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Legionellenfälle nehmen zu: Wie sicher ist unser Trinkwasser?

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Yakup Tazi

©Tatiana Weber

Die Zahl der Legionärskrankheiten in Österreich steigt. Wo lauern Legionellen im Haushalt, wie groß ist das Risiko beim Duschen und wie lässt sich die Trinkwasserhygiene verbessern? Wasserexperte Yakup Tazi erklärt, worauf es ankommt.

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Angesichts aktueller Legionellenfälle und der zentralen Bedeutung von Trinkwasser für das tägliche Leben sprach Monika Wogrolly mit Yakup Tazi, geschäftsführendem Gesellschafter der MY Wasseranalytik GmbH und allgemein beeidetem und gerichtlich zertifiziertem Sachverständigen für technische Trinkwasserhygiene darüber, wie sicher unser Wasser wirklich ist, wie Risiken entstehen und was beachtet werden sollte

Herr Tazi, wie kommt unser Trinkwasser eigentlich vom Wasserwerk bis zum Wasserhahn und an welcher Stelle kann sich seine Qualität verändern?

 Das Wasser wird aus Quellen oder Grundwasser gewonnen, bei Bedarf aufbereitet, in Hochbehältern gespeichert und über das öffentliche Leitungsnetz bis zum Hausanschluss geliefert. Bis dorthin überwacht der Wasserversorger die Qualität laufend. Ab dem Hauswasseranschluss beginnt die Hausinstallation, also alle Leitungen, Speicher und Armaturen im Gebäude.

Verändern kann sich die Qualität vor allem auf diesen letzten Metern: Dort steht das Wasser oft länger, es erwärmt sich und kommt mit vielen verschiedenen Materialien in Berührung.

Warum bedeutet einwandfreies Trinkwasser am Hausanschluss nicht automatisch, dass die Wasserqualität an jeder Entnahmestelle im Gebäude gleich gut ist?

Weil jedes Gebäude ein eigenes kleines Leitungssystem ist. Wie lang die Leitungen sind, aus welchem Material sie bestehen, wie warm es im Schacht ist und wie oft ein Wasserhahn benutzt wird, unterscheidet sich von Stelle zu Stelle.

Am Küchenhahn, der täglich läuft, kommt frisches Wasser an. Im selten benutzten Gästebad steht es dagegen tagelang in der Leitung. Dazu kommen die Armaturen selbst: Im Strahlregler - dem kleinen Sieb am Auslauf des Wasserhahns - oder im Duschschlauch können sich Kalk und Keime ansammeln.

Was sind die wichtigsten Regeln der Trinkwasserhygiene in den eigenen vier Wänden?

  • Wasser muss fließen: Jede Entnahmestelle regelmäßig benutzen, als Faustregel mindestens alle zwei bis drei Tage.

  • Kalt muss kalt bleiben, warm muss heiß sein: Kaltwasser möglichst unter 20 °C, Warmwasser im Speicher mindestens 60 °C bzw. an der Entnahmestelle 55 °C.

  • Zum Trinken und Kochen nur Kaltwasser verwenden und abgestandenes Wasser vorher ablaufen lassen.

  • Armaturen sauber halten: Strahlregler und Duschkopf regelmäßig reinigen und entkalken.

Wie lange sollte man Wasser laufen lassen, wenn eine Leitung einige Stunden nicht benutzt wurde? Woran erkennt man, dass frisches Wasser aus der Leitung kommt?

Eine fixe Sekundenzahl gibt es nicht, weil jede Leitung anders lang ist. Meist reichen einige Sekunden bis etwa eine Minute. Das beste Messgerät ist der eigene Finger: Frisches Wasser ist spürbar kühler als das abgestandene und bleibt dann gleichmäßig kalt. (Die Temperatur kann ein praktischer Hinweis sein, ist aber kein verlässlicher Nachweis hygienisch einwandfreien Wassers. Auch Wasser, das kühl aus der Leitung kommt, kann mikrobiologisch belastet sein, Anm.)

Wichtig ist das vor allem in der Früh und nach der Arbeit. Stagnationswasser, also Wasser, das länger in der Leitung gestanden ist, kann Spuren von Metallen aus Rohren und Armaturen aufgenommen haben. Man muss es nicht verschwenden: Zum Blumengießen oder Putzen eignet es sich gut. Für Säuglingsnahrung sollte man immer frisches Wasser nehmen.

Was sollte man nach einem Urlaub oder einer längeren Abwesenheit beachten, bevor man Wasser wieder zum Trinken, Kochen oder Duschen verwendet?

Alle Wasserhähne nacheinander aufdrehen, zuerst warm und dann kalt. Jeweils einige Minuten laufen lassen, bis die Temperatur gleich bleibt: kalt wirklich kalt, warm wirklich heiß. Auch die WC-Spülung betätigen.

Bei der Dusche den Brausekopf auf den Boden oder in die Wanne halten, damit möglichst kein Sprühnebel entsteht. War der Warmwasserspeicher abgeschaltet oder abgesenkt, sollte er vor dem ersten Duschen wieder auf mindestens 60 °C aufgeheizt werden.

Bei mehrwöchiger Abwesenheit ist es am besten, wenn jemand zwischendurch die Hähne laufen lässt. Geht das nicht, die Wasserzufuhr absperren und nach der Rückkehr besonders gründlich spülen.

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. In sehr geringer Zahl sind sie unbedenklich. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich in der Hausinstallation stark vermehre

Yakup Tazi

Wann können Warmwasser und Kaltwasser hygienisch problematisch werden? Welche Rolle spielen Temperatur und stagnierendes Wasser in den Leitungen?

Entscheidend ist der lauwarme Bereich zwischen etwa 25 und 45 °C: Hier vermehren sich Bakterien wie Legionellen am besten. Unter 20 °C wachsen sie kaum, ab etwa 55 bis 60 °C sterben sie langsam ab.

Warmwasser wird daher zum Problem, wenn es nicht heiß genug ist, zum Beispiel weil der Speicher aus Spargründen auf 45 °C gestellt wurde. Kaltwasser wird zum Problem, wenn es sich erwärmt, etwa in schlecht gedämmten Leitungen neben Heizungsrohren oder im Hochsommer.

Stagnation, also stehendes Wasser, liefert die nötige Zeit. An den Rohrwänden bildet sich ein Biofilm, eine dünne Schleimschicht aus Mikroorganismen, in der sich Keime geschützt vermehren. Wärme und Stillstand zusammen sind die ungünstigste Kombination.

Wie entstehen Legionellenprobleme in Hausinstallationen, und warum können sie gesundheitlich gefährlich werden?

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. In sehr geringer Zahl sind sie unbedenklich. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich in der Hausinstallation stark vermehren: bei lauwarmem Wasser, in selten benutzten oder stillgelegten Leitungsteilen, in zu großen oder zu kühl betriebenen Warmwasserspeichern und dort, wo Kalk und Biofilm ihnen Schutz bieten.

Gefährlich sind sie, weil sie die Legionärskrankheit auslösen können, eine schwere Form der Lungenentzündung, die ohne rechtzeitige Behandlung lebensbedrohlich sein kann. Daneben gibt es das mildere Pontiac-Fieber, das einer Grippe ähnelt und bei einem gesunden Menschen von selbst abklingt.

Wie erfolgt eine Ansteckung mit Legionellen? Ist das Trinken des Wassers das Problem oder vor allem das Einatmen feinster Wassertröpfchen, etwa beim Duschen?

Vor allem über das Einatmen. Legionellen gelangen über Aerosole in die Lunge, das sind feinste Wassertröpfchen, die in der Luft schweben, etwa beim Duschen, im Whirlpool oder bei Luftbefeuchtern.

Das Trinken ist für gesunde Menschen in der Regel kein Problem, weil die Bakterien im Magen nicht überleben können (wegen der Magensäure). Eine Ausnahme sind Menschen mit Schluckstörungen, bei denen Wasser in die Luftröhre geraten kann. Von Mensch zu Mensch wird die Krankheit nicht übertragen.

Welche Menschen sind durch Legionellen besonders gefährdet, und bei welchen Beschwerden sollte man medizinisch aufmerksam werden?

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucherinnen und Raucher, Personen mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen oder Diabetes sowie alle mit geschwächtem Immunsystem, etwa während einer Krebstherapie oder nach einer Transplantation.

Aufmerksam werden sollte man bei hohem Fieber, Schüttelfrost, trockenem Husten, Atemnot sowie Kopf- und Muskelschmerzen, manchmal begleitet von Durchfall oder Verwirrtheit. Die Beschwerden beginnen meist zwei bis zehn Tage nach dem Kontakt. Dann rasch zur Ärztin oder zum Arzt gehen und erwähnen, wenn man kürzlich im Hotel war oder eine lange unbenutzte Dusche verwendet hat. Die Krankheit ist mit Antibiotika gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.

Welche anderen mikrobiologischen oder technischen Probleme können zwischen Hausanschluss und Wasserhahn auftreten?

Mikrobiologisch ist neben den Legionellen vor allem Pseudomonas aeruginosa zu nennen, ein Keim, der feuchte Stellen wie Armaturen, Schläuche und Siebe besiedelt. Für Gesunde ist er meist harmlos, er kann aber Wunden und Ohren infizieren und ist für immungeschwächte Menschen gefährlich.

Technisch geht es um Metalle, die sich aus Leitungen und Armaturen lösen: Blei aus alten Rohren in Altbauten, außerdem Kupfer und Nickel. Rost aus alten Stahlleitungen färbt das Wasser braun. Hinzu kommen Kalkablagerungen, ungeeignete Schläuche und Dichtungen sowie Rückfließen: Dabei gelangt Wasser aus einem angeschlossenen Gerät oder Gartenschlauch zurück in die Trinkwasserleitung, wenn die Sicherung fehlt.

Was kann ich als Bewohnerin selbst sinnvoll tun, und wo beginnt die Verantwortung von Hausverwaltung, Eigentümer oder Fachbetrieb?

Selbst tun kann man viel: alle Wasserhähne regelmäßig benutzen, abgestandenes Wasser ablaufen lassen, Strahlregler und Duschkopf reinigen und den eigenen Boiler heiß genug einstellen. Ebenso wichtig ist es, Auffälligkeiten zu melden: Warmwasser, das nicht richtig heiß wird, lauwarmes Kaltwasser, Verfärbungen oder ungewohnter Geruch.

Der Wasserversorger ist bis zum Hausanschluss zuständig. Für die Anlage im Gebäude sind Eigentümer bzw. Hausverwaltung verantwortlich, also für Leitungen, zentrale Warmwasserbereitung, Wartung und allfällige Wasseruntersuchungen. Alles, was in die Anlage eingreift, gehört in die Hände eines Fachbetriebs: Umbauten, Reparaturen und Desinfektionen.

Welche Fehler werden im Alltag besonders häufig gemacht, obwohl sie leicht vermeidbar wären?

  • Das Warmwasser wird aus Spargründen zu kühl eingestellt.

  • Selten benutzte Entnahmestellen wie Gästebad, Kellerwaschbecken oder Gartenanschluss werden vergessen.

  • Nach dem Urlaub wird sofort geduscht, ohne vorher zu spülen.

  • Warmes Leitungswasser wird für Tee, Kochen oder Babynahrung verwendet, weil es schneller geht.

  • Strahlregler, Duschköpfe und Duschschläuche werden nie gereinigt oder getauscht.

  • Bei Umbauten in Eigenregie bleiben stillgelegte Leitungsstücke zurück, in denen das Wasser steht.

Was halten Sie von Wasserfiltern oder anderen Geräten für den privaten Haushalt? Wann sind sie sinnvoll, und wann können sie bei falscher Wartung selbst zum hygienischen Problem werden?

Wasser aus der öffentlichen Versorgung muss im Normalfall nicht nachbehandelt werden. Sinnvoll sind ein mechanischer Filter beim Hauseingang, der Sandkörner und Rostteilchen zurückhält und bei sehr hartem Wasser eine Enthärtungsanlage zum Schutz von Leitungen und Geräten. Spezielle Filter können auch bei Hausbrunnen oder auf ärztlichen Rat für stark immungeschwächte Menschen angebracht sein.

Jeder Filter hat aber eine Kehrseite: Er sammelt Stoffe und bietet eine große, feuchte Oberfläche, auf der sich Keime vermehren können. Bei Tischfiltern gilt daher: Kartusche pünktlich wechseln, Wasser täglich erneuern, Kanne kühl stellen und reinigen. Dasselbe gilt für Wassersprudler und Untertischgeräte.

Meine Faustregel: Ein Gerät ist nur so gut wie seine Wartung. Wer es nicht regelmäßig pflegen will, verzichtet besser darauf.

Wenn Sie das kleine Einmaleins der Trinkwasserhygiene auf fünf Punkte reduzieren müssten: Was sollte jeder Mensch über sein Wasser zu Hause wissen?

  1. Wasser ist ein frisches Lebensmittel. Was länger in der Leitung gestanden ist, lässt man ablaufen, bis es kühl kommt.

  2. Wasser muss fließen. Jeder Wasserhahn im Haushalt sollte regelmäßig benutzt werden.

  3. Kalt muss kalt sein, warm muss heiß sein. Der lauwarme Bereich dazwischen ist die Wohlfühlzone der Keime.

  4. Die letzten Meter liegen in der eigenen Hand. Strahlregler, Duschkopf, Filter und Geräte brauchen Pflege.

  5. Im Zweifel handeln. Nach längerer Abwesenheit spülen, Auffälligkeiten melden und für Arbeiten an der Anlage Fachleute holen.

Steckbrief

Yakup Tazi

DI Yakup Tazi, Bsc ist geschäftsführender Gesellschafter der MY Wasseranalytik GmbH (Ingenieurbüro und chemisches Labor) sowie allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für technische Trinkwasserhygiene und Hygiene in raumlufttechnischen Anlagen.

Nach der HTL für Maschinen- und Anlagenbau in Wien hat er internationales Wirtschaftsingenieurwesen sowie Gebäudetechnik studiert. Beruflich war er zunächst in der Projektierung im Anlagenbau und in der Gebäudetechnik (Haustechnik) tätig.

Seine berufliche Laufbahn begann in der Projektierung im Anlagenbau und in der Gebäudetechnik. Von 2018 bis 2021 war er als Prüfingenieur und hat schwerpunktmäßig Trinkwasser-, Lüftungs- und Kühlturmanlagen auf technische und hygienische Mängel untersucht. Seit 2021 selbstständig

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