An den Rohstoffbörsen kostet Kakao weniger als die Hälfte des Rekordpreises von Ende 2024. In den Regalen ist davon vor Nikolo und Weihnachten wenig zu spüren. Was die Preisdaten für Österreich zeigen und warum Hersteller erst später günstiger werden.
Der Hauptgrund liegt in der Einkaufspolitik der Hersteller. Schokoladeproduzenten sichern sich ihren Kakao meist viele Monate im Voraus zu festen Preisen. Was heute in den Regalen steht, wurde also oft zu Preisen eingekauft, die deutlich über dem aktuellen Börsenniveau lagen. Der Schweizer Hersteller Lindt & Sprüngli schrieb Ende September in einer Mitteilung an die Börse, der Kostendruck werde sich mit den gesunkenen Kakaopreisen „in den kommenden Monaten schrittweise normalisieren“.
An der Börse ist der Absturz längst da. Laut der Internationalen Kakaoorganisation ICCO kostete eine Tonne Kakao am 30. Oktober in New York rund 5.544 Dollar, der Tagespreis der ICCO lag bei 5.590 Dollar. Ende Dezember 2024 waren es laut dem Marktbericht der ICCO in New York noch 11.545 Dollar gewesen. Der Preis hat sich damit mehr als halbiert.
Was die Preisdaten für Österreich zeigen
In Österreich sind Schokolade und Kakaoprodukte im September um 2,4 Prozent billiger gewesen als ein Jahr davor. Das zeigt der harmonisierte Verbraucherpreisindex der EU-Statistikbehörde Eurostat. Im September 2025 hatte das Plus noch 17,4 Prozent betragen. Im Schnitt der EU lagen die Preise zuletzt um 0,4 Prozent über dem Vorjahr, in Deutschland um 1,4 Prozent.
Von einem Preisrutsch kann trotzdem keine Rede sein. Nach den Indexwerten von Eurostat lag Schokolade in Österreich im September noch um rund 15 Prozent über dem Niveau vom September 2024. Die Preisspitze der vergangenen zwei Jahre ist also kaum abgebaut. Der allgemeine Verbraucherpreisindex stieg laut Statistik Austria im selben Monat um 3,6 Prozent, Nahrungsmittel verteuerten sich um 0,6 Prozent.
Warum Kakao an der Börse so stark gefallen ist
Ende 2024 hatte der Kakaopreis Rekordhöhen erreicht. Seither hat sich das Bild gedreht. Die ICCO verwies in ihrem Marktbericht für November 2025 darauf, dass die gesunkene Nachfrage den Preis drücke. Der Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut bezifferte den Rückgang des weltweiten Marktes für Schokoladewaren in seinem Halbjahresbericht im April mit 6,5 Prozent und meldete für das erste Geschäftshalbjahr einen Einbruch der Kakaobohnenpreise um 61 Prozent.
Laut ICCO lag die Produktion in der Saison 2024/25 bei 4,733 Millionen Tonnen, um 8,5 Prozent mehr als im Jahr davor, während die Verarbeitung von Kakaobohnen um 3,3 Prozent zurückging. Für die laufende Saison hat die Organisation bisher keine eigenen Schätzungen veröffentlicht.
Wann Schokolade günstiger werden könnte
Bei den Geschäftskunden kommen die niedrigeren Rohstoffpreise bereits an. Barry Callebaut beliefert Lebensmittelhersteller und gibt die Kakaokosten großteils direkt weiter, die kakaobedingte Preiskomponente war laut Halbjahresbericht schon im Frühjahr rückläufig. Markenhersteller, die für Endkundinnen und Endkunden produzieren, folgen mit Verzögerung. Lindt kündigte für 2027 eine „angepasste Preisstrategie“ an, mit der das Unternehmen wieder mehr verkaufen will.
Neben Kakao spielen andere Kosten eine Rolle. Zucker etwa war in Österreich im September laut Eurostat um 2,6 Prozent teurer als im Vorjahr. Hinzu kommen Ausgaben für Milch, Energie, Personal und Verpackung. Ab 30. Dezember gilt zudem für große und mittlere Unternehmen die EU-Entwaldungsverordnung. Sie verlangt den Nachweis, dass Kakao nicht von nach 2020 gerodeten Waldflächen stammt. Für den Nikolo- und Weihnachtseinkauf deuten die Daten deshalb eher auf stabile als auf deutlich sinkende Preise hin.
Quellen
Eurostat: HICP, monatliche Veränderungsraten, Schokolade, Kakao und Kakaoprodukte (prc_hicp_minr, CP01185) (16. Oktober 2026)
International Cocoa Organization: Cocoa Market Report for December 2024 (2025)
Lindt & Sprüngli: Lindt & Sprüngli adjusts sales growth guidance for 2026 (29. September 2026)
Barry Callebaut: Barry Callebaut Group Half-Year Results Fiscal Year 2025/26 (16. April 2026)
Statistik Austria: Inflation in Österreich im September 2026 bei 3,6 % (16. Oktober 2026)
