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Christian Stocker: „Meine Ambition ist groß“

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©Matt Observe

Für eine Blitzkarriere in der österreichischen Politik hatte Christian Stocker kaum jemand auf dem Radar. Doch der Wiener Neustädter Vizebürgermeister avancierte binnen kürzester Zeit vom ÖVP-Generalsekretär zum Bundeskanzler.

Christian Stocker hat die (wohl auch für ihn selbst) überraschendste und steilste Politkarriere in diesem Jahr hingelegt. Zu Jahreswechsel ist er noch Generalsekretär der ÖVP, ein Amt, mit dem nur dann im Rampenlicht steht, wenn man den Scharfmacher für den Parteichef geben soll.

Doch dann tritt genau dieser Parteichef, Karl Nehammer, überraschend zurück, weil seine Regierungsverhandlungen mit SPÖ und NEOS scheitern. Und in der ÖVP will niemand ernsthaft übernehmen. Zur entsprechenden Krisensitzung kommt Stocker im Rollkragenpulli – und geht als designierter Parteichef und Regierungsverhandler.

Konsequenz und Durchhaltevermögen

Zunächst müht er sich durch Gespräche mit Herbert Kickls FPÖ, die mit einer öffentlichen Abreibung durch den blauen Wahlsieger beginnen. Doch bald schaltet die ÖVP in den Verhandlungen auf stur, während Parteigranden im Hintergrund an einer Neuauflage der Verhandlungen mit SPÖ und NEOS arbeiten.

Bald darauf ist Stocker Bundeskanzler und führt die erste Dreierkoalition Österreichs. „Er nimmt seine Aufgabe, die drei Parteien zusammenzuhalten, wirklich wahr“, sagt ein rotes Regierungsmitglied anerkennend.

Freude an der Macht

Mit welchen Gedanken er zur Angelobung gegangen ist? „Mit dem Gedanken: Ich habe das Privileg, dieses Land gestalten zu können, und ich nehme es mit großer Freude und Optimismus wahr“, sagt er zu News. Und: „Ich will, dass dieses Land nach meiner Amtszeit in den Daten, die messbar sind, besser dasteht. Das ist mein Anspruch. Ob ich das erreichen werde, wird man sehen. Meine Ambition ist groß.“

Doch nicht jeder innenpolitische Player teilt seine Ambition. Die Gespräche über Staatsreformen gestalten sich schwierig, das Ringen mit den Ländern um eine Föderalismusreform zieht sich in die Länge.

Ich habe das Privileg, dieses Land gestalten zu können, und ich nehme es mit großer Freude und Optimismus wahr

Christian StockerBundeskanzler (ÖVP)

Dazu kommt, dass Stocker sich im Herbst des Jahres einer Wirbelsäulenoperation unterziehen muss, und einige Wochen aus dem Homeoffice arbeitet. Schon werden Stimmen laut, der Kanzler und Parteichef lasse die Zügel schleifen oder stehe gar vor dem Rückzug. Stocker in der Kronen Zeitung nach seiner Rückkehr: „Es waren Gerüchte, die jeder Grundlage entbehrt haben. So gesehen waren sie für mich entbehrlich.“

Stocker ist klar, dass er und seine Regierung – die in Meinungsumfragen auf einem historischen Tiefpunkt ist – bald liefern und für Optimismus im Land sorgen müssen. Im News-Interview nach 100 Tagen im Amt war Stocker noch bester Dinge: „Mich wundert immer, wenn jemand fragt: ,Wieso tut man sich das an? Soll ich kondolieren oder gratulieren?‘ Ja, um Gottes Willen: Gratulieren! Danke! Gerne!“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.

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