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Was Catherine O’Hara dem Fernsehen hinterlässt

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©IMAGO / Ronald Grant

Sie war die verzweifelte Mutter in „Kevin – Allein zu Haus“ und wurde spät zur Ikone: Catherine O’Hara war nie Star um jeden Preis. Ihre Kunst gewann mit den Jahren an Gewicht. Nun ist die Schauspielerin gestorben.

Vor drei Jahrzehnten begeisterten die Filme „Kevin – Allein zu Haus“ und „Kevin – Allein in New York“ das Publikum. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich damals mit meinen Kindern die beiden Filme sehen musste. Nach dem vierten oder fünften Mal sprachen sie laut im Kino die Sätze wenige Augenblicke vor den Schauspielern und Schauspielerinnen, sprangen noch vor den entscheidenden Szenen von ihren Sitzen, wenn die beiden Bösewichte bestraft wurden. Die Filme sind bis heute Weihnachts-Klassiker und werden jedes Jahr gezeigt.

Verwöhnte Snobs

Catherine O’Hara war die überforderte Mutter, die im Flugzeug bemerkte, dass Sohn Kevin, gespielt von dem neunjährigen Macaulay Culkin, auf dem Weg in die Weihnachtsferien zu Hause vergessen wurde. In Europa war sie als Schauspielerin bald vergessen. In den USA übertraf ihre Mutterrolle als Moira Rose – eine ehemalige Soap-Darstellerin, die ihren glamourösen Lebensstil aufgeben musste und mit ihrer Familie in das abgelegene fiktive Städtchen Schitt’s Creek zog – bei Weitem ihre Bekanntheit als die nervöse Mutter in „Home Alone“. Aus der Gruppe verwöhnter Snobs entwickelte sich in der Kleinstadt Schitt’s Creek eine empathische und liebenswürdige Familie.

„Schitt’s Creek“ startete 2015. O’Hara war bereits in den Sechzigern, als ihr die Rolle angeboten wurde, und widersprach der Theorie, dass selbst bekannte Schauspielerinnen in diesem Alter aus dem Filmbusiness einfach verschwinden würden.

Die Serie begann schleppend, keiner der großen US-TV-Sender wollte sie übernehmen. Sie startete bei dem kanadischen Ableger von CBS. Nach wenigen Episoden verbreitete sie sich durch Mundpropaganda, begeisterte Reaktionen im Internet. Netflix übernahm die Serie und sie entwickelte sich zu einem Kult-Phänomen.

Die letzte Staffel 2020 bekam bei der Primetime-Emmy-Verleihung alle sieben Comedy-Preise – Outstanding Writing und Directing, alle vier Haupt- und Nebendarsteller und Darstellerinnen. Nie zuvor hatte eine Comedy-Show alle Preise bekommen. 2021 gewann O’Hara den Golden Globe Award, 2025 Emmys für Rollen in „The Last of Us“ und der Satire „The Studio“.

Kanadischer Humor

Über ihre Rolle in „Schitt’s Creek“ sagte O’Hara: „Ich darf diese lächerliche, aber wunderbare Figur spielen – und Geschichten erzählen, die nicht nur von Tod, Scheidung und Krankheit handeln, was sonst oft die Themen für Menschen jenseits eines gewissen Alters sind.“ Ein Kritiker des britischen Guardian schrieb: „Moira ist eine der besten Figuren, die je auf dem Bildschirm erschienen ist.“

Geboren wurde Catherine O’Hara 1954 in Toronto als zweitjüngstes von sieben Kindern. Ihr Vater arbeitete für die Eisenbahn, ihre Mutter in einem Immobilienbüro. Im Laufe ihrer Karriere spielte sie in etwa hundert Filmen und Episoden von TV-Serien. Ihren unverwechselbaren Humor beschrieb sie als typisch „kanadisch“: „Wir lachen über­einander, aber auch über uns selbst. Man wird aufgezogen von jemandem, der einen liebt – da ist Wärme, aber auch Schärfe. Und man fühlt sich ­dabei sicher.“

Catherine O’Hara starb am 30. Januar 2026.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.

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