Wer regelmäßig Tee trinkt, erkrankt laut einer großen Langzeitstudie seltener an Herz und Gefäßen. Bei einer bestimmten Trinkgewohnheit kehrt sich der Zusammenhang allerdings um. Was die Daten zeigen und wo ihre Grenzen liegen.
Regelmäßiges Teetrinken geht mit einem um rund elf Prozent geringeren Risiko für Gefäßerkrankungen einher. Das zeigt eine Auswertung von Daten von 485.934 Erwachsenen aus China, die im Fachjournal Journal of Internal Medicine erschienen ist. Laut der Zusammenfassung der Studie wurden die Teilnehmenden im Schnitt rund neun Jahre lang beobachtet, in dieser Zeit traten 14.863 neue Erkrankungen auf. Erfasst wurden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße wie Schlaganfälle sowie weitere Gefäßleiden.
Der Haken liegt in der Temperatur. Wer seinen Tee nach eigenen Angaben sehr heiß trank, hatte in den Daten ein um etwa 16 Prozent höheres Risiko. Wie heiß genau, legt die Studie nicht fest, sie stützt sich auf die Selbsteinschätzung der Befragten. Eine Erklärung für den Befund liefern die Forschenden nicht.
Wie viele Tassen am Tag die Daten nahelegen
Mehr ist nicht automatisch besser. Der Zusammenhang zwischen Menge und Risiko verläuft laut der Studie nicht gleichmäßig. Am niedrigsten lag das geschätzte Risiko bei Menschen, die wöchentlich Tee tranken und dabei auf etwa sechs bis acht Tassen am Tag kamen. Eine Trinkempfehlung wollen die Autorinnen und Autoren daraus ausdrücklich nicht ableiten.
Auch die Stärke spielte eine Rolle. Mittelstarker Tee war mit dem niedrigsten Risiko verbunden, sehr starker brachte keinen zusätzlichen Vorteil. Schwarzer Tee zeigte in den Auswertungen beständigere Zusammenhänge als grüner Tee. Am deutlichsten war der Unterschied, wenn mehrere gesunde Gewohnheiten zusammenkamen: Wer regelmäßig Tee trank, nicht rauchte und körperlich aktiv war, hatte ein um rund 45 Prozent geringeres Risiko.
Was die Studie nicht beweisen kann
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber nicht, dass Tee die Gefäße schützt. Menschen, die regelmäßig Tee trinken, können sich auch in anderen Punkten unterscheiden, etwa bei Ernährung, Einkommen oder Lebensstil. Die Teemenge wurde zudem nur einmal abgefragt, und eine Tasse war nicht einheitlich definiert.
Dazu kommt, dass alle Teilnehmenden aus China stammen, was die Übertragbarkeit auf andere Länder einschränkt. Die elf Prozent beschreiben außerdem ein relatives Risiko. Wie stark sich das für eine einzelne Person auswirkt, hängt von ihrem Ausgangsrisiko ab. Als mögliche Erklärung für einen Nutzen gelten Polyphenole und andere antioxidative Stoffe im Tee, belegt ist ihre Wirkung durch diese Studie nicht.
Wie viel Koffein in einer Tasse Tee steckt
Wer viel Tee trinkt, nimmt auch Koffein auf. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES enthält eine Tasse schwarzer Tee mit 220 Millilitern etwa 50 Milligramm Koffein, grüner Tee etwa 22 Milligramm. Eine Tasse Filterkaffee kommt auf rund 90 Milligramm. Für echten Tee aus der Teepflanze schreibt das Österreichische Lebensmittelbuch mindestens 40 Milligramm Koffein pro Liter des fertigen Getränks vor.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält für gesunde Erwachsene laut ihrer Einschätzung zu Koffein bis zu 400 Milligramm am Tag für unbedenklich, für Schwangere und Stillende bis zu 200 Milligramm. Sechs bis acht Tassen schwarzer Tee entsprechen rechnerisch etwa 300 bis 400 Milligramm und liegen damit nahe an dieser Grenze, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke nicht mitgerechnet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt ungesüßten Tee neben Wasser als empfehlenswertes Getränk für die täglich empfohlenen rund 1,5 Liter.
Quellen
Journal of Internal Medicine (Zusammenfassung): Habitual tea consumption is associated with lower cardiovascular disease risk (21. Oktober 2026)
AGES: Koffein (o. J.)
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Caffeine (Gutachten 2015)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: DGE-Empfehlungen (o. J.)
Weitere Quelle: ScienceDaily, Mitteilung des Wiley-Verlags, Drinking tea may help protect your heart, but there's a surprising catch (1. November 2026)
