Am 8. März gehen Männer für feministische Anliegen gegen das Patriarchat auf die Straße. Unter ihnen ist Schauspieler Cornelius Obonya. Es braucht die Männer, um Gleichberechtigung zu erzielen, sagt er. Als wichtigsten gesellschaftlichen Hebel nennt er die Umsetzung von gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit.
Herr Obonya, sind Sie Feminist?
Ich bin schlicht und ergreifend ein Mann, der nicht mag, wenn es Frauen schlecht geht.
Die Mehrheit der Männer – laut einer Studie 80 Prozent – lehnt es ab, sich als Feminist zu bezeichnen. Ist das ein Kommunikationsproblem oder ein Machtproblem?
Ich bin aus einer Generation, die gelernt hat, dass Feminismus etwas von Frauen für Frauen ist. Für mich ist es ein Begriff, den Frauen für sich beanspruchen, um Frauen zu stärken, vom Wahlrecht bis zur beruflichen Gleichberechtigung. Ich denke, man sollte den Begriff den Frauen überlassen. Für mich ist es trotzdem ganz normal, dagegenzuhalten, wenn Frauen herabgewürdigt werden.
Mit welchen Vorbildern sind Sie diesbezüglich aufgewachsen?
Anders, als es traditionellen Familienbildern entspricht: Mein Vater ist gestorben, als ich neun Jahre alt war. Daraus hat sich ergeben, dass ich mit einer sehr starken Frau als Mutter aufgewachsen bin. Sie hat sich nicht als Feministin bezeichnet, aber als Frau, die für Frauenrechte eintritt. Und so würde ich mich gerne sehen: als Mann, der für Frauenrechte eintritt. Einfach, weil es das Logische ist, das Gute zu tun. Starke Frauen haben mich nicht nur privat, sondern auch als Chefinnen durchs Leben begleitet – ich habe meine Männlichkeit nie beeinträchtigt gesehen ...
Es sich einfach zu machen, weil man ein Mann ist, ist respektlos und falsch
Viele Männer fühlen sich eingeschränkt, sobald es um Feminismus geht? Verstehen Sie weshalb?
Weil sie glauben, dadurch an Einfluss zu verlieren. Dazu bedeutet für viele Männer die Tatsache, dass sie körperlich kräftiger geboren sind, eine andere Bekräftigung ihres Daseins. Das ist ein tief pubertäres Problem, durch das wir durchmüssen. Wir haben Kraft und wenn wir jung sind, machen wir Sport wie verrückt. Das habe ich auch alles gemacht, nur war ich nie versucht, daraus etwas Übergeordnetes abzuleiten.
Es kommt der Punkt, an dem Männer verstehen müssen, dass es darum nicht geht. Ich erlebe, dass Elternhaus und Bildung bei dieser Erkenntnis eine große Rolle spielen. Denn: Wie die wunderbare Regisseurin Andrea Breth sagt: „Da muss man sich halt Gedanken machen statt Abendbrot.“ Das ist anstrengend. Das ist nicht immer einfach. In Diskussionen mit meiner Frau muss ich argumentativ alle Fünf beisammen haben. Es sich einfach zu machen, weil man ein Mann ist, ist respektlos und falsch. – Das ist gesellschaftlich nur noch nicht bei jedem angekommen.
Gab es den Moment, in dem Ihnen unangenehm bewusst wurde, wie patriarchal unsere Gesellschaft geprägt ist?
Es war eher so, dass der Gesamtzustand zunehmend unerträglich wurde. Ich halte heute die Gleichstellung in der Bezahlung* für einen der wichtigsten gesellschaftlichen Hebel. Das war mir nicht immer klar. Solange Frauen weniger verdienen als Männer, wird suggeriert, der Mann sei mehr wert und die Folgen sind komplex und fatal. Darüber habe ich mir lange Zeit keine Gedanken gemacht. Mein Gagenzettel war halt anders. Ich habe auch nicht darüber nachgedacht, als meine Mutter weniger verdient hat als die Männer am Theater. Irgendwann lernen wir Männer zum Glück dazu. Das geht nicht über Nacht, das ist ein Prozess. Manchmal machen wir als Gesellschaft dabei auch einen Schritt vor und zwei zurück.
Gleichstellung in der Bezahlung ...
... ist ein langer Weg: Trotz gesetzlicher Verbote von Lohndiskriminierung betrug der Gender Pay Gap in Österreich 2025 16,3 Prozent. EU-weit zählt Österreich zu den Ländern mit der höchsten Lohnschere.
Meinen Sie damit, dass wir in Sachen Gleichberechtigung schon weiter waren?
Ich meine, dass die überschießende Wokeness-Welle ein gerütteltes Maß an Nachteilen in diesem Bereich nach sich gezogen hat. Wenn vieles, das für manche Männer Kraft bedeutet – angefangen bei Benzinautos –, plötzlich überspitzt als größtes Übel identifiziert wird, hat das Folgen. Das sind unterbewusste Prozesse. Das erzeugt Verunsicherung bei manchen Männern, dass sie jetzt nicht mehr männlich sein dürfen. Verunsicherung erzeugt Angst und die ist gefährlich. Deshalb ist es wichtig, dass nun Männer aufstehen und sagen: Stopp, so geht das nicht. Wenn Femizide zum Nachrichten-Tagespunkt werden, läuft etwas falsch und das hat mit uns zu tun. Das hat mit unserer männlich dominierten Gesellschaft zu tun, da liegt es an uns Männern, eine Veränderung mitzutragen.
Die Männer-Initiative „Take Part, not space“ nennt als Ziel, das Patriarchat zu stürzen. Sie sind einer von 30 Unterzeichnern ...
Ich würde gerne mit Werten wie Höflichkeit und Respekt im Alltag beginnen, einer guten Kinderstube, wie man gerne sagt. Wenn wir einander in der U-Bahn nicht mehr aggressiv zur Seite rempeln, wenn wir einander unabhängig vom Geschlecht freundlich begegnen, ist viel geschafft. Deshalb engagiere ich mich auch im Gewaltpräventionsprojekt StoP, Stadtteile ohne Partnergewalt. Da geht es um kleine Schritte in der Nachbarschaft, um Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern. Ich halte nichts von Radikalisierung. Gleichzeitig ist klar, dass man manchmal radikal formulieren muss, damit es überhaupt zum Dialog kommt.
Es tut uns Männern gut – überspitzt formuliert – zu begreifen, dass den Müll runterzutragen keine Bedrohung der Männlichkeit ist
Das Patriarchat schadet aber auch Männern extrem, wie Zahlen aus dem Gesundheitsbereich belegen.
Das stimmt, es ist eine mörderische, unfassbare Stressangelegenheit, wenn man versucht, ein patriarchales Männerbild aufrechtzuerhalten. – Umso mehr, wenn sich Frauen weiterentwickeln und unsere Muster infrage stellen. Deshalb tut es uns Männern gut – überspitzt formuliert – zu begreifen, dass den Müll runterzutragen keine Bedrohung der Männlichkeit ist. Wenn wir das hingekriegt haben, dann können wir uns auch konstruktiv über andere Bereiche unterhalten.
Wann ist es Ihnen wichtig, öffentlich für Feminismus einzutreten, über das tägliche Leben im Privaten hinaus?
Wenn Frauen getötet werden, wie es im vergangenen Jahr in Österreich geschehen ist, kann man nicht mehr nur zusehen. Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn sich über zwei Dutzend Männer öffentlich engagieren, aber ich möchte glauben, dass es ein Anfang ist. Der Beginn eines Nachdenkens, der Beginn für Gespräche. Das ist das Ziel. Je mehr Männer aufstehen und sich engagieren und den Mut haben, auch in der eigenen Männerschaft gegen sexistische Gedanken anzureden, desto besser.
Blickt man auf die Zahl der Femizide in Österreich, stellt sich die Frage: Sind wir im Vergleich eine übermäßig patriarchal geprägte Gesellschaft?
Das geht noch tiefer, wir sind ein obrigkeitshöriges Land und daraus resultiert viel machoides, auch gewaltvolles Verhalten. Man möchte in so einem System ja der sein, der oben ist. In einer entspannteren Gesellschaft, wie in den skandinavischen Ländern, funktioniert das anders.
Patriarchale Männerbilder begünstigen Gewalt. Haben wir genügend gute männliche Vorbilder?
Da fällt mir sofort der Bundespräsident ein. Wie er Verantwortungsbewusstsein vorlebt, halte ich für durch und durch männlich auf die beste Art.
Die Aktion
Männer für Gleichberechtigung Take Part, not space ist eine feministische Initiative von Männern, die sich gegen patriarchale Gewalt und Sexismus engagiert. „Wir wollen Männer dazu bewegen, Verantwortung zu übernehmen und sich solidarisch an feministischen Kämpfen zu beteiligen“, so die Initiative.
Weltfrauentag
Am 8. März, dem internationalen feministischen Kampftag, gehen Männer für eine gewaltfreie und gerechte Gesellschaft in Österreich und Deutschland auf die Straße, u. a. haben neben Cornelius Obonya unterzeichnet: Musiker Julian le Play, Schauspieler und Kabarettist Hosea Ratschiller, Kabarettist Benedikt Mitmannsgruber, Fußballprofi Grischa Prömel, Sänger Cesár Sampson.
Infos unter: takepartnotspace.org
Steckbrief
Cornelius Obonya
Cornelius Obonya, 56, kam 1969 in Wien zur Welt, als Sohn des Schauspielerpaars Elisabeth Orth und Hanns Obonya. Er arbeitete u. a. mit Regisseurin Andrea Breth am Burgtheater, war der „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen (2013-2016) und reüssiert im TV. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, ist mit Regisseurin Carolin Pienkos verheiratet und Vater eines Sohnes
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 10/2026 erschienen.







