Während Direktor Stefan Bachmann künstlerisch optimistisch bleibt, sorgen drohende Budgetkürzungen und unklare politische Vorgaben für Unsicherheit über die Zukunft ab 2027.
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„Es sieht sehr gut aus.“ So beurteilt Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann die laufende Saison, bei der man voraussichtlich die „magische Grenze“ von 400.000 Zuschauern überschreiten wird. In der nächsten Saison werde man in der Lage sein, mit 23 Premieren „einen sehr großen Fächer aufzuspannen“, freute er sich bei der Spielplanpräsentation am Montag. Deutlich düsterer blickt man in der Burg jedoch auf die laufenden Budgetverhandlungen und damit auf die Aussichten ab 2027/28.
„Was zu hören ist, ist alles andere als beruhigend“, sprach Bachmann gleich selbst den „Elefanten im Raum“ an, nämlich die drohenden Einsparungen. Das Burgtheater sei angewiesen worden, „Szenarien zu rechnen, die eine starke Veränderung des Burgtheaters bedeuten würden. Ich habe aber noch keine konkrete Aussage darüber, wie es für uns weitergehen wird.“ Dass darunter auch mögliche Schließungen der Spielstätten Kasino und Vestibül (wo in Bachmanns dritter Saison vier bzw. drei Premieren angeboten werden) sind, konnte man sich ausrechnen, nachdem Bachmann und sein Chefdramaturg Thomas Jonigk mehrfach die Wichtigkeit dieser kleinen Räume für die Nachwuchsförderung betonten. Mehrfach können Regie-Assistierende hier in der kommenden Spielzeit ihre „Abschlussinszenierung“ machen und sich damit am Markt bewerben.
Keine Erhöhung der Basisabgeltung
„Wir haben unsere Hausaufgaben hervorragend gemacht. Wir arbeiten hier unglaublich effizient. Hier gibt es keinen Leerlauf. Das Controlling ist stark ausgeprägt. Mit der alten Burg, die ich als Regisseur ja auch noch kenne, hat sie nichts mehr zu tun“, betonte der Direktor. Für tiefer gehende Einschnitte brauche es eine Änderung des gesetzlichen Auftrages. „Ich nehme meinen Auftrag ernst, der darin besteht, dieses Haus optimal zu planen. Meinen Auftrag werde ich so lange ausführen, bis man mir das Werkzeug aus der Hand nimmt.“ Auch Robert Beutler, der kaufmännische Geschäftsführer, betonte: „Die Politik wird zu entscheiden haben, welche Schritte sie setzt.“ Gleichzeitig wagte er zumindest eine Prognose: „Wir haben definitiv wohl keine Erhöhung der Basisabgeltung zu erwarten.“
Die kommende Spielzeit kann durch Reserven finanziert werden. Das Burgtheater hat in seiner aktuellen Bilanz 15,8 Mio. Euro an Rücklagen ausgewiesen, innerhalb der Bundestheater würde durch kommunizierende Gefäße ein gewisser Ausgleich geschaffen, sagte Beutler, der aber auch darauf hinwies, dass alleine durch die jährlichen Gehaltsabschlüsse die Personalkosten weiter stiegen. Nach Staatsoper und Volksoper wurde also auch im Burgtheater deutlich, dass die Saison 2027/28 entweder frisches Geld oder gravierende Änderungen im Spielbetrieb bringen wird.


Stefan Bachmann und Robert Beutler
© Tommy HetzelJe acht Premieren an Burg- und Akademietheater
Die Spielzeit 2026/27 bringt dagegen je acht Premieren an Burg- und Akademietheater und „einen großen, bunten Querschnitt durch die Theaterliteratur und das, was Theater im Moment zu leisten imstande ist“, wie es Bachmann ausdrückte. Bachmann selbst inszeniert im großen Haus eine Kompilation aller drei „König Ubu“-Stücke von Alfred Jarry mit Joachim Meyerhoff und Stefanie Reinsperger als Kleinbürger-Paar, das ganz hoch emporkommt. „Am Ende wollen alle Sklaven sein. Wir sehen, wie sich Demokratie aus sich selbst zerlegen kann“, sagte Bachmann. „Hoffentlich wird es trotzdem komisch.“
Zu den Attraktionen im Burgtheater, das am 4. September mit der Wien-Premiere der bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Koproduktion „Unter Tieren“ von Elfriede Jelinek die Saison eröffnet (mit der nun in Salzburg verantwortlichen Ex-Burgtheater-Chefin Karin Bergmann gibt es laut Bachmann noch keine Gespräche), zählen eine neue Zusammenarbeit der Musicbanda Franui mit Nicholas Ofczarek, die sich diesmal mit Operettenmelodien ins „Hotel Savoy“ von Joseph Roth begeben, und eine Neusicht von Ersan Mondtag auf Dürrenmatts Klassiker „Die Physiker“ mit einem neuen Epilog von Wilke Weermann. Fritzi Wartenberg inszeniert eine Antiken-Fortschreibung über weibliche Rache („Furien“ von Martina Clavadetscher) mit einem von Anna Manzano erarbeiteten Frauenchor mit Community-Spielerinnen.
Philipp Stölzl bringt die Deutschsprachige Erstaufführung eines Wellmade-Play über das Kyoto-Protokoll als Beitrag zur Klimadebatte – „für ein riesiges Ensemble, das wir ja zum Glück haben“, so Bachmann, der neben Abgängen auch Neuzugänge (Sebastian Wendelin, Azaria Dowuona-Hammond, Lisbet Hampe und Enes Sahin) vermeldete. Als letzte Burg-Premiere begibt sich Frank Castorf am 13. Mai 2027 schließlich auf Doderers „Strudlhofstiege“.
Theater als „Symbol für eine funktionierende Demokratie“
Im Akademietheater startet man am 5. September mit Antú Romero Nunes' Neuinszenierung von Tankred Dorsts „Merlin oder Das wüste Land“ in die Saison, die hier u.a. Therese Willstedts Inszenierung von Ilse Aichingers Roman „Die größere Hoffnung“ und Jan Bosses Sicht auf Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“ bringt. Um Rassismus und Klassismus geht es in „A good House“ der südafrikanischen Autorin Amy Jephta (Regie: Thomas Jonigk), um eine Revolte von Frauen gegen fortdauernde Erniedrigung und Vergewaltigung in der Dramatisierung des Romans „Die Aussprache“ von Miriam Toews.
„Ich glaube, dass das Theater mehr denn je eine gesellschaftsstärkende und konstituierende Wirkung hat, es ist ein Symbol für eine funktionierende Demokratie“, hob Stefan Bachmann hervor. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Institution Burgtheater nachhaltig beschädigen wird.“
Burgtheater 2026/27: Die Premieren
Burgtheater:
„Unter Tieren“ von Elfriede Jelinek (Koproduktion mit den Salzburger Festspielen), Regie: Nicolas Stemann, 4. September 2026 (Uraufführung)
„König Ubu“ von Alfred Jarry, Regie: Stefan Bachmann, 16. Oktober 2026
„Hotel Savoy“ von Joseph Roth (Produktion von Musicbanda Franui), 7. November 2026
„Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, Regie: Ersan Mondtag, 19. Dezember 2026
„Furien“ von Martina Clavadetscher, Regie: Fritzi Wartenberg/Anna Manzano, 28. Jänner 2027 (Uraufführung)
„Kyoto“ von Joe Murphy & Joe Robertson, Regie: Philipp Stölzl, 26. Februar 2027 (Deutschsprachige Erstaufführung)
„Macbeth“ von William Shakespeare, Regie: Barbara Frey, 4. April 2027
„Die Strudlhofstiege“ von Heimito von Doderer, Regie: Frank Castorf, 13. Mai 2027
Akademietheater:
„Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst, Mitarbeit: Ursula Ehler, Regie: Antú Romero Nunes, 5. September 2026
„Die größere Hoffnung“ von Ilse Aichinger, Regie: Therese Willstedt, 22. Oktober 2026
„Treulose“ von Ingmar Bergman, Regie: Matthias Rippert, 20. November 2026
„Ungeduld des Herzens“ von Stefan Zweig, Regie: Jan Bosse, 18. Dezember 2026
„A Good House“ von Amy Jephta, Regie: Thomas Jonigk, 13. Februar 2027 (Deutschsprachige Erstaufführung)
„Die Geburt der Maria Theresia aus der Sicht ihrer Amme“ von Marie Schleef, Regie: Marie Schleef, 14. März 2027 (Uraufführung)
„Die Aussprache“ von Miriam Toews, Regie: Mina Salehpour, 24. April 2027 (Österreichische Erstaufführung)
„Jetzt!27“, Constance Cauers, 12. Mai 2027
Kasino:
„Puls!“ von Arad Dabiri, Regie: Saliha Shagasi, 2. Oktober 2026 (Uraufführung)
„Die Möwe“ von Anton Tschechow, Regie: Amelie Grashof, 10. Dezember 2026
„Ein schönes Ausländerkind“ von Toxische Pommes, Regie: Sara Ostertag, 19. März 2027 (Uraufführung)
„Das Ereignis“ von Annie Ernaux, Regie: Jana Vetten, 20. Mai 2027
Vestibül:
„Kill Baby“ von Ivana Sokola, Regie: Theresa Jarczyk, 15. November 2026 (Österreichische Erstaufführung)
„4.48 Psychose" von Sarah Kane, Regie: Katharina Hochreiter, 22. Jänner 2027
„Wenn ich Liebe sage“ von Rachel Müller & Ensemble, Regie: Larissa Kramarek & Juan Miranda, 2. April 2027






