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25 Jahre MQ: Was in der Gastronomie schiefläuft

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©Thomas Meyer Photography

Das Museumsquartier feiert und mit ihm seine Lokale. Bei genauerem Hinsehen ist die Sache aber eher zum Heulen.

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Als das Museumsquartier 2001 nach langen Querelen und diversen gestalterischen Anpassungen doch endlich eröffnet wurde, hatte Wien nicht nur plötzlich eines der zehn größten Museumsareale weltweit zu bieten (90.000 Quadratmeter). Sondern auch Platz, auf dem sich Menschen gerne aufhielten, ihre Zeit verbrachten und in den Museumscafés mit auch ein bisschen was essen und trinken wollten.

Von Anfang an kein Konzept

Gab es dafür ein übergreifendes Konzept? Nein, jedem Museum, jeder im MQ vertretenen Kultur-Institution blieb es selbst überlassen, ob und was man auf gastronomischer Seite machen wolle. Koordinierung, Erhebung von Frequenzdaten, vielleicht sogar Konsultation von Beratern mit internationaler Erfahrung – Fehlanzeige, Laissez-faire statt Planung.

An dieser Fehleinschätzung leidet das Museumsquartier gastronomisch noch heute. Wo die einen Lokale florieren, stagnieren die anderen und dritte sind überhaupt verschwunden. Aber betrachten wir die Protagonisten erst mal als einzelne und auch ein bisschen chronologisch:

Aufstieg und Fall der Halle

Vom urig-provisorischen Depot Café einmal abgesehen, das schon während der Baustelle Bier sowohl an Hackler als auch an Kulturmanager ausschenkte, war das Café Halle in der Halle E+G, einer von Wiener Festwochen und Kunsthalle Wien gemeinschaftlich genutzten Location, das erste MQ-Lokal: Design von Eichinger und Knechtl, betrieben von Motto-Chef Bernd Schlacher, das klang gut und war es auch. Frühstück und Brunch waren hier plötzlich ein soziales Statement, erstmals in Wien, auch die leichte, mediterran inspirierte Küche tagsüber war so ziemlich genau das, was gerade alle wollten.

Aber: Die Küche war winzig, zu den Klos musste man mit dem Aufzug fahren und der größere Teil des Lokals lag versteckt in einem Hinterzimmer. Schlacher zog sich 2019 aus dem Projekt zurück, Isabel und Gregor Corbaci übernahmen mitten in den Lockdowns. 2023 rutschte das Lokal in die Insolvenz, gehört seither einem Multi-­Gastronomen und wird eher notdürftig weitergeführt – bespielt wird hauptsächlich die Sommerbar im Hof, es gibt Pizza und Pasta.

Mumok: Von der großen Hoffnung zur Snack-Vitrine

Nächster Fall, das Mumok. Jenes Restaurant, das im Herbst 2001 in grauen Steinquader des MUMOK eröffnete, hätte von allen das beste sein können. Futuristisches Design, Stoffdesign von Peter Kogler, ein ebenso ambitionierter wie fähiger Küchenchef, tolle, moderne Fusionsküche. Aber nach Betriebsschluss des Museums um 18 Uhr konnte man nur mehr über eine einigermaßen geheime Nottreppe ins Lokal – schlecht fürs Abendgeschäft.

Nach einem Jahr war das Lokal Geschichte, es folgen das ebenso erfolglose Il Museo, das El Museo, man baute einen Stahlgitter-Steg an der Außenseite des Steinquaders, um das Lokal erreichbar zu machen, umsonst. Die Lokale wechselten jährlich, bis sich das Mumok überhaupt auf eine Snack-Vitrine beschränkte. Auch die hatten ein paar tolle Betreiber, aber nie lange. Aktuell befindet sich das Café wieder einmal im Umbau.

Das schönste MQ-Lokal steht leer

Noch absurder wird’s beim Restaurant im Architekturzentrum: Das wurde im Spätherbst 2001 von Una Abraham, routinierte Gastronomin und Tochter des berühmten Architekten Raimund Abraham als Una eröffnet: Dietmar Steiner, Chef des Architekturzentrums, hatte das Gewölbe des Lokals mit in Istanbul handgefertigten Fliesen auskleiden lassen, die Küche auch hier winzig, Una Abraham kreierte trotzdem eine Wienerisch-New Yorker Küche, wie man sie gerne jeden Tag hätte.

Sechs Jahre hielt Una Abraham durch, danach versuchte es Peter Neurath mit seinem Milo, dann Attila Corbaci, der sein entspanntes Corbaci immerhin neun Jahre lang führte. Dann kam ein türkisches Lokal, das großartige Pop-up Wildherz fand keine Fortführung, die Lokalmiete sei abenteuerlich, hörte man. Seit eineinhalb Jahren steht das schönste Lokal des MQ leer.

MQ Kantine: Gut und zuverlässig

Die MQ Kantine neben der Buchhandlung Walther König leistet seit Jahrzehnten gute, zuverlässige Arbeit und versorgt den sonnigsten Gastgarten des MQ mit Weltküche. Das MQ Daily wiederum hätte eigentlich eine Greißlerei mit frisch gemachten Snacks sein sollen, wurde aber irgendwann zum Klon der MQ-Kantine, unterscheidet sich maximal durch den höheren Burger-Anteil.

Das nicht ganz leicht zu erreichende (Treppe oder versteckter Aufzug) Café Leopold im zweiten Stock des Leopold-Museums startete anfangs unter Andreas Friess – Gründer des Amerlingbeisl und des Café Europa – als modernes Museumscafé mit Kronleuchtern, tollem Blick und gewagter Szeneküche. 2017 übernahmen die „Gyoza Brothers“ (Ra’mien, Shanghai Tan, Ramien Go …) und sind nicht nur immer noch da, sondern bespielen auch die etwas abgelegene Libelle-Bar auf der Dachterrasse des Museums.

Die Kleinen und die Guten

Was gibt es sonst noch? Ah ja, das Dschungel Café im Theater für junges Publikum, kulinarisch bedeutungslos, aber seit vielen Jahren beliebter Treffpunkt von Eltern mit Kleinkindern. Und natürlich das Glacis Beisl, das 2004 als Letztes an den Start ging, sich aber bis heute der größten Kontinuität von allen erfreut. Warum? Nun ja, ausgezeichnet gekochte Wiener Küche, ein traumhafter Gastgarten mit echten Bäumen, professioneller Service, eine tolle Weinkarte und kein Museumsdirektor, der sich in den gastronomischen Betrieb einmischt, könnten Gründe dafür sein.

Die Impulse kommen im Museumsquartier aber längst von den Winzlingen, den Pop-ups. Aktuell etwa noch bis 13. September die Kooperation FKK (freie Kiosk-Kultur) und Estudio Schumi, die einen slowenischen Designer-Kiosk aus den 1960ern mit lustigen Getränken, lustigen Snacks und lustiger Kultur bespielen; oder die Melonenhalle, ein fantastisches Projekt, bei dem es im Sommer 2024 nichts anderes als italienische Wassermelonen mit AOC-Siegel, Prosecco und Negroni Sbagliato gab. Oder das heitere Standl MQ Amore beim Minigolfplatz mit erstklassigem Espresso, Gelato und auch ein paar alkoholischen Getränken, aber ganz ohne übertriebene Ernsthaftigkeit.

Ist es nach 25 Jahren zu spät, die ganze Sache mit der Gastronomie im Museumsquartier noch einmal neu anzudenken, an Synergien, Koordination und Steigerung der Attraktivität zu arbeiten? Eigentlich nicht …

Die Lokale im MQ

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 35/2026 erschienen.

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