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Wiener Festwochen heuer zwischen „Gotteskritik und Gottessehnsucht“

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Punk-Ikone Patti Smith

©IMAGO / ZUMA Press Wire

Milo Rau will heuer „die großen Mythen befragen“. Der Festwochen-Chef inszeniert auch selbst zum 75-Jahr-Jubiläum. Darüber hinaus performt Florentina Holzinger ein „Pfingstspiel“, Patti Smith ist in der Arena Wien zu Gast, Susanne Kennedy inszeniert „Parsifal“ und es gibt eine Ausstellung über Christoph Schlingensief.

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Die Wiener Festwochen werden heuer von der vorjährigen „Republic of Love“ zur „Republic of Gods“. Das 75-Jahr-Jubiläum des zum dritten Mal von Milo Rau verantworteten Festivals wird als „mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht“ angekündigt.

Geplant sind u.a. ein „Pfingstfestspiel“ von Florentina Holzinger, ein Patti-Smith-Schwerpunkt, Inszenierungen von Romeo Castellucci, Angélica Liddell und Susanne Kennedy sowie Raus Collage „Das beste Stück aller Zeiten“.

Alte und neue Mythen

„It's Time for New Gods“, postulieren die Festwochen und machen sich auf die Suche nach alten und neuen Mythen. So unterzieht Kennedy Wagners „Parsifal“ ab 15. Juni in der Halle E im Museumsquartier mit dem ORF Radio-Symphonieorchester und dem Arnold Schoenberg Chor einer „spirituellen Neuinterpretation“, Castellucci hinterfragt mit „Credere alle Maschere“ am 6. und 7. Juni in der Halle G „unser Gott-Spielen über den Tod“ und Robert Wilson (1941-2025) ist posthum mit seiner letzten Inszenierung „The Tempest“ im Burgtheater zu Gast (Premiere am 5. Juni).

Aus dem Reich der Toten meldet sich auch Christoph Schlingensief (1960-2010), dem im MAK - Museum für angewandte Kunst ab 13. Mai eine große Einzelausstellung mit dem Titel „Es ist nicht mehr mein Problem!“ gewidmet wird. Die Spanierin Liddell inszeniert mit „Seppuku. Die Beerdigung von Mishima oder die Lust am Sterben“ ein „radikales Performance-Ritual“ (ab 11. Juni im Volkstheater).

Rau moderiert „Das Glaubenstribunal“

Die Wiener Choreografin Florentina Holzinger, die heuer den österreichischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig bespielt, realisiert unter dem Titel „Pfingstspiel“ am 23. Mai eine mehrstündige Performance in Wien und Prinzendorf. Dabei handelt es sich – in Kooperation mit der Nitsch Foundation – um eine offizielle Satellitenveranstaltung zu ihrem Biennale-Beitrag. Der amerikanische Choreograf Trajal Harrell bringt am 23. Mai mit „Music Music“ Teil sieben seiner Serie „Histoire(s) du Théâtre“ ins Volkstheater. Nach den „Wiener Prozessen“ und den „Wiener Kongressen“ steht heuer im Odeon „Das Glaubenstribunal“ auf dem Programm. Von 29. bis 31. Mai beschäftigen sich Kulturwissenschafter:innen, religiöse Würdenträger:innen und gläubige Menschen mit der „Rolle von Religionen, Göttern, Göttinnen und Kultobjekten im globalen Kapitalismus“.

Die Verknüpfung der Wiener Festwochen mit der Besetzung der Arena vor 50 Jahren huldigt man mit einem Konzert der „Godmother of Punk“ Patti Smith am 21. Mai. Die 79-Jährige wird auch im Rahmen der Eröffnung, die heuer nicht wie gewohnt am Rathausplatz, sondern am 22. Mai am Heldenplatz über die Bühne geht, gemeinsam mit dem Wiener Schmusechor und der Festwochen-Band Gods Republic auftreten. Darüber hinaus lädt man bereits am 19. Mai im Theater Akzent zu einem „Evening with Patti Smith“. Die Rede an Europa hält auf dem Judenplatz am 13. Mai die amerikanisch-polnische Journalistin und Historikerin Anne Applebaum.

Best- und Worst-of-Collage aus 75 Jahren Festwochen

Den Auftakt der Festwochen bestreitet Milo Rau noch vor der offiziellen Eröffnung: In der Halle E des Museumsquartiers zeigt der Festwochen-Intendant ab 15. Mai die Collage „Das beste Stück aller Zeiten“ als Revue der „Höhe- und Tiefpunkte aus 75 Jahren Festwochen“, der schwedische Regisseur Matthias Andersson inszeniert im Volkstheater mit „Mythen des Alltags“ seine Suche „nach den neuen Mythen Wiens“, auf der Bühne stehen u.a. Johanna Wokalek, Bernardo Arias Porras und Nick Romeo Reimann (Premiere am 16. Mai).

Das Wiener Kollektiv Nesterval verwandelt die Nibelungen-Erzählungen zu einem zweiteiligen immersiven Erlebnis, „Wallden“ (am Augartenspitz) und „Donaugold“ im brut nordwest feiern am 17. Mai Premiere. Als „raffinierter, existenzieller Theaterabend“ ist Thorsten Lensings „Tanzende Idioten“ am selben Abend im Akademietheater angekündigt. Die Femen-Aktivistin Inna Shevchenko hält ebenfalls am 17. Mai die performative Rede „State of Faith“. Mit „Vampire's Mountain“ widmet sich der bildende Künstler, Szenograf und Regisseur Philippe Quesne ab 31. Mai im Volkstheater dem „Verhältnis von Mensch und Natur, von Herrschaft und Ausbeutung“.

Auch das 75-Jahr-Jubiläum selbst wird zum Thema: Geplant ist etwa eine Ausstellung zu den bisherigen Festwochen-Plakaten („Hype und Hochkultur“, ab 21. April) im MAK, der Launch eines neuen Onlinearchivs und eine ORF-Dokumentation. Im „Kino der Republik“ im Festivalzentrum am Badeschiff am Donaukanal wird überdies Material zu in Erinnerung gebliebenen Inszenierungen gezeigt.

Milo Rau im Interview

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Milo Rau im Interview

Milo Rau

 © Magdalena Blaszcuk
Kunst & Kultur

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