„Jazz ist ein Wort der Weißen, für Musik, die sie nicht spielen können“.
Er war nicht das Kind verarmter Eltern, wie viele seiner schwarzen Kollegen und Kolleginnen, die sich durch ihr Talent durchsetzten, im Gegenteil. Miles Dewey Davis III. wurde am 26. Mai 1926 als Sohn eines vermögenden Zahnarzts in Alton, Illinois, geboren.
Als er drei Jahre alt war, zog seine Familie nach East St. Louis in ein Viertel ohne Rassentrennung, die erst 1964 offiziell abgeschafft wurde. Mit neun Jahren begann er mit dem Trompetenspielen, als 14-Jähriger bekam er Unterricht durch Joseph Gustat, dem Solotrompeter des Saint Louis Symphony Orchestra. Die ‚Tiny-Bradshow-Band‘ wollte den 17-jährigen Miles für eine US-Tour verpflichten – seine Mutter bestand jedoch auf einem High-School-Abschluss.
Anfänge
1944 zog Miles nach New York, brach jedoch das Studium ab, weil es ihm zu ‚weiß‘ war. „Die Lehrerin erklärte, der Blues klinge so traurig, weil Schwarze arm seien und Baumwolle pflücken müssten. Ich erwiderte, dass mein Vater ein reicher Zahnarzt sei, nie Baumwolle gepflückt hätte und dennoch den Blues spiele“, schrieb er in seiner Autobiografie. Der Durchbruch gelang ihm 1955 beim Newport Jazz Festival, als er unangekündigt auftrat und die Plattenfirma Columbia ihn daraufhin unter Vertrag nahm.
Filmmusik
Während der nächsten Jahrzehnte dominierte Miles die Entwicklung des Jazz – allen zwei Schritte voraus. Ob Cool Jazz, Modal Jazz, Hard Bop, Fusion – Miles war der Wegbereiter. Sein meistverkauftes Album ‚Kind of Blue‘ (1959) ist immer noch das meist verkaufte Jazz-Album. Er verarbeitete musikalisch, was er als Sechsjähriger erlebte, als er durch den Wald in Arkansas ging und aus der Ferne Gospelmusik hörte – beschrieb er seine Musik. Louis Malle beauftragte ihn, die Filmmusik zu ‚Fahrstuhl zum Schafott‘ zu komponieren – Miles improvisierte sie, während er sich den Film ansah.
Weitere zeitlose Meisterwerke: ‚Birth of the Cool‘ (1950), die ‚Rhapsodie Sketches of Spain‘ (1960) und das anspruchsvolle Album ‚The Complete Live at the Plugged Nickel‘ (1965). ‚Doo-Bop‘ wurde 1992 veröffentlicht – ein Jahr nach seinem Tod.
Sein beißender Humor und seine Aggressivität waren oft schwer zu ertragen. Ein Journalist schrieb 1970: „Miles vermittelt einem das Gefühl, seine Höflichkeit bestehe darin, dich nicht zu verprügeln, weil du seine Zeit verschwendest.“ Ehefrauen und Partnerinnen verließen ihn wegen seiner Gewalttätigkeit. Nach einer Affäre mit Juliette Gréco 1949 in Paris fragte ihn Grécos Freund Jean-Paul Sartre, warum sie nicht heiraten würden. Miles antwortete: „Ich liebe sie zu sehr, um sie im rassistischen Amerika unglücklich zu machen.“
Einfluss
Seine Ideen beeinflussen die Musik bis heute. ‚Bitches Brew‘ inspirierte Joni Mitchells Jazzphase, seine Studiotechnik Aphex Twin und andere ElectronicaKünstler. Pink Floyd übernahmen ‚Kind of Blue‘-Akkorde für ‚Dark Side of the Moon‘. Jonny Greenwood von Radiohead sagte: „Wir haben schamlos von Miles gestohlen – nicht nur musikalisch, sondern auch in seiner Haltung, Dinge voranzutreiben.“
BBC erklärt ihn 2015 zum bedeutendsten Jazzmusiker aller Zeiten.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 08/2026 erschienen.







