Beim Blutdruck dreht sich die Ernährungsberatung meist ums Salz. Ein Fachartikel im American Journal of Clinical Nutrition fordert, Kalium gleich viel Gewicht zu geben. Wie viel davon empfohlen wird, wie weit die Menschen in Österreich davon entfernt sind und wer vorsichtig sein muss.
Zu viel Natrium und zu wenig Kalium gelten als zwei Seiten desselben Problems. Ein Team um die Ernährungsmedizinerin Naomi Fukagawa von der University of Vermont argumentiert in einem Übersichtsbeitrag im American Journal of Clinical Nutrition, dass die Kaliumzufuhr in Empfehlungen und Gesundheitsprogrammen gleich viel Gewicht wie die Salzreduktion bekommen sollte. Weniger Salz bleibe die Grundlage, schreiben die Autorinnen und Autoren laut der Mitteilung der Universität, aber die Kaliumaufnahme liege in reichen wie in ärmeren Ländern weit unter dem optimalen Niveau.
Neue Messdaten enthält der Beitrag nicht, er wertet vorhandene Studien aus und schlägt Strategien vor. Unterstützt wurde die Arbeit vom Institute for the Advancement of Food and Nutrition Sciences (IAFNS), einer gemeinnützigen Organisation, in der laut der Universität auch Vertreterinnen und Vertreter der Lebensmittelindustrie mitarbeiten. Erschienen ist der Artikel bereits im August, breit diskutiert wird er seit Anfang November.
Wie viel Kalium WHO und EFSA empfehlen
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen laut ihrem Merkblatt zur gesunden Ernährung weniger als fünf Gramm Salz pro Tag, das entspricht zwei Gramm Natrium. Eine Kaliumzufuhr von mindestens 3.510 Milligramm täglich könne von Nutzen sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit setzt für Erwachsene eine angemessene Zufuhr von 3.500 Milligramm pro Tag an und begründet das mit dem Zusammenhang mit Blutdruck und Schlaganfallrisiko. Die in Österreich verwendeten D-A-CH-Referenzwerte nennen laut Gesundheitsportal einen Schätzwert von 4.000 Milligramm.
Kalium hilft den Nieren, Natrium mit dem Harn auszuscheiden, und unterstützt die normale Funktion der Blutgefäße. Wie viel das in der Praxis bringen kann, zeigt eine große Studie aus China mit rund 21.000 Teilnehmenden, auf die sich die Autorinnen und Autoren stützen: Dort senkte ein Salzersatz aus 75 Prozent Kochsalz und 25 Prozent Kaliumchlorid das Schlaganfallrisiko bei älteren Menschen mit Bluthochdruck oder früherem Schlaganfall um 14 Prozent gegenüber normalem Salz. Die WHO schlägt solche kaliumhaltigen Salzersatzprodukte laut ihrem Merkblatt zur Natriumreduktion für Erwachsene vor, die Salz verwenden, allerdings nicht für alle Gruppen.
Wie viel Kalium die Menschen in Österreich aufnehmen
Die Empfehlungen werden im Schnitt deutlich verfehlt. Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht 2017, den die Universität Wien für das Gesundheitsministerium erstellt hat, nahmen Frauen zwischen 18 und 64 Jahren im Mittel 2.672 Milligramm Kalium pro Tag auf, Männer 3.158 Milligramm. Keine Alters- oder Geschlechtsgruppe erreichte im Durchschnitt den Schätzwert von 4.000 Milligramm.
Beim Natrium ist es umgekehrt. Frauen kamen laut dem Bericht auf 2.245 Milligramm, Männer auf 2.842 Milligramm, das entspricht rund sechs beziehungsweise sieben Gramm Salz. Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass die Salzaufnahme mit der verwendeten Befragungsmethode eher unterschätzt wird.
Welche Lebensmittel viel Kalium enthalten
Kalium steckt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln. Das US-Gesundheitsinstitut NIH führt in seinem Datenblatt zu Kalium getrocknete Marillen, Linsen, Kartoffeln, Kidneybohnen, Bananen, Spinat und Joghurt als gute Quellen an. Eine gekochte Tasse Linsen liefert demnach rund 730 Milligramm, eine mittelgroße Banane gut 420 Milligramm. Das Gesundheitsportal nennt außerdem Zwetschken, Tomaten, Nüsse und Vollkornmehle und weist darauf hin, dass beim langen Wässern und Kochen Kalium verloren geht.
Für manche Menschen ist mehr Kalium allerdings riskant. Gesunde Nieren scheiden einen Überschuss aus, bei chronischer Nierenerkrankung kann sich Kalium im Blut anreichern. Vorsicht gilt laut NIH auch bei bestimmten Blutdruckmitteln wie ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptorblockern und kaliumsparenden Entwässerungsmitteln. Wer solche Medikamente nimmt oder Salzersatz mit Kalium verwenden möchte, sollte das vorher ärztlich abklären.
Quellen
University of Vermont Larner College of Medicine: New Strategy for Controlling Hypertension (August 2026)
Weltgesundheitsorganisation: Healthy diet (26. Jänner 2026)
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Dietary reference values for potassium (25. Oktober 2016)
Bundesministerium für Gesundheit, Universität Wien: Österreichischer Ernährungsbericht 2017 (2017)
National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Potassium, Fact Sheet for Health Professionals (2022)
