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Lippen aufspritzen: Risiken, Kosten und unrealistische Erwartungen

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Dr. Jennifer Kager

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Lippen aufspritzen gilt als Beauty-Trend, doch der Eingriff birgt Risiken. Die Wiener Ärztin Jennifer Kager erklärt, worauf es bei Hyaluron-Fillern ankommt, wann sie von einer Behandlung abrät und warum weniger oft mehr ist.

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Sich die Lippen aufspritzen zu lassen, ist in den letzten Jahren immer salonfähiger geworden. Vor allem junge Frauen nehmen den Eingriff oft leichtfertig auf sich und lassen sich von dubiosen Anbietern und Billigpreisen locken. Dr. Jennifer Kager ist Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Schwerpunkt der ästhetischen Medizin in Wien und erklärt, was man vor einem solchen Eingriff unbedingt beachten muss.

Sich die Lippen aufspritzen zu lassen gehört mittlerweile zu den beliebtesten ästhetischen Eingriffen. Warum entscheiden sich derzeit so viele Menschen – vor allem sehr junge Frauen – dafür?

Ich glaube, dass soziale Medien hier einen enormen Einfluss haben. Junge Frauen sehen täglich Bilder von vermeintlich perfekten Gesichtern, oft bearbeitet oder mit Filtern versehen und entwickeln den Wunsch, genauso auszusehen. Gleichzeitig wird das Lippenaufspritzen häufig als einfacher Beauty-Trend dargestellt. Dabei vergessen viele, dass es sich um einen medizinischen Eingriff handelt und nicht um eine kosmetische Behandlung.

Welchen Altersschnitt haben jene Patient:innen, die zu Ihnen für diesen Eingriff kommen?

Die Patient:innen in unseren Ordinationen die sich für eine Lippenunterspritzung interessieren, sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. Gerade bei den jüngeren Patient:innen nehmen wir uns besonders viel Zeit für die Beratung und fragen nach der Motivation hinter dem Behandlungswunsch.

Lehnen Sie manche Anfragen auch ab? Und wenn ja, warum?

Ja, regelmäßig. Nicht jeder Wunsch nach einer Behandlung ist auch sinnvoll. Wenn ich merke, dass jemand unrealistische Erwartungen hat, bereits deutlich überbehandelt ist oder sich ausschließlich an Trends orientiert, lehne ich eine Behandlung ab. Als Ärztin ist es meine Aufgabe, auch einmal Nein zu sagen, wenn ich überzeugt bin, dass eine Behandlung der Patient:in langfristig nicht guttut.

Welche gesundheitlichen Risiken sind mit dem Aufspritzen der Lippen grundsätzlich verbunden?

Die meisten Behandlungen verlaufen problemlos. Zu den häufigen, harmlosen Nebenwirkungen gehören Schwellungen oder kleine Blutergüsse. Es gibt aber auch seltene, schwerwiegende Komplikationen wie einen Gefäßverschluss. Deshalb sollte eine Lippenunterspritzung ausschließlich von entsprechend ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden, die Komplikationen sofort erkennen und behandeln können.

In den vergangenen Monaten wurde vermehrt über Komplikationen nach Hyaluron-Behandlungen berichtet. Hat sich das Risikobewusstsein verändert?

Ja, das beobachten wir durchaus. Viele Patient:innen informieren sich heute deutlich intensiver und stellen gezieltere Fragen zu Risiken, Komplikationen und Langzeitfolgen. Diese Entwicklung begrüßen wir ausdrücklich, denn eine fundierte Aufklärung ist die Grundlage jeder verantwortungsvollen ästhetischen Behandlung. Gerade bei Hyaluronsäure-Fillern sollte eine Entscheidung gut überlegt sein.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Hyaluronsäure je nach Produkt und Injektionsort deutlich länger im Gewebe verbleiben kann als ursprünglich angenommen und sich nicht immer vollständig abbaut. Umso wichtiger ist es, Indikation, Produktwahl und Behandlungsumfang sorgfältig abzuwägen und auf ein natürliches, langfristig sinnvolles Ergebnis zu setzen.

Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Hyaluronsäure falsch injiziert wird?

Die schwerste Komplikation ist ein Gefäßverschluss. Wird dieser nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Gewebeschäden kommen. In äußerst seltenen Fällen kann sogar das Sehvermögen beeinträchtigt werden. Das klingt dramatisch, ist aber glücklicherweise sehr selten, vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt durch erfahrene Ärztinnen oder Ärzte, die im Ernstfall sofort reagieren können.

Woran erkennen Patientinnen und Patienten, dass nach einer Behandlung etwas nicht stimmt?

Starke Schmerzen, eine ungewöhnliche Blässe oder bläuliche Verfärbung der Haut, zunehmende Beschwerden oder Sehstörungen sind Warnzeichen. In solchen Fällen sollte man nicht abwarten, sondern sofort die behandelnde Ordination kontaktieren. Zeit spielt hier eine entscheidende Rolle.

Ich sehe kritisch, wenn medizinische Behandlungen wie Lifestyle-Produkte vermarktet werden, etwa in Hotelzimmern, bei Homepartys oder ausschließlich über soziale Medien

Jennifer Kager

Welche Rolle spielt die Qualifikation der behandelnden Person?

Sie ist wahrscheinlich der wichtigste Sicherheitsfaktor überhaupt. Anatomisches Wissen, Erfahrung und das richtige Komplikationsmanagement kann man nicht durch einen Wochenendkurs ersetzen. Wer Hyaluronsäure injiziert, muss auch wissen, wie im Notfall sofort gehandelt werden muss.

Vor welchen Anbietern warnen Sie besonders?

Ich sehe kritisch, wenn medizinische Behandlungen wie Lifestyle-Produkte vermarktet werden, etwa in Hotelzimmern, bei Homepartys oder ausschließlich über soziale Medien. Wer mit Dumpingpreisen oder schnellen Aktionen wirbt, setzt oft die falschen Prioritäten. Sicherheit sollte niemals verhandelbar sein.

Gibt es Menschen, denen Sie grundsätzlich vom Lippenaufspritzen abraten würden?

Ja. Wenn medizinische Gründe dagegen sprechen oder wenn die Erwartungen nicht realistisch sind. Auch bei Patient:innen, die immer größere Lippen wünschen, obwohl bereits ausreichend Volumen vorhanden ist, empfehle ich häufig, auf eine weitere Behandlung zu verzichten.

Welche langfristigen Folgen können zu viele Lippenunterspritzungen haben?

Zu häufige oder zu große Mengen Hyaluron können die natürliche Lippenform verändern. Das Ergebnis wirkt oft unharmonisch, manchmal kommt es auch zu einer Verlagerung des Fillers. In der modernen ästhetischen Medizin gilt heute mehr denn je: Weniger ist oft mehr.

Was sollten Interessierte vor einer Behandlung unbedingt wissen?

Man sollte sich nicht nur über den Preis informieren, sondern vor allem darüber, wer behandelt. Ein ausführliches Beratungsgespräch, hochwertige Produkte und eine medizinisch qualifizierte Ärztin oder ein qualifizierter Arzt sind wesentlich wichtiger als das günstigste Angebot.

Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell? Wird Sicherheit wichtiger als der Trend zu möglichst voluminösen Lippen?

Definitiv. Ich beobachte, dass sich viele Patient:innen heute wieder natürliche Ergebnisse wünschen. Zu uns kommen auch Patient:innen, die sich woanders gespritzte Filler wieder auflösen lassen, weil es ihnen nicht mehr gefällt und sich weniger wünschen. Der Trend geht weg von übertriebenem Volumen und hin zu harmonischen, individuellen Ergebnissen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für Sicherheit und Qualität deutlich gestiegen und das ist aus unserer Sicht eine sehr erfreuliche Entwicklung.

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Steckbrief

Jennifer Kager

Dr. Jennifer Kager Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Schwerpunkt der ästhetischen Medizin in der Ordination Dr. Rieder & Dr. Kager in Wien. Kostenpunkt einer Lippenkorrektur: ab 360 Euro.

www.riederkager.at

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