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Sie haben eine gute Flasche Wein geschenkt bekommen, die Sie erst in einigen Monaten oder sogar Jahren zu einem besonderen Anlass trinken möchten? Dann sollte die Flasche an einem geeigneten Ort ruhen.
Fünf Tipps für das perfekte Lagern von Weinen:
Der Ort
Wein gehört in den Keller, so will es die Tradition. Tatsächlich seien alte Gewölbe von Natur aus perfekt zum Lagern, sagt Christian Ress, der Gründer des Weinclubs Winebank. Keller sind:
Die Temperatur
Zu warm darf es nicht sein. "Über 20 Grad gelagerte Weine bauen schon nach einem halben Jahr ab", sagt Sommelière Natalie Lumpp. Optimal seien 12 Grad. Wichtiger als die Kühle ist aber eine konstante Temperatur. Schwankt die Temperatur, dehnt sich der Wein bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte wieder zusammen - und pumpt so Luft rein und wieder raus. Die Folge: Der Wein oxidiert und altert. "Besonders feine Fruchtaromen leiden", erklärt Ress. "Die Weine werden unharmonisch, sie verlieren Frische, ihre Säure wird weniger intensiv."
Die Umgebung
Eine Weinflasche sollte nie in der Sonne stehen. UV-Strahlen lassen den Wein altern - und zwar schon nach wenigen Wochen. Um den Gasaustausch gering zu halten, sollte der Lagerort außerdem erschütterungsfrei sein. Das Weinregal also nicht in die Nähe der Waschmaschine stellen, weil beim Schleudern der Boden vibriert.
Die Luftfeuchtigkeit
Um den Korken geschmeidig und die Flasche damit dichtzuhalten, sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 70 Prozent liegen.
Die Position
Auch das liegende Lagern soll den Korken davor schützen, spröde zu werden. Bei Flaschen mit Schraubverschluss ist es laut Ress egal, ob diese stehen oder liegen und wie feucht die Luft ist. Übrigens werden längst auch Spitzenweine mit Schraubverschluss verkauft.
Alternative Orte zum Keller
Wer keinen Keller hat, lagert seinen Wein am besten unter dem Bett. "Dort ist es dunkel, und das Schlafzimmer ist meist der kühlste Raum der Wohnung", erklärt Marc Almert, der 2019 die Weltmeisterschaft der Sommeliers gewann. Die Umgebung sollte auf jeden Fall geruchsfrei sein. Ambitionierten Weinsammlern rät Ress zum Kauf eines Weinkühlschranks, bei dem sich das perfekte Klima exakt einstellen lässt. Denn die Betonkeller moderner Häuser seien oft trocken und warm.
"Große Weine", also Weine von hoher Qualität, bräuchten viel Zeit, sagt Christian Ress. Sie gewinnen an Harmonie und Komplexität. Je höher der Alkohol- und Zuckergehalt, umso länger hält sich der Wein und kann sich entwickeln. Eisweine oder Trockenbeerenauslesen könnten locker Jahrzehnte reifen, sagt der Profi.
Manche Weine werden feiner und ausgewogener, wenn sie lange lagern. Tertiäraromen wie Vanille oder Nuss vom Holzfass können zutage treten. "Viele schätzen die Veränderung der Aromatik", sagt Yvonne Heistermann, Präsidentin der Sommelier-Union Deutschland.
Rotweine wie Ribera, Bordeaux und Barolo hätten viel Potenzial aufgrund ihrer Komplexität und des hohen Tanningehalts. "Im Lauf der Zeit verbinden sich die Komponenten noch mehr miteinander und werden besser zugänglich." Der Wein schmeckt noch runder. "Es wird oft unterschätzt, dass auch Weißweine reifen", sagt Christian Ress. Das mit Abstand größte Reifepotenzial habe der Riesling - dank seines hohen Säuregehalts.
Aber: "Nicht jeder Wein ist ein Langstreckenläufer", sagt Heistermann. Vor allem Weine im unteren Preissegment kommen trinkreif auf den Markt. "Ein einfacher Grauburgunder aus dem Supermarktregal wird nicht besser durch Lagerung. Den sollte man direkt konsumieren."
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Franziska Gabbert/Franziska Gabbert
