereinskarriere.
Ein Feiertag dank „Arnie“?
Seinen größten Wunsch formuliert Marko Arnautović nach den Rekordtoren im Oktober: „Ein Kapitel ist zu. Jetzt kommt das zweite: die WM-Qualifikation“. Mit zwei Toren im Spiel gegen Zypern erhöht er seine Trefferquote für Österreich auf 47 Tore und erlebt mit dem 1:1 gegen Bosnien am 18. November die Erfüllung des WM-Traums.
Im größten Freudentaumel bleibt er sich treu: Er fordert „die Politik“ auf, den Tag von Österreichs geglückter WM-Qualifikation zum Feiertag zu erklären. „Wenn Ende Juli der WM-Pokal nach Wien kommt, reden wir vielleicht noch einmal“, konterte Alexander Van der Bellen. Eine Ansage, die Arnautović sicher nicht vergisst.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.







