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Wie man eine Beziehung neu beleben kann

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Das starke romantische Verlangen wird durch Dopamin ausgelöst
©APA, dpa-tmn, Benjamin Nolte
In langjährigen Beziehungen kommen viele Paare irgendwann an diesen Punkt: Nichts ist richtig schlecht, aber die Luft ist raus. Man liebt den anderen, aber hat sich keine wahnsinnig spannenden Dinge mehr zu sagen, erlebt nichts Aufregendes mehr. Auch die Leidenschaft ist irgendwie raus. Sex ist selten geworden. Wenn er stattfindet, fühlt er sich an wie Pflichtprogramm.

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Manche Partner sagen sich dann: Da kann man nichts machen, so ist es eben irgendwann. Doch Beziehungsforscherinnen und -forscher und Paartherapeutinnen und -therapeuten widersprechen: Man kann sehr wohl etwas tun, um die Beziehung wieder neu zu beleben. Oft reichen schon Kleinigkeiten.

Beziehungen verändern sich, diese Erfahrung macht jedes Paar. Und das ist auch völlig normal. Alles andere wäre unnatürlich. Der Paartherapeut Eric Hegmann skizziert, welche Phasen der Beziehung zwei Menschen üblicherweise durchlaufen:

1. Die symbiotische Phase:Man ist verliebt und will möglichst viel Zeit miteinander verbringen. Man fühlt sich unzertrennlich und möchte förmlich mit dem anderen verschmelzen. In diesen ersten ein oder zwei Jahren sind beide Partner stark aufeinander fokussiert.

2. Differenzierung: Ein gesunder Prozess der Abgrenzung kommt in Gang. Beide drücken ihre Wünsche, Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte gegenüber dem anderen aus. Und diese können unterschiedlich sein. Das ist völlig in Ordnung. Beide tolerieren, dass der Partner ein separates und eigenständiges Ich besitzt, sagt Hegmann.

3. Selbstbestimmung: Jeder Partner wendet sich verstärkt anderen Dingen als der Beziehung zu. Beide konzentrieren sich etwa auf ihre Arbeit und Hobbys. "In dieser Phase entwickelt sich Selbstwertgefühl unabhängig davon, wie es um die Beziehung bestellt ist", erklärt Hegmann. Doch man kehrt immer wieder zueinander zurück, als Quelle des Trostes, der Unterstützung. Und beginnt damit, etwas gemeinsam zu unternehmen oder zu zweit etwas zu schaffen.

Nach diesen Phasen entsteht laut Hegmann eine Verbindung, die sich im positiven Sinne als wechselseitige Abhängigkeit bezeichnen lässt. Man ist aufeinander angewiesen und schöpft daraus Energie.

Bei manchen passiert es früher, bei anderen später: Die große Phase der Verliebtheit geht zu Ende. Das heißt aber nicht, dass die Gefühle füreinander verschwinden. Sie ändern sich bloß. Die US-Amerikanerin Helen Fisher hat die Natur der romantischen Liebe in verschiedenen Studien erforscht. Per Hirnscanner untersuchte sie, was dabei in unseren Köpfen passiert.

Dabei fand die inzwischen verstorbene Anthropologin heraus, dass sich das, was wir mit Liebe in Verbindung bringen, auf drei verschiedene evolutionäre Antriebe zurückführen lässt. Diese werden durch unterschiedliche Botenstoffe ausgelöst und aktivieren jeweils andere Bereiche des Gehirns.

1. Lust:Sexuelle Begierde wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor allem durch Testosteron ausgelöst.

2. Verliebtheit: Das starke romantische Verlangen wird durch Dopamin ausgelöst. Auch Serotonin und Norephedrin sind beteiligt.

3. Verbundenheit: Hier tretenOxytocin und Vasopressin auf den Plan. Die Gefühle füreinander werden ruhiger und tiefer.

Wenn Menschen erklären, dass ihre Gefühle für den Partner nachlassen, dann meinen sie häufig den anfänglichen Dopaminrausch. An dessen Stelle tritt vor allem das Gefühl, sicher verbunden zu sein. Das Feuer der Liebe ist nicht aus, es glimmt angenehm vor sich hin.

Paartherapeut Hegmann beobachtet jedoch oft eine "Disneyfizierung der Liebe": Viele Menschen glauben, dass die Verliebtheit ewig anhalten muss. Sie sind überzeugt, dass die Beziehung ohne große romantische Gefühle in Schieflage gerät. "Das Gegenteil ist der Fall." Nicht umsonst heißt es: Liebe ist irgendwann auch eine Entscheidung.

Helen Fisher formuliert es so: "Wir können unseren Drang zu lieben kontrollieren." Und zwar nicht nur das Gefühl der Verbundenheit, sondern auch das romantische Verlangen nach dem anderen. Prof. Beate Ditzen vom Institut für Medizinische Psychologie an der Uni Heidelberg bestätigt das: "Unsere Hormone lassen sich stark durch unser Verhalten beeinflussen", sagt die Forscherin, die sich mit den neurobiologischen Mechanismen von Paarbindung beschäftigt.

Vielleicht hat das Paar es während des gemeinsamen Studiums besonders genossen, Badminton zu spielen. Später blieb dafür selten Zeit. Oder man ist zusammen an die See gefahren und stundenlang am Strand entlang spaziert. Wie wäre es, das wieder zu tun?

Paaren kann es helfen, sich auf Vergangenes zu besinnen, sagt die Diplom-Psychologin und Paarberaterin Sarah Willeke. Und das wiederzubeleben, was sie einmal verbunden hat. Manchmal kann es schon reichen, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und sich an unbeschwerte Zeiten zu erinnern.

Statt von Woche zu Woche zu leben, sollten sich Paare wieder gemeinsam auf die Zukunft ausrichten. "Gemeinsame Ziele halten eine Beziehung am Leben", sagt Sarah Willeke. "Das muss nicht so weit gehen, dass ständig irgendwelche Teilziele gemeinsam evaluiert werden."

Es müssen auch keine großen Ziele sein, wie ein gemeinsamer Lebensabend im Ausland. Es reiche schon, den nächsten Urlaub gemeinsam zu planen, sagt Willeke. "Viele Paare machen das ganz natürlich. Es wird aber dann wichtig, wenn man eine eingeschlafene Beziehung wieder neu beleben möchte."

Manche Paare tauschen sich nur noch über Alltagsfragen aus. Wer geht einkaufen? Wer bringt die Kinder zum Sport? Praktische Dinge zu besprechen, die beide betreffen, muss natürlich sein. Psychologin Willeke rät jedoch auch dazu, den anderen wieder mehr am eigenen Erleben teilhaben zu lassen.

Ihr Tipp: Legen Sie auf dem Handy eine Liste an mit Dingen, die Ihnen tagsüber aufgefallen sind, die Sie erfreut oder auch geärgert haben. "Und dann holen Sie abends die Liste raus und teilen diese alleine erlebten Alltagssituationen mit dem Partner." Das Ergebnis: Man redet plötzlich wieder über Emotionen. Darüber landet man irgendwann vielleicht bei der Frage: Was wünsche ich mir eigentlich - für mich selbst und für uns als Paar?

Um körperliche Anziehung wieder zu wecken, hilft es, sich auf positive Eigenschaften des anderen zu fokussieren und dazu eine Rückmeldung zu geben. Besonders dazu, was man attraktiv findet.

"Das kann sehr positiv wirken. Das wissen wir aus verschiedenen Studien", sagt Beate Ditzen. Sie fragt Paare dann:

"Das müssen keine körperlichen Merkmale sein", sagt Ditzen. "Das können zum Beispiel auch Witz und Humor, die Stimme oder der Intellekt sein."

Eines vorweg: Wenig oder kein Sex ist solange kein Problem in einer Beziehung, wie beide sich damit wohlfühlen. Trotzdem bleibt Sex auch in langjährigen Beziehungen meist ein wichtiges Thema. Dabei sollte es nicht um Performance gehen, sondern um Nähe und Intimität, schreibt der Klinische Sexualpsychologe Christoph J. Ahlers. Und die entstehe nur, wenn eigentlich nichts passieren müsse - zum Beispiel ein Orgasmus.

Es hilft also, die Erwartungen herunterzuschrauben. Ahlers rät dazu, Sex als etwas zu sehen, was man einfach regelmäßig miteinander tut, wie gemeinsames Mittagessen. Und ohne die nötige Vorbedingung, unbedingt besonders scharf aufeinander zu sein. So kommt das Interesse daran vielleicht ganz von selbst zurück.

Auch hier zeigt sich laut Helen Fisher eine Wechselwirkung: Die reine Tatsache, dass man miteinander schläft, kann wieder alte romantische Gefühle verstärken. Der Grund: Die Ausschüttung von Testosteron beim Sex begünstigt, dass auch Dopamin produziert wird.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Benjamin Nolte/Benjamin Nolte

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