Nach Anfragen von „News“ ist nun auch das Vermögen der österreichischen European-Staal-Gesellschaften eingefroren. Mit erheblichen Konsequenzen.
Der neue angebliche Alleineigentümer war Belgier, der Firmenname neu, die Trennung vom alten Eigentümer, einem sanktionierten russischen Oligarchen, angeblich vollzogen. Vor dem Landesgericht Linz versicherte der belgische Anwalt des Konzerns noch: „Die European Staal Group hat keinerlei Verbindungen nach Russland.“
Diese Beteuerung vor Gericht und Geschäftspartnern gegenüber sollte die dramatischen Auswirkungen der Sanktionen mildern, die den Linzer Stahlhändler über dessen russischen Eigentümer getroffen hatten.
Vermögenssperre in Österreich
Die Behörden in den Niederlanden und jetzt auch in Österreich kommen allerdings zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Ihrer Feststellung nach besteht die Kontrolle sowohl über den internationalen Konzern als auch über den Linzer Stahlhändler durch den russischen Oligarchen weiter. Dies trotz Firewall und angeblichen Verkaufs. In einem ersten Schritt wurden die niederländischen Anteile am Stahlkonzern eingefroren. Ab sofort sind auch die österreichischen Gesellschaften durch einen öffentlichen Registereintrag von der Vermögenssperre erfasst.
News und Krone haben das Innenministerium und weitere Behörden am 29. Oktober erstmals mit einem bereits bestehenden niederländischen Sanktionsvermerk konfrontiert. Die Reaktion folgte innerhalb weniger Tage: Die Mitteilung des Innenministeriums beziehungsweise der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) über das eingefrorene Vermögen datiert vom 3. November. Seit dem 7. November 2026 ist der entsprechende Hinweis im österreichischen Firmenbuch eingetragen.
Dort steht wörtlich: „Das Vermögen ist eingefroren“. Der Eintrag verweist auf die einschlägige EU-Sanktionsverordnung, mit der 48 Personen wegen des Ukrainekriegs unter strenge wirtschaftliche Sanktionen gestellt worden waren. Darunter der russische Oligarch, der seine Anteile und damit die Kontrolle über den internationalen Stahlhandelskonzern angeblich endgültig aufgegeben haben will. Offenbar kamen die niederländischen und die österreichischen Behörden zu einem anderen Ergebnis.
Russische Kontrolle
Der Linzer Stahlhändler gehörte seit 2011 zum Mechel-Konzern, hinter dem der russische Oligarch Igor Zyuzin steht. Im Februar 2024 verhängten die USA nach dem Tod des Kremlkritikers Alexej Nawalny ein umfangreiches Sanktionspaket, das auch Mechel erfasste. Dann folgten auch EU-Sanktionen. Zuerst eine „Firewall“ und dann der angeblich endgültige Verkauf an einen belgischen Unternehmer sollte den Konzern samt österreichischer Tochter von den Sanktionen lösen.
Doch die Konstruktion warf zahlreiche Fragen auf. Pikanterweise wurden diese Fragen in einem vom Linzer Stahlhändler selbst angestrengten Prozess vor dem Landesgericht Linz zum Thema. Zahlreiche Zeugen schilderten Hintergründe, die Zweifel daran weckten, dass der sanktionierte russische Oligarch tatsächlich keinen Einfluss mehr auf den Konzern und damit den Linzer Stahlhändler hatte. Diese Zweifel am Verkauf dürften die zuständigen Behörden so weit vertieft haben, dass der drastische Schritt einer öffentlich registrierten Vermögenssperre zuerst in den Niederlanden und unmittelbar danach auch in Österreich gesetzt wurde.
Erhebliche Folgen
Der offizielle Eigentümer hatte den niederländischen Eintrag auf Anfrage als Fehler bezeichnet und dessen Korrektur bis zum 10. November in Aussicht gestellt. Zugleich warnte er News vor weiteren Veröffentlichungen. Noch vor Ablauf dieser Frist ist nun allerdings auch im österreichischen Firmenbuch öffentlich festgehalten: Das Vermögen der Gesellschaften ist eingefroren.
