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"Je mehr und je unterschiedlicher die Kinder spielen, desto besser lernen sie sich selbst kennen und desto besser kommen sie später mit unterschiedlichen Situationen klar", sagt Junge. Durch das Ausprobieren im Spiel erlernen sie also, verschiedene Lösungsmöglichkeiten für eine Situation zu entwickeln - generell hilfreich im Leben. "Man kann sich austesten", so Junge. Wie neugierig, verträglich, emotional, gelassen, tolerant und stabil bin ich in bestimmten Situationen? Das zeigt das Spiel.
"Impulskontrolle und faires Verhalten kann man nicht lernen, indem man ein Arbeitsblatt in der Schule ausfüllt", sagt Brettspielexpertin Christina Valentiner-Branth. Deswegen findet sie Gesellschaftsspiele für Kinder so wichtig. "Hier lernt man im besten Sinne Soft Skills wie emotionale Kontrolle und Teamfähigkeit."Man muss sitzen, abwarten, Regeln einhalten und sich mal ein wenig für die Gruppe zurücknehmen. Das kann für Kinder ganz schön fordernd sein, nutzt ihnen aber auf lange Sicht.
Ganz nebenbei schulen viele Spiele auch Fähigkeiten im mathematischen, sprachlichen oder naturwissenschaftlichen Bereich. "Im Spiel bereiten sich Kinder auf das vor, was in der nächsten Entwicklungsstufe kommt", sagt Valentiner-Branth. Das Spiel ist ein Feld zum Üben und Experimentieren, ob nun Rollenspiele, Konstruktionsspiele oder eben Regelspiele so wie es Brettspiele sind.
Zuschauen geht immer, aber richtig mitspielen? Das geht frühestens ab einem Alter von vier Jahren, sagt Jens Junge. "Mit fünf sollte jedes Kind in der Lage sein, Brettspiele zu spielen." Dann haben Kinder in der Regel ein Verständnis dafür, Regeln zu akzeptieren. Sie verstehen die Spielabläufe und wissen, wer wann und wie mitspielen darf. Allerdings sollte man die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Wirklich geordnet und diszipliniert mitzuspielen, muss der Nachwuchs erst lernen. Am besten geht man geduldig mit gutem Beispiel voran und wählt Spiele, die für das Alter und die Fähigkeiten der Kinder geeignet sind.
"Bei ganz kleinen Kindern bin ich noch großzügig, was das Auslegen der Regeln angeht", sagt Christina Valentiner-Branth. Aber spätestens ab fünf Jahren müssen sich alle an die Spielregeln halten. "Das fällt manchmal schwer, und genau das können wir im Spiel üben. Ich darf als Eltern bei Eskalation das Spiel einfach beenden und ein paar Tage später noch mal anbieten." Vielleicht klappt es dann ja schon besser. Auch Frustration ist Teil des Spiels. Eltern stellen sich besser darauf ein. Beim Spiel kann und darf es ruhig auch mal hoch hergehen, sagt Prof. Karin Falkenberg, wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Ludologie.
Kinder sollten auch mal das Spielbrett hochschmeißen können, wenn sie verloren haben. Danach geht es dann eben nicht weiter, das würden sie dann sehen. "Man lernt so, dass man auch mal verlieren kann", sagt Jens Junge. "Mit Schmerz und Niederlage umgehen zu lernen, ist wichtig." Andersherum lernen die Kinder auch, sich mit Mitspielern zu freuen, wenn diese erfolgreich sind.
ILLUSTRATION - Die unterschiedlichen Sprachen sollten regelmäßig im Alltag stattfinden - eine Methode, die dabei hilft: Eine Sprache bestimmten Situationen zuordnen und etwa Deutsch beim Spielen sprechen. (zu dpa: «Familie international: Ein Kind, drei Sprachen - so geht das») Foto: Robijn Page/Westend61/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
