Ihr Debüt an der „Burg“ 2014 hat das Publikum in Euphorie versetzt. Jetzt ist die Ausnahmeschauspielerin Stefanie Reinsperger zurück. Ihr Soloabend „Elisabeth!“ gerät zum Triumph. So wie davor „Liliom“ und auch alles nachher.
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Der Applaus will nicht enden, Bravos, Blumen, Ovationen für die feministische Abhandlung „Elisabeth!“ mit Stefanie Reinsperger, die als Kunstfigur durch die Zeiten wandert. Das Wiener Publikum hat seine Wunderschauspielerin wieder. Nach zehn Jahren am Berliner Ensemble ist sie 2024 ans Burgtheater zurückgekehrt und gleich zum Magneten geworden, zunächst als elementarer Liliom.
Auf „Elisabeth!“ folgen Werner Schwabs „Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos“ und zuletzt Peter Handkes „Selbstbezichtung“. Ihr „persönlichstes Stück“ nennt sie im Gespräch mit News ihr Solo, das jetzt nach langer Wanderschaft im Akademietheater die Heimat gefunden hat.
Totale Selbstentäußerung
Als Virtuosin im Umgang mit Sprache und dem eigenen Körper zieht sie ihr Publikum die gesamten 60 Minuten in das diffizile Sprachkunstwerk des Literaturnobelpreisträgers. Die Vorstellungen sind Wochen im Voraus und in Kürze ausverkauft. So wie alle anderen Produktionen, an denen sie mitwirkt.
„Ich kann das noch immer nicht alles fassen. Das Allerschönste für mich ist, dass ich mit dem, was ich am liebsten mache, Menschen ins Theater bringe“, kommentiert sie bescheiden ihr Schaffen.
Das Akademietheater ist ihr Lieblingshaus. Wenn sie heute auf dieser Bühne steht, lässt sie gern ihren Blick durch die vollen Reihen hinauf bis zu den Stehplätzen schweifen. Das weckt Erinnerungen an ihre Zeit als Schauspielstudentin, als sie auf dem Stehplatz noch in der Rolle der Zuschauerin war. „Ich weiß, wie wenig man von dort oben sieht. Deshalb versuche ich, mich wirklich im Spielen total zu entäußern, damit alle etwas davon haben, auch die ganz oben“, sagt sie.
Das Allerschönste für mich ist, dass ich mit dem, was ich am liebsten mache, Menschen ins Theater bringe
Was empfindet sie, wenn es dann am Ende vor Begeisterung niemanden mehr auf dem Sessel hält und sie die überbordende Zuwendung des Publikums erlebt? „Das treibt mir wirklich jedes Mal die Tränen in die Augen, weil es mich unfassbar berührt. Das ist so ein riesiges Dankeschön für einen Abend, den man gespielt hat.“
Zehn Jahre liegt ihr erster Auftritt im Haus zurück. Als Pirat in Wolfram Lotzs „Lächerliche Finsternis“ hat sie Publikum und Kritiker in Euphorie versetzt. Im Handke-Solo blickt sie mit einer kurzen Einblendung darauf zurück. Eine Momentaufnahme, die auch sie bewegt. Sogar der Bühnenmeister ist noch derselbe wie damals. Da schließt sich der Kreis.
Jetzt sei sie in Wien angekommen und werde auch bleiben, sagt sie. Eine Wohnung ist gefunden. Und an der Burg möchte sie noch vieles ausprobieren und spielen und weiterentdecken. Und wir mit ihr.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.







