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Drago J. Prelog: Farben im Umlauf

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Prelogs „Skripturalarbeiten“ sind statischer Gegenpol zu den dynamischen Umlaufbildern – die Schrift ist Epizentrum seines Schaffens.©Beigestellt

Von der Schrift ausgehend entwickelte Drago J. Prelog (1939-2020) eine stringente, unverwechselbare Eigenständigkeit. Ab Ende der 70er reüssierte er mit seinen „Umlaufbildern“ – eine Auswahl der letzten dieser malerischen Meisterwerke ist aktuell zu sehen.

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Als Galerist Herwig Dunzendorfer den Lichtstrahler anwirft, potenziert sich die Bildwirkung der Arbeit im Eingangsbereich der Galerie „Artecont“ am Wiener Opernring im Bruchteil einer Sekunde um ein Vielfaches: Es entsteht ein visueller Sog, dem sich das Auge des Betrachtenden nicht mehr zu entziehen vermag. Maßgebend dafür ist die rhythmisch pulsierende, im Kreis verlaufende Linie.

Runde für Runde schickt sie das Auge auf eine nicht enden wollende Reise. Ein Ausgangspunkt ist dabei ebenso wenig auszumachen wie ein Ende. Dabei strebt sie, die Linie, alles andere als ziellos in Richtung Bildrand: Von ihrer ursprünglichen Zweckdienlichkeit der Konturierung eines konkreten Abbilds befreit verdichtet sie sich – beeinflusst vom Spätinformel – durch vielfache Über- und Unterlagerung auf der Leinwand zu einem rund verlaufenden, in sich geschlossenen Strang.

Ist die mittels Injektionsspritze applizierte Linie, die hier ihre Runden zieht, eine durchgehende? Oder sind es gar mehrere abgesetzte, die der radikalen Befragung des malerischen Mediums dienen? Fest steht: Jede Linie scheint sich darin auf die zuvor gesetzte zu beziehen – mit jeder Umkreisung formiert sich eine heranwachsende, komplexe Komposition.

Von der Vertikalen in die Horizontale

Im Mai 1977 gelingt dem 1939 in der slowenischen Stadt Cejce geborenen Drago J. Prelog, der seinen Vornamen 1958 als Referenz auf seine slawischen Wurzeln von Karl in Drago ändern ließ, sein künstlerischer Befreiungsschlag: Die Leinwand wandert im Schaffensprozess von der Vertikalen in die Horizontale. Aufgebockt eröffnet sich dem Künstler ein neuer physischer und damit auch künstlerischer Zugang.

Die Wertigkeit der vier Seiten des Bildträgers wird dadurch nivelliert – weder gibt es ein Oben und ein Unten noch ein Links oder ein Rechts. Die Leinwand umkreisend wird der Malakt zur stillen Performance, einem rhythmischen Tanz. Von allen vier Seiten kommend eroberte Prelog den Bildraum. Die Balance zwischen scheinbar absichtsloser Intuition und formaler Disziplin markiert die Geburtsstunde Prelogs unverkennbarer „Umlaufbilder“.

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Zwischen strikter Ordnung und absoluter Freiheit: Im Mai 1977 gelingt Drago J. Prelog mit seinen „Umlaufbildern“ der künstlerische Befreiungsschlag.

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Die Schrift als Epizentrum

Sein Durchbruch gelang jedoch weit früher: 1968 nahm Prelog an der Biennale di Venezia teil. Bereits Ende der 50er-Jahre beginnt der 2020 verstorbene Künstler, der seine Laufbahn an der Grazer Kunstgewerbeschule begann, ehe er sein Studium an der Wiener Akademie in der Meisterklasse von Albert Paris Gütersloh aufnahm, seine Auseinandersetzung mit Schriftzeichen. In kürzester Zeit etabliert er sich als einer von wenigen Lettristen in Österreich. Ausgehend von seinen skripturalen Arbeiten, einer ebenso rhythmischen wie geheimnisvollen Setzung abstrahierter Schriftzeichen oder einfacher Striche, entwickelt der Künstler über die Jahre sogar eine Art persönliches Alphabet.

Die Schrift ist seine Obsession und Grundlage. Mit Ausnahme geringer gegenständlicher Brüche wie etwa der „Stephanstürme“, „Explosionsbilder“ oder topografisch inspirierter „Landkarten“ verschreibt er sich ihr zur Gänze. Von 1974 bis 1997 kulminiert diese intensive Auseinandersetzung in einer Professur für Schrift und Schriftgestaltung an der Akademie. Er selbst brach sein Studium Anfang der 60er-Jahre vorzeitig ab, um sich als autodidaktischer Künstler die volle künstlerische Freiheit zu bewahren und sein Werk frei von akademischen Zwängen zu entwickeln.

Zwischen dieser absoluten Freiheit und der strikten Ordnung begibt er sich auf formale Suche. Ein künstlerisches Experiment, das mit der „Prelographie“ sogar eine eigene Form der Drucktechnik hervorbringt, die nicht bloß zum visuellen Erfassen, sondern durch ihre schuppige Struktur auch zum taktilen Erfassen animiert. Ein Erforschen von Spuren, Linien, Farben und Rhythmen, das sich trotz unmittelbarer Dynamik und formaler Dichte eine klare innere Ordnung bewahrte. Und rund sechs Jahrzehnte währte.

Kunsttipp

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 38/2026 erschienen.

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