"Für mich war es keine Frage der Wissenschaft, sondern eine der Erfahrung", erzählt Mutter Julia K. "Wenn jeder Morgen ein Kampf ist und das Kinderzimmer zum Kriegsgebiet mutiert, muss man einfach andere Lösungen suchen", so die 41-Jährige. Heute erinnert nichts mehr daran, dass ihr mittlerweile 11-jähriger Sohn Leon als Kleinkind heftig protestierte – gegen so ziemlich alles. "Er wollte nicht aufstehen, nicht schlafen gehen, nicht das essen, was ich vorbereitet hatte und nicht in den Kindergarten gehen." Was hat sich geändert? "Wir haben Routinen eingeführt."
Warum Routinen bei Kindern wichtig sind
Sie wollte mit Leon schon beim Kinderpsychologen vorstellig werden, doch dann gab ihr die Kindergärtnerin einen guten Tipp: "Sie meinte, Rituale und Routinen bei Kindern seien unterschätzt und ich solle es erstmal damit versuchen." Julia K. besorgte sich Bücher und begann damit, für Leon ein lustiges Morgenritual zu entwickeln. "Wenn der Morgen schon gut und entspannt läuft, wird dadurch der ganze Tag besser", sagt sie. Die Kleidung für den nächsten Tag wurde gemeinsam schon am Vorabend rausgesucht, direkt nach dem Aufstehen folgten Waschen und Zähneputzen. "Dafür gab es einen Sticker, den Leon auf ein riesiges Blatt Papier kleben konnte, das im Badezimmer hing." Weiter ging es mit Frühstück bei Musik und dem Weg zum Kindergarten, der immer über dieselbe Route führte. Auch die Nachmittage und Abende folgten jeden Tag demselben Muster.
Was erstmal einfach klingt, macht im Alltag einen großen Unterschied. Routinen geben Kindern Sicherheit. Wenn Abläufe immer dieselben sind, sind sie auch vorhersehbar. Und diese Vorhersehbarkeit reduziert Stress, baut Vertrauen auf, gibt Kindern Stabilität und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wichtig ist, ihnen dem Alter angepasste Aufgaben in diesem Tagesablauf zu geben. Dann lernen sie auch Selbstständigkeit.


Routinen entwickeln
Natürlich stellt sich eine Routine nicht ein, wenn der Morgen zweimal hintereinander gleich abläuft. Julia K. weiß: "Das braucht auch nochmal jede Menge Geduld." Das ego4you Mental Coaching kann in herausfordernden Zeiten eine sinnvolle Unterstützung im Alltag sein: Ein Matching eruiert die optimalen Psychologinnen und Psychologen für individuelle Beratungen. Der zusätzliche Zugang zum "Mental Health Gym" ermöglicht es, Gelerntes im Alltag umzusetzen und bietet zum Beispiel Meditationsübungen zur Entspannung.
Und entspannten Eltern fallen viel mehr Möglichkeiten zur Entwicklung einer Routine ein. So ist zum Beispiel wichtig, die Kinder einzubeziehen und ihnen konkrete Aufgaben zu geben, abends Routinen zu haben, die das Runterkommen und Einschlafen erleichtern und Abläufe mit Anreizen oder Belohnungen zu verknüpfen. Das können Sternchen, High-Fives oder eben Sticker sein. Expertinnen und Experten empfehlen zusätzlich:


Bleiben Sie authentisch. Sie müssen nicht dieselbe Routine haben wie die gefeierte Mom-Fluencerin. Ihre Routine muss zum Alltag Ihrer Familie passen.
Bleiben Sie flexibel. Wenn mal etwas Unvorhergesehenes passiert, ist das auch kein Weltuntergang.
Kündigen Sie Übergänge an. "Nach diesem Lied gehen wir ins Bad", "Wenn der Film vorbei ist ..."
Planen Sie immer die doppelte Zeit ein ("Puffer-Trick"). Dann bleibt alles entspannt, auch wenn das Kind statt 3 Minuten plötzlich 6 zum Anziehen braucht.
Aufgaben verteilen: Arbeiten im Haushalt gehören zur Routine dazu. Zum Beispiel Spielsachen vor dem Schlafengehen wegräumen, nach dem Essen seinen Teller in den Geschirrspüler räumen, die Schultasche selbst packen etc.
Zu alt für Routinen?
Leons Drama-Anfälle aus der Kindergartenzeit sind längst vergessen – zumindest bei ihm. Seine Mutter sagt aber: "Routinen haben wir immer noch. Spätestens mit jedem Entwicklungsschritt, den er gemacht hat, haben wir die Routinen angepasst. Seit kurzem geht Leon zum Fußballtraining. Natürlich müssen dann auch so Dinge wie Sportsachen packen und nach dem Training in die Waschmaschine tun eingeplant werden.“
Für Routinen ist man nie zu alt. Auch als Erwachsene tun wir uns wesentlich leichter in der Gestaltung unseres Alltags, wenn bestimmte Aufgaben ohne viel Nachdenken ganz wie von selbst ablaufen. Im Grunde ist das wie mit dem Autofahren: Müssten wir jedes Mal überlegen, wo Bremse und Gaspedal sind oder wie man blinkt, kämen wir nicht voran. Zumindest nicht schnell und unfallfrei.






