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Wie erkenne ich eine toxische Beziehung?

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Verhalten wie Bevormundung zeigt sich schon im Kleinen
©APA, Christin Klose, dpa-tmn
Von toxischen Beziehungen ist in letzter Zeit häufig die Rede. Und von toxischen Menschen, von denen man sich besser verabschieden sollte. Denken wir an eine toxische Beziehung, entsteht meist folgendes Bild im Kopf: Auf der einen Seite der Narzisst, der die toxische Dynamik erzeugt, auf der anderen der Empathische, der extremes Leid verspürt und nicht aus der Beziehung rauskommt. "Das ist der Klassiker", sagt die systemische Beraterin Annika Felber.

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Genauso gut könnten aber beide Partner zu einer ungesunden Dynamik beitragen und damit eine toxische Beziehung erzeugen, sagt Felber, die ein Buch zu dem Thema geschrieben hat ("Du tust mir nicht gut!"). Einen Narzissten brauche es dafür erst einmal nicht. Die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki sieht das ähnlich: "Es sind immer zwei Personen beteiligt, nicht nur eine", sagt sie. Die Buchautorin ("Und das soll Liebe sein?") hält nichts von den Kategorien Täter (oft der Mann) und Opfer(in der Regel die Frau). Jedenfalls, solange sich niemand tatsächlich im juristischen Sinne als Täter verhält, indem er etwa gewalttätig wird. Toxische Beziehungen würden häufig mit narzisstischen Beziehungen in Zusammenhang gebracht, in denen eine Person versuche, manipulativ Macht und Kontrolle auszuüben, so Wardetzki.

"Aber nur, weil jemand Macht ausübt, muss er kein Narzisst sein." Wardetzki sieht es vielmehr so: Jeder, der sich in einer Beziehung dem anderen gegenüber destruktiv verhält, hat ein ungelöstes Bindungsthema. "Im Grunde sind das Nöte. Man verhält sich oft so, weil man Angst hat, dass der andere wieder geht. Die Expertin lehnt daher den Begriff toxische Beziehung ab. Sie drückt es lieber so aus: "Es gibt nur zwei Menschen, die schlecht miteinander umgehen und sich dadurch verletzen."

Ob man den Begriff nun benutzen will oder nicht: Zweifellos gibt es ungesunde Beziehungen, die Menschen in tiefes Unglück stürzen. Folgende Merkmale können für eine toxische Beziehung sprechen:

Nein. Zumindest fühlen sie sich meistens nicht so an. "Viele Frauen sagen zu mir: Am Anfang war es immer so wunderschön", berichtet Wardetzki aus ihrer Beratungspraxis. "Die Beziehung beginnt oft wie ein Feuerwerk. Man schwebt auf Wolke sieben und glaubt, den Traummann oder die Traumfrau gefunden zu haben."

So weit, so normal. Nur kommt irgendwann der Kipppunkt. "Plötzlich erinnern sich die Betroffenen, dass der andere zum Beispiel schon am Anfang wegen Kleinigkeiten außer sich war", erzählt Wardetzki. Oft wird ein solches Verhalten entschuldigt oder erklärt. Oder man sieht erst einmal darüber hinweg und macht sich nichts draus. "Weil man Angst hat, dass sonst die Beziehung flöten geht."

Dabei gibt es nach Annika Felbers Erfahrung meist frühe Warnzeichen. "Ich habe nur ganz selten jemanden, der sagt: Ich habe gar nichts gemerkt", sagt die Paarberaterin. Oft ist es so: Was zunächst imponiert, erscheint im Rückblick als verdächtig.

Solche Warnzeichen werden allerdings gerne ignoriert. "Das ungute Bauchgefühl wird oft übergangen, weil hinter der Begegnung starke Bedürfnisse und Wünsche stecken", sagt Felber. Irgendwann ahnen die Betroffenen, in was sie da hineingeraten sind. Die Indizien verdichten sich. Aber man will es nicht wahrhaben. "Es können Jahre vergehen, bis jemand aktiv wird", sagt Felber.

Die destruktive Beziehungsdynamik tritt mit der Zeit immer stärker in den Vordergrund. Das ist meist ein schleichender Prozess:

Das Perfide: Viele manipulieren ihr Gegenüber dahingehend, dass dieses ihr Verhalten akzeptiert. Sie erfinden zum Beispiel eine Opfergeschichte. Ein Beispiel aus Felbers Coaching: Der manipulative Partner verweist immer wieder auf eine schlimme Kindheit. Die Betroffenen empfinden am Ende mehr Empathie mit dem anderen als mit sich selbst. Das Verhalten des Partners wird wortreich erklärt und gerechtfertigt, die eigenen Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. "Und das hat System", sagt Felber.

Betroffene berichten, dass sie durch die ständigen Vorwürfe, Anklagen und Entwertungen immer mehr verunsichert werden. "Irgendwann denken sie: Ich mache ja wirklich alles falsch", sagt Wardetzki. So entsteht ein Teufelskreis: Wegen des fehlenden Selbstvertrauens können sich Betroffene immer weniger von ihrem Partner abgrenzen. "Halt, so geht es nicht mehr - das sagen sie erst, wenn es wirklich nicht mehr anders geht", weiß Wardetzki aus ihren Gesprächen. "Das kann Jahrzehnte dauern, vor allem, wenn Kinder da sind."

Für eine toxische Beziehung braucht es immer zwei Menschen. Eine Person, die dazu neigt, andere zu manipulieren. Und eine andere Person, die das zulässt. Diese ist genauso verantwortlich. Annika Felber erklärt, was damit gemeint ist: Wer eine heile Kindheit mit stabilen Bindungen hatte, wird einen Menschen mit destruktiven Zügen schnell zum Teufel schicken. "Jeder kann in eine solche Dynamik geraten, aber nicht jeder bleibt da drin."

Anders ist das bei Personen, die in ihrer Beziehungsbiografie schon Geber-Nehmer-Rollengewohnt sind. Sie springen eher darauf an. Zum Beispiel: Ein Elternteil war alkoholkrank oder psychisch erkrankt. Das Kind hat sich um ihn gekümmert, auch wenn es unter der Situation gelitten hat. "So ein Muster führt man später im Leben mit dem Partner weiter", sagt Felber. "Dabei nimmt man in Kauf, dass man schlecht behandelt wird, weil es als Kind genauso war."

Auch Bärbel Wardetzki kennt solche Fälle gut. "Viele betroffene Frauen kommen aus Familien, in denen sie bereits viel Entwertung erlebt haben." Die eigenen Bedürfnisse haben nie eine Rolle gespielt, das prägt. "Ich habe mal eine Frau gefragt: Was wollen Sie? Sie hat geantwortet: Ich verstehe die Frage nicht."

Anfällig für toxische Partner sind laut Felber alle Menschen mit unsicheren Bindungsmustern. Deshalb sei eine toxische Beziehung immer auch die Chance, etwas über sich zu lernen. "Ich leite tatsächlich viele Klienten an die Psychotherapie weiter, spätestens wenn klar ist, dass ein Trauma dahintersteckt. Das ist sehr oft der Fall."

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Christin Klose/Christin Klose

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