Monika Wogrolly traf den renommierten Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie Jörg Knabl und sprach mit ihm ungeschönt über das Leben, Glück, ästhetische Normen und die Frage, worauf es für ein natürliches Erscheinungsbild ankommt.
Lieben Sie Ihren Beruf?
Ich liebe meinen Beruf, weil es nur wenige Bereiche gibt, wo ich das, was ich kann, verwirklichen und umsetzen kann. Ich verfüge über ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, kann Farben anordnen, Räume einrichten. Das steckt einfach in mir drin. Was meinem Wesen entspricht, zu verwirklichen, wäre wohl sonst nur in der Kunst oder in der Architektur möglich gewesen. Und ist in all dem möglich, was ich heute mache.
In der Schönheitschirurgie hat wohl jeder seine eigene Handschrift.
Meine Handschrift bei Operationen ist, wirklich nur das zu verändern, was tatsächlich stört; kein Overtreatment zu betreiben. Bei Nasen-OPs geht’s zum Beispiel am meisten darum, dass wirklich nur das, was stört, faktisch weggenommen wird. Meist wird allein durch die Wegnahme eben der störenden Anteile schon eine sehr gute ästhetische Verbesserung erzielt.
Ist Ihnen schon mal jemand begegnet, der vollkommen wie eine andere Person, zum Beispiel ein Vorbild oder Idol aussehen wollte?
Das kann schon vorkommen. Mit manchen Anliegen muss man allerdings besonders kritisch und vorsichtig umgehen. Auf der anderen Seite ersuche ich meine Patientinnen, mir Bilder als Vorlagen mitzubringen, wie das Ergebnis wunschgemäß ausschauen sollte: Das dient dann schlicht als Diskussionsgrundlage, woraufhin ich dann klar sagen kann: Das funktioniert oder das funktioniert nicht.
Der Hauptfaktor, weshalb es zu Unzufriedenheit nach einer Operation kommen kann, sind vollkommen unterschiedliche Vorstellungen bei Arzt und Patientin. Bilder sind vor einer Operation hilfreich, um festzulegen, wo die Reise hingehen soll. Die entscheidende Strategie für ein natürliches Ergebnis ist eine Charakter bewahrende Veränderung; kurz gesagt, eine Verbesserung dessen, was ist.
Ich sehe immer wieder, wie sich manche durch eine äußere Veränderung auch innerlich wandeln und entwickeln
Sie sind „Team Charaktererhaltung“.
Es ist in erster Linie meine Aufgabe, jemanden dahingehend zu beraten, dass der Eingriff medizinisch erfolgreich ist, das heißt, mit wenig Risiko verbunden, und natürlich gebe ich eine Empfehlung ab, was ästhetisch gut realisierbar ist. Wenn jemand doch ein bisschen in eine andere Richtung will, finde ich das trotzdem in Ordnung.
Denn man kann nicht Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Die persönliche Freiheit steht über allem. Ich sehe immer wieder, wie sich manche durch eine äußere Veränderung auch innerlich wandeln und entwickeln. Die Einwirkung von Äußerlichkeiten, optischen und ästhetischen Aspekten des eigenen Körpers hat eine unmittelbare Auswirkung auf die Psyche.
Viele vor allem weibliche Celebrities sehen immer mehr aus wie Schwestern. Man hat das Gefühl, dass die Unverwechselbarkeit kaum noch gegeben ist.
Viele Menschen wollen nicht durch körperlichen Merkmale auffallen und herausstechen. Ich vergleiche das beispielsweise mit einem Besuch vom Opernball, wo alle Männer schwarzen Frack tragen, und es ziehen sich alle dem Dresscode entsprechend gleich an, weil es eine gewisse gesellschaftliche Uniformierung gibt.
Wenn ich sehr markant sein möchte, würde ich dort zum Beispiel im roten Frack erscheinen. Das ist halt nicht jedermanns Sache und zudem nicht üblich. Ein bisschen geht es in die Richtung, dass man sich durch eine ästhetische Anpassung des Äußeren in dieser uniformierten Welt etwas wohler fühlt.
Was ist Glück?
Glück ist, wenn ich keinen Ängsten ausgesetzt bin. Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit dem Leben, das ich habe. Ich arbeite aber auch sehr dran. Das ist etwas, was mich und meine Partnerin verbindet: Dass wir uns nicht nur auf eine Sache fokussieren, sondern bestrebt sind, alle Bereiche des Lebens gut abzudecken. Das ist auch herausfordernd und manchmal ein bisschen stressig, aber über die Jahre hat sich diese Strategie bewährt.
Wir sind jetzt über zwanzig Jahre zusammen und bestrebt, auf uns zu schauen, unsere Beziehung zu pflegen, der Familie entsprechend zu handeln, den Job gut zu machen, unsere Gesundheit zu stabilisieren. Auf all diese Dinge achten wir ständig. Das bildet die Basis, auf der Glück entsteht. Viele Ängste entstehen ja daraus, dass man manchmal Dinge im Leben vernachlässigt und daraus Schieflagen entstehen.
Was wäre ein Must-have?
Ein Must-have sind gemeinsame Lebensziele. Alles andere ist nicht so wichtig. Nur wenn man gemeinsame Lebensziele hat, hat man auch in schwierigen Phasen immer dieses Ziel vor Augen und geht in dieselbe Richtung. Man muss auch bereit sein, an gewissen Dingen zu arbeiten. Meine Frau und ich gehen seit zwanzig Jahren immer wieder zu einem Coaching, das uns in schwierigen Situationen – jetzt nicht nur unter uns beiden, sondern auch, wenn es den Betrieb oder die Kinder betrifft – dabei hilft, bessere Lösungen zu finden.
Was wir auch immer wieder machen: Dass wir uns gegenseitig mit irgendetwas überraschen: Der eine denkt sich was aus und der andere „muss“ mitmachen. Das ist eine Art Mini-Abenteuer, aber das würde ich jetzt nicht überbewerten. Das passt halt für uns zwei. Das kann auch einmal eine Privatführung in einer Ausstellung sein.
Wogrollys Couch: Das Interview zum Ansehen
Was ist Liebe?
Das definieren Menschen auch sehr unterschiedlich. Wenn man Erich Fromm liest, hat man eine bestimmte Vorstellung von Liebe und wenn man andere Psychologen liest, finden sich wieder andere Definitionen. Ich verstehe diese Art von Liebe, die man zu allem haben kann, diese universelle Liebe, die Liebe zu Menschen. Das ist sehr vielschichtig.
Was wünschten Sie sich als Kind?
Mein ursprünglicher Traum war, Künstler zu werden. Und dann war ein Traum von mir, zum Radio zu gehen oder zum Fernsehen. Wir hatten in meinem Gymnasium ein Medienprojekt, bei dem wir ein richtiges Tonstudio hatten. Wir machten bei Studio Steiermark und bei Ö3 immer wieder Sendungen. Das war für mich sehr spannend damals.
Mein Vater wollte aber, dass ich eine Berufsausbildung mache und hat mich in die HTL geschickt. Architektur hat mich sehr interessiert. Dass ich dann zur Medizin gekommen bin, war im Grunde ein Zufall. Ein Klassenkollege hatte irgendwann einmal ein Buch mitgebracht, und ich sah dieses Buch über Sportmedizin und hatte ihn gebeten, es mir zu leihen. Ich fand es so spannend. Ich habe mich dann auch viel mit Kräutern beschäftigt, selbst Kräuter gezüchtet, Heilkräuter.
Dann haben Sie sich von der Architektur ab- und der Medizin zugewandt.
Ein Schlüsselerlebnis war, dass ich bei der Architektur die Sorge hatte, es könne irgendwie unbefriedigend werden, wenn diese tote Materie zu wenig Dynamik hatte. Dagegen war die Medizin weitaus lebendiger. Daraus entstand rasch dieser Wunsch, mich in Richtung plastische Chirurgie zu entwickeln.
Was ist Ihre Haltung im Arzt-Patienten-Verhältnis?
Ich kann Ihnen konkret ein Beispiel geben, das ich heute erlebt habe. Eine Patientin kam mit einem Befund von einem radiologischen Institut. Es stand keine Diagnose drauf, und ich fragte sie: Was ist jetzt geplant? Und sie entgegnete: Nichts. Und genau das Gegenteil davon bin ich in meiner ärztlichen Haltung. Ich würde Patienten niemals so im Regen stehen lassen. Wenn einmal bei einem Patienten, sei es nur eine Wundheilungsstörung oder irgendwas entsteht, bin ich so lange da und mit der Betroffenen verbunden, bis alles passt. Das ist gewiss auch etwas, das mich auszeichnet.
Sind Sie 24/7 erreichbar?
Im Wesentlichen bin ich das, also: ja. Nach den Operationen, die ich mache, melden sich allerdings sehr selten Patienten, weil alles in aller Regel problemlos, gut und geschmeidig läuft. Das ist halt auch so eine zentrale Frage, wie man das im Laufe der Jahre konzipiert und umsetzt, dass wirklich alles passt. Wir haben natürlich viel Erfahrung gewonnen, wie das zu managen ist, dass das so smooth ablaufen kann.
Wie kamen Sie auf den Gedanken der Unternehmensgründung?
Der Gedanke der Gründung war zunächst ganz schlicht. Ich hatte die Unterspritzbehandlungen selbst gemacht, auf der anderen Seite waren die Operationen. Ich konzentriere mich immer gern auf eine Sache. Das heißt, ich beabsichtigte, das zu trennen. Daraus hat sich dieses Konzept ergeben.
Wir waren als Familie in einem alten Schlössl in der Toskana und hatten die Idee, wie wir das Konzept zu einem Institut machen wollten. Das war herausfordernd, innovativ und spannend, da es das vor 15 Jahren noch nicht so gab, dass man sich ins KMED-Institut auch ohne Termin am Morgen begeben und eine sehr gute Behandlung bekommen kann. Das bildete das Grundkonzept.
Was bringt die Zukunft?
Was die Zukunft bringt, kann ich natürlich nicht sagen, aber: Ziele? Eines der wichtigsten Ziele überhaupt ist Wachstum. Sei es geistiges Wachstum, Weiterentwicklung, und Wachstum ist Weiterentwicklung. Das ist für mich entscheidend. Für mich ist es keine Option, in Pension zu gehen.
Es ist für mich eine Option, mein Leben zu optimieren und zu verändern, so dass ich vielleicht in fünf Jahren noch einmal mein berufliches Spektrum spezifiziere. Dass ich zum Beispiel unser KMED-Institut weiter ausbaue. Dass ich mit meiner Frau weiterhin gut Zeit verbringen und gut leben kann, ist für mich sehr wichtig, weil es unsere Lebensqualität extrem erhöht.
Sie fühlen sich nach wie vor als Steirer?
Die steirische Mentalität ist schon eine spezielle. Ich habe sie in einem sehr speziellen Umfeld kennengelernt. In Mürzzuschlag, wo ich aufgewachsen bin, hat es ja Stahlwerke gegeben. Das waren sehr ehrliche Charaktere, diese Menschen, die sehr hart gearbeitet haben und sehr verlässlich waren. Das sind für mich Grundeigenschaften, die ich mit der Steiermark verbinde. Ein Onkel von mir hatte eine Firma hier in Wien. Das war schon in den 80er Jahren, dass er sich bevorzugt aus dem Burgenland oder aus der Steiermark Leute genommen hat als Mitarbeiter.
Thomas Bernhard hat einmal gesagt, in Graz müsse man nicht gewesen sein. Er hatte übrigens eine unverwechselbare Nase.
Ich habe zwar das Bild von ihm, aber jetzt nicht so speziell von seiner Nase.
Das ist ja auch etwas, was viele Leute stört, wenn sie verhärmt, böse oder verängstigt aussehen. Man kann sich ja sogar die Mundwinkel nach oben ziehen lassen, um sympathischer zu wirken?
Das ist korrekt. Es gibt auch wissenschaftliche Untersuchungen dazu, dass das Entspannen gewisser Muskelpartien im Gesicht eine Rückkopplung auf die Psyche hat.
Steckbrief
Jörg Knabl
Dr. Jörg Knabl ist Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie in Wien. Geboren am 14. Oktober 1963 in Bruck an der Mur wollte er Künstler oder Rundfunkmoderator werden. Nach dem Medizinstudium in Wien absolvierte er seine Facharztausbildung an der Universitätsklinik Wien und war von 2000 bis 2007 Oberarzt am Wilhelminenspital.
Seit 1999 führt er eine Privatordination in Wien und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung, mit Schwerpunkt auf Brust, Nase und Augenlidern. Seine Philosophie ist die ärztliche Dialogik.
