Der Kunsthistoriker und bisherige Chef des Schloss Versailles folgt auf den gestern zurückgetretenen Laurence des Cars.
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Der erfahrene Kunsthistoriker Christophe Leribault übernimmt die Leitung des krisengeplagten Pariser Louvre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ernannte Leribault zum neuen Direktor des meistbesuchten Museums der Welt, wie Regierungssprecherin Maud Bregeon nach einer Kabinettsitzung sagte. Leribault habe ein sehr solides Profil und sei unter seinen Kollegen und Kolleginnen anerkannt.
Macron hat großes Vertrauen
Der Präsident habe Vertrauen in den Kunsthistoriker, der nach Monaten der Krise Ruhe in den Louvre bringen soll, sagte die Sprecherin. So soll Leribault etwa die wichtige Herausforderung der Modernisierung und Verstärkung der Sicherheit des prestigeträchtigen Hauses angehen.
Die bisherige Direktorin des Louvre, Laurence des Cars, war am Dienstag zurückgetreten – rund vier Monate nach dem Diebstahl von historischen Juwelen im Millionenwert. Leribault war zuletzt Chef des berühmten und von Millionen besuchten Schloss Versailles bei Paris. Zuvor leitete er schon das Musée d'Orsay sowie den Petit Palais in Paris. Vor Jahren arbeitete er in der Grafikabteilung des Louvre.
Dringende Aufgaben
Eine der dringendsten Aufgaben betrifft das Personal. Seit Ende 2025 kam es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen und zeitweisen Schließungen. Die Beschäftigten klagen über chronische Unterbesetzung, hohe Belastung und zunehmendes Outsourcing. Bereits vor Jahren hatten Sicherheits- und Empfangskräfte Alarm geschlagen, zuletzt verschärfte sich der Konflikt erneut.
Leribault gilt als Direktor mit Blick für interne Strukturen und Dialog. Am Petit Palais zeigte er, dass er Reformen umsetzen, Mitarbeiter einbeziehen und Museen besucherfreundlich gestalten kann. Beobachter erwarten, dass er zunächst das Gespräch mit den Gewerkschaften sucht – und Vertrauen zurückgewinnen muss, das in den vergangenen Monaten spürbar gelitten hat.
Das Petit Palais in Paris, direkt an den Champs-Élysées, ist ein Museum für französische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Es zählt zu den wichtigsten kulturhistorischen Häusern der Stadt.
Image wieder herstellen
Der spektakuläre Juwelendiebstahl im Herbst und der Verdacht auf systematischen Ticketbetrug haben die Vertrauensfrage in die Museumsführung verschärft. Für Leribault bedeutet das: Abläufe überprüfen, Verantwortlichkeiten klären und zeigen, dass das Museum nicht nur im Ausstellungsbetrieb, sondern auch im Ernstfall handlungsfähig ist.
Ein Vorteil des neuen Direktors: Er kennt sich mit Umbauten unter laufendem Betrieb aus. Am Musée d"Orsay, im ehemaligen Pariser Bahnhof am linken Seine-Ufer, wurden unter seiner Leitung Planungen und Neuorganisationen angestoßen – etwa die zwischen 2026 und 2028 geplante Umsetzung der Erweiterung des Eingangsbereichs, die Umgestaltung der Ausstellungsflächen und die Verbesserung des Besucherflusses – während das Museum geöffnet bleibt.
Diese Erfahrung gilt als entscheidend: Auch der Louvre benötigt nach dem spektakulären Einbruch und nach Überschwemmungen, bei denen Dokumente und Gemälde beschädigt wurden, dringend Investitionen in Sicherheit, Klima, Elektrik und Bausubstanz - längere Schließungen sind jedoch kaum möglich.
Prestigeobjekt auf dem Prüfstand
Besonders umstritten ist das Großprojekt "Louvre – Nouvelle Renaissance". Geplant sind eine neue Eingangshalle, zusätzliche Ausstellungsflächen und ein eigener Saal für die Mona Lisa. Kritiker bemängelten, dass unter Laurence des Cars Prestige vor Sicherheit und dringend nötigen Investitionen in die marode Substanz gestellt wurde – ein Vorwurf, der die frühere Direktorin stark in die Kritik brachte. Beobachter erwarten nun, dass Leribault das Projekt neu bewertet.
Leribault kennt den Louvre von innen. Er arbeitete bereits früher im Haus, unter anderem in der grafischen Sammlung, und ist damit kein externer Sanierer, sondern ein Insider mit Verwaltungserfahrung. Diese Kombination aus Insiderwissen, operativer Erfahrung und pragmatischem Handeln dürfte ihm nun helfen, den Louvre aus dem Krisenmodus zu führen. Ob ihm der Neustart gelingt, wird sich daran messen lassen, ob Prestige künftig mit Stabilität, Sicherheit und Funktionsfähigkeit in Einklang gebracht wird.






