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Beziehungen: Was Frauen wirklich wollen

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Monika Wogrolly

©Matt Observe

Ein Leser schreibt, er führe eine glückliche Ehe, doch was Frauen wirklich wollen, sei ihm nicht immer klar. Und vor allem, was sie gar nicht wünschen. Nun wollen wir diese Frage einmal gründlicher beleuchten.

Uns allen geht es um – möglichst – positive Resonanz. Wenn der Leser seine Ehe als glücklich beschreibt, scheint sich das zu erfüllen: Die beiden erkennen einander an. Mit Respekt und einem Wort, das viele nicht mehr hören können, mit Wertschätzung. Der Begriff wird inflationär benutzt, bedeutet aber nur, dass man einander nicht für selbstverständlich nimmt und immer wieder frisch aufs Gegenüber schaut. So viel zur Theorie. Nun aber zu dem, was Frauen von Männern wirklich wollen:

Initiative

Frauen setzen häufig die mangelnde Fähigkeit oder Bereitschaft eines Mannes, initiativ zu sein, mit Interesselosigkeit, ja sogar emotionaler Kälte und Lieblosigkeit gleich. Das kann für die Beziehung belastend werden, wenn alle Pläne immer nur von ihr ausgehen und er dann lediglich die Zustimmung zum nächsten Urlaubsdomizil erteilt. In ihren Augen will er dann gar nicht wirklich. Sie argwöhnt, er lasse es ja nur über sich ergehen. Im äußersten Fall hört sie irgendwann auf, Pläne zu machen, und er verwechselt das mit Ablehnung.

Wichtig ist, Wünsche offen auszusprechen und zwar dann, wenn noch nicht der Wurm drinsitzt und die Beziehung am Verblühen ist. Denn es braucht jede Menge Antrieb und Ressourcen, um die Rollenverteilung einer Partnerschaft zu ändern.

Subjektstatus

Viele meiner Klientinnen möchten zwar vielleicht nicht als Sexgöttinnen angebetet werden. Aber berichten von ihren Männern im Homeoffice, die kurz das Arbeitszimmer verlassen und ihren Partnerinnen in den Schritt fassen oder ihnen andere verschlüsselte Vorboten sexueller Begierde – ja, tatsächlich: zumuten. Und wenn das auch noch wie aus dem Nichts und kommentarlos erfolgt, wollen Frauen das so nicht haben.

Was für ihn als positive Resonanz, Vorspiel oder gar Anerkennung gegenüber den erotischen Reizen der Frau gedacht ist, kommt viel eher als primitive Anmache und Grenzüberschreitung rüber. Ist das nicht in ein Commitment eingebettet wie etwa „Dirty Talk“, also vereinbarterweise so etwas wie ein beziehungsinterner Scharfmacher, dann wirkt es zumeist nicht anders als nur entwürdigend. Eine Frau möchte respektiert und besonders im Alltag nicht zum Sexobjekt gemacht werden. Hier gibt es dringend Klärungsbedarf, sollten sich solch Gefühle und Rollenzuschreibungen einschleichen.

Fazit: Reden oder Pausieren

Was Frauen, Männer, Menschen wirklich wollen, finden Sie am besten im Gespräch oder auch in einer erklärten Off-Phase der Beziehung heraus. Eine definierte Zeit ohne einander kann Klarheit schaffen, wenn Sie schon gar nicht mehr wissen, was Sie wirklich wollen.

Gewiss ist, dass wir alle geliebt, aber dabei nicht zum Fetisch oder zur Trophäe gemacht werden wollen. Menschen wollen kein Anhängsel sein, sondern gleichwertig, gleichrangig und unabhängig. Aber eines wollen sie auch: Beeltert (man spricht von „Nachbeelterung“ bei fürsorglich-elterlichen Aspekten einer Partnerschaft), aber nicht erdrückt, geliebt, aber nicht vereinnahmt, bereichert, aber nicht dominiert, bewundert, aber nicht idealisiert werden. Und manchmal losgelassen und aufgefangen in einer auf Vertrauen aufbauenden Form der Liebe ohne Ablaufdatum.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 17/2026 erschienen.

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