Papst Leo XIV. ist an einem Adenokarzinom der Lunge erkrankt, der häufigsten Form von Lungenkrebs. Sie trifft auch Menschen, die nie geraucht haben. Welche Ursachen Fachleute dafür sehen, warum in Österreich das Edelgas Radon eine große Rolle spielt und weshalb ein früher Befund die Chancen deutlich verbessert.
Die Diagnose des Papstes
Die Erkrankung von Papst Leo XIV. hat eine Krebsform ins Gespräch gebracht, die viele nur mit dem Rauchen verbinden. Der 71-Jährige ist an Lungenkrebs erkrankt, genauer an einem Adenokarzinom. Das bestätigten seine behandelnden Ärzte an der Gemelli-Klinik in Rom, nachdem Gewebeproben aus der Operation untersucht worden waren. Entdeckt wurde der Knoten bei einer Routineuntersuchung, nach Angaben des Papstes in einem sehr frühen Stadium.
Am 13. Oktober entfernten der Chirurg Stefano Margaritora und der päpstliche Leibarzt Luigi Carbone in einem rund 90 Minuten langen, minimalinvasiven Eingriff den unteren Lappen der rechten Lunge. Ziel war es laut den Ärzten, das gesamte Krebsgewebe zu entfernen. Ob weitere Behandlungen nötig sind, hängt von den abschließenden Untersuchungen ab. Leo XIV. gilt als Nichtraucher, seine öffentlichen Termine sind bis 20. Oktober abgesagt.
Die häufigste Form bei Menschen, die nie geraucht haben
Das Adenokarzinom entsteht aus drüsenbildenden Zellen der Lunge und ist heute weltweit die häufigste Form von Lungenkrebs. Bei Menschen, die nie geraucht haben, dominiert es besonders deutlich. Eine Analyse der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation im Fachjournal The Lancet Respiratory Medicine kam zu dem Ergebnis, dass 53 bis 70 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Nie-Rauchern auf diese Form entfallen.
Lungenkrebs bei Menschen, die nie geraucht haben, ist laut der Analyse inzwischen die fünfthäufigste Krebstodesursache der Welt. Weltweit erkrankten im Jahr 2022 rund 2,5 Millionen Menschen an Lungenkrebs, davon etwa 1,6 Millionen Männer und 910.000 Frauen. Der Abstand zwischen den Geschlechtern wird kleiner, auch weil Adenokarzinome bei Frauen zunehmen.
Luftverschmutzung, Radon und Veranlagung
Rauchen bleibt der mit Abstand wichtigste Risikofaktor. Bei Nichtrauchern rücken aber andere Ursachen in den Vordergrund. Die IARC-Forschenden verbinden weltweit fast 200.000 Adenokarzinome mit Luftverschmutzung, besonders betroffen ist Ostasien. Auch an der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie der MedUni Wien wird darauf hingewiesen, dass Lungenkrebs nicht mehr ausschließlich mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden könne. Neben Umweltfaktoren spiele dabei auch die genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle.
In Österreich kommt ein Faktor hinzu, der oft unterschätzt wird. Laut der Gesundheitsagentur AGES ist das radioaktive Edelgas Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs im Land. Radon entsteht im Boden und kann durch Risse im Fundament oder durch Rohrleitungen in Gebäude gelangen. Europaweit wird Radon in Wohnräumen laut dem Gesundheitsportal des Bundes mit rund zehn Prozent der Lungenkrebstodesfälle in Verbindung gebracht.
Wie häufig Lungenkrebs in Österreich ist
Laut Statistik Austria erkrankten im Jahr 2024 in Österreich 5.533 Menschen neu an Lungenkrebs, 3.020 Männer und 2.513 Frauen. Damit ist er bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebsart. Im selben Jahr starben 4.224 Menschen daran. Bei Männern ist Lungenkrebs die häufigste Krebstodesursache, bei Frauen liegt er knapp an erster Stelle.
Die Überlebenschancen hängen stark davon ab, wann der Tumor entdeckt wird. Über alle Stadien hinweg liegt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate laut Statistik Austria bei 26,2 Prozent. Weil Lungenkrebs im Frühstadium oft keine Beschwerden macht, wird er häufig erst spät erkannt. Ein früh entdeckter, klar begrenzter Tumor kann dagegen oft operativ entfernt werden, wie im Fall des Papstes.
Was man selbst tun kann
Gegen Luftverschmutzung oder genetische Faktoren kann der Einzelne wenig ausrichten, gegen Radon dagegen schon. Die radioaktive Belastung eines Hauses lässt sich laut AGES nur durch eine Messung im Gebäude feststellen. Die Messung ist einfach und günstig, die Behörde verschickt die Messgeräte per Post. Die österreichische Radonpotenzialkarte weist in rund 500 Gemeinden ein erhöhtes Radonpotenzial aus, sagt aber nichts über einzelne Gebäude.
Bei Neubauten und Sanierungen empfiehlt die AGES, Schutzmaßnahmen gleich einzuplanen und Eintrittsstellen abzudichten. Wer Beschwerden hat oder sich wegen eines erhöhten Risikos sorgt, kann sich an die Hausärztin oder den Hausarzt wenden. Rund um die Uhr gibt in Österreich auch die Gesundheitsberatung unter der Telefonnummer 1450 Auskunft.
